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„Die Nile Hilton Affäre“ – Toter Popstar in Ägypten

Kino „Die Nile Hilton Affäre“ – Toter Popstar in Ägypten

Ein Schlagerstar wird in Kairo tot aufgefunden, ein Polizist sucht nach einem Mörder, eine Zeugin verschwindet. Der Politthriller „Die Nile Hilton Affäre“ (Kinostart am 5. Oktober) zieht den Zuschauer in das Ägypten am Ende der Ära Mubarak. In der Hauptrolle glänzt Fares Fares, bekannt aus den Jussi-Adler-Olsen-Verfilmungen.

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Korrupter Polizist: Noredin (Fares Fares) hält bei seiner Suche nach der Wahrheit gern die Hand auf.

Quelle: Port au Prince Pictures

Hannover. Kairo im Jahr 2011, die Zeit des Arabischen Frühlings. Eine Stadt der Reichen und Mächtigen, der Dekadenz und Korruption. Als in einer Luxussuite des schicken Nile Hilton eine berühmte Popsängerin mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird, kommt der Fall schnell als „Selbstmord“ zu den Akten, da Spuren bis in die höchsten Kreise weisen. Doch der Polizist Noredin (Fares Fares) beisst sich fest, legt sich mit einflussreichen Politikern an, die Staatssicherheit zieht im Hintergrund die Fäden. Keiner will reden, auch nicht die sudanesische Putzfrau, die den Täter gesehen hat und sich aus Angst versteckt.

Tarek Saleh blickt auf Mubaraks Vetternwirtschaft

In einem undurchsichtigen Netz aus Lügen und Gewalt sucht Noredin, der nach dem Tod seiner Frau sich nur mit Alkohol und Tabletten durch den Tag rettet, mit Hilfe der schönen Freundin der Ermordeten (Hania Amar) nach der Wahrheit. Und als plötzlich der verdächtige Politiker Aufklärung fordert, ist klar, es stinkt gewaltig hinter der feinen Fassade.

Tarik Saleh, Schwede mit ägyptischen Wurzeln, inszeniert diesen Mix aus Politthriller und Film Noir ruhig und mit sicherer Hand, ganz ohne strahlenden Helden. Die Hauptfigur ist korrupt wie alle anderen, steckt das Geld des Opfers ein und hält auch sonst gerne die Hand auf. Im System der Vetternwirtschaft unter Präsident Mubarak ist sich schließlich jeder selbst der Nächste. Erst langsam befreit er sich aus den Zwängen, obgleich ihm sein Chef und Onkel immer neue Stolpersteine in den Weg legt.

Ein brüchiger Held, versunken in Melancholie

Das Pfund mit dem der atmosphärisch dichte und beim renommierten Sundance-Filmfestival mit dem Großen Jurypreis ausgezeichnete Film wuchern kann, ist der im Libanon geborene und seit seinem 14. Lebensjahr in Schweden lebende Fares Fares, bekannt vor allem durch seine Rolle als Assistent Assad von Kommissar Carl Mørck in den Jussi Adler-Olsen Romanverfilmungen „Erbarmen“, „Schändung“ und „Erlösung“. Er spielt die brüchige Figur mit einer umwerfenden Präsenz, versunken in Melancholie und Desillusion. Wenn er auf der Suche nach der verschwundenen Zeugin durch die Viertel illegaler Einwanderer streift, im Kommissariat mit seinen Recherchen auf Desinteresse stößt, oder Superreiche auf dem Golfplatz trifft, entsteht das Panorama einer zutiefst ungerechten Gesellschaft.

Beim Showdown, wenn auf dem Tahir Platz das Militär auf Protestierende schießt, ahnt man das Ende der Demokratiebewegung. Eigentlich sollte die Hälfte der Dreharbeiten in Ägypten stattfinden. Das Thema war dort wohl nicht gerne gesehen. Die Behörden gaben vor, es fehle eine Unterschrift des Ministeriums für die Dreherlaubnis, das Team musste das Land verlassen, seine Sicherheit könne nicht garantiert werden, hieß es. Und erst einen Tag vor dem um drei Wochen verspäteten Dreh in Marokko bekamen die Produzenten ihr Equipment zurück.

Von Margret Köhler / RND

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