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Die Kunstfestspiele sind eröffnet

Herrenhausen Die Kunstfestspiele sind eröffnet

Poetisch, charmant – und unglamourös: Die Kunstfestspiele Herrenhausen haben mit Musik von Gustav Mahler begonnen – so gesehen ein guter Pate für die stilübergreifenden Festspiele.

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Eröffnung im Spiegelzeit: Musik kam vom Ensemble Resonanz.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Der Komponist Gustav Mahler hat es seinen Zuhörern nicht immer ganz einfach gemacht: Statt die Tradition streng fortzuspinnen, hat er ungewohnte Stile und sogar gewöhnliche Geräusche in seine Musik gemischt. Und er hat die kalkulierten Höhepunkte vermieden: Selten kommen bei ihm Pauken, Trompeten und Beckenschlag in einem Moment zusammen. Alles hat ein Vor- und ein Nachspiel.

So gesehen wäre Mahler ein guter Pate für die stilübergreifenden Kunstfestspiele Herrenhausen, die statt auf den einen Paukenschlag nun auf einen gemächlichen Beginn setzen. Statt lautstark zu starten, hat sich das Festival am Donnerstag mit einem mehrteiligen Prolog in Herrenhausen gleichsam eingeschlichen.

Zur Eröffnung der Kunstfestspiele Herrenhausen wurde viel geredet, aber auch ein Konzert gab es: Das Ensemble Resonanz spielte im Spiegelzelt, dem Festivalzeit der Kunstfestspiele.

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Zum Auftakt wurde im Foyer der Orangerie eine Videoinstallation präsentiert. Nur wenige Zuschauer hatten sich dazu eingefunden. Doch auch hier können es die Festivalmacher getrost mit Mahler halten: „Meine Zeit wird kommen“, hat der zu Lebzeiten als Komponist nicht ernst genommene Musiker gesagt. Heute gehören seine Sinfonien zu den meistgespielten Stücken überhaupt – und auch die anfangs zögerlich angenommenen Kunstfestspiele scheinen nun Fahrt aufzunehmen.

Am Donnerstagnachmittag war das Festival Thema im städtischen Kulturausschuss: Intendant Ingo Metzmacher warb für sein Programm, das den Besuchern etwas biete, das man „sonst im Jahr nicht sehen kann“. Das Publikum scheint die Botschaft bereits verstanden zu haben. Im Vorverkauf wurden nach Angaben von Gartendirektor Ronald Clark bereits doppelt so viele Karten verkauft wie im Vorverkauf des Jahres zuvor. Besonders gut gehen die „Gurre-Lieder“, die Video-Oper von Steve Reich und das Konzert des Hagen-Quartetts. Das musste seinen Auftritt am Donnerstag allerdings absagen – und wird nun voraussichtlich durch das Casal-Quartett ersetzt.

Natürlich sind die Herrenhäuser Gärten schön genug. Aber für die Kunstfestspiele wird das Gelände doch noch ein bisschen aufgehübscht. 

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Doch selbst die Prologeröffnung war vielversprechend: Die Installation von Melanie Manchot ließ mit Charme und Poesie den spärlichen Glanz der Veranstaltung vergessen. In „Dance (All Night, Paris)“ zeigt sie zehn verschiedene Tanzgruppen, die auf einem nächtlichen Pariser Platz gleichzeitig Tango und Breakdance, Cancan und Rock ‘n’ Roll tanzen. Musik ist nicht zu hören: die bleibt in Kopfhörern das Privatvergnügen der einzelnen Tänzer – und kann so in der Fantasie der Betrachter neu erblühen.

Nicht zu hören ist in diesem Jahr übrigens auch Musik von Mahler. Aber Arnold Schönberg hat in seinen „Gurre-Liedern“, die am Sonntag zu erleben sind, die Ideen seines Vorbilds weiterentwickelt. Kein Wunder also, dass er in diesem Jahr im Mittelpunkt steht.

Von Stefan Arndt und Jutta Rinas

Am Freitag ist wie an jedem Festivaltag von 11 bis 20 Uhr die Installation in der Orangerie zu sehen. Um 20 Uhr sind in der Musikhochschule Werke von Steve Reich zu hören, um 22.30 Uhr ist die Installation „Finsternis 1816“ im Großen Garten zu sehen.

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