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Die Red Hot Chili Peppers rocken Hannover

Funk-Rock in der Tui-Arena Die Red Hot Chili Peppers rocken Hannover

Hits, Hits, Hits - davon haben die Red Hot Chili Peppers mehr als genug. Mit ihren Klassikern brachte die Funk-Rockband um Frontmann Anthony Kiedis die kalifornische Sonne ins schmutzig-graue Hannover.

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In Spiellaune: Sänger Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers.

Quelle: Frank Wilde

Hannover. Ein Dach aus Licht. Es senkt sich mächtig und bedrohlich nah auf das Publikum herab. Rote und weiße Leuchtstäbe, viele Hunderte. Dann heben sie sich wieder. Schwenken in Wellenform. Können jede Form und Formation bilden in jeder Farbe. Es ist nur ein optischer Effekt. Eigentlich der einzige, den die Red Hot Chili Peppers mitgebracht haben. Aber einer, der sitzt. Nie gesehen. Aber berauschend.

Wie schön, wenn man sich leisten kann, auf allen anderen Schnickschnack zu verzichten. Es sind die Red Hot Chili Peppers. Also geht es um Musik. Sie kommen mit einer Viertelstunde Verspätung auf die Bühne und jammen zunächst einfach ein bisschen vor sich hin, um das Instrumentalgedudel dann erstmals ins Infernalische zu steigern. Das Volk springt. „Dani California“ stampft durch die Halle, das Fest ist endgültig eröffnet.

Klar, es geht auch um Party. Es geht um Tanzen. Und ganz altmodisch gelebten Rock ‘n’ Roll. Aber vor allem geht es bei einem Konzert der Red Hot Chili Peppers um Energie. Vor der Bühne, wo 10000 Menschen in der ausverkauften Tui-Arena schwitzen, und auf der Bühne, wo drei Mittfünfziger und ein Mittdreißiger alles geben.

Von "Californication" bis "By the Way": Am Donnerstagabend spielten die Red Hot Chili Peppers ihre größten Hits in Hannover.

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Cool sein gehört auch zum Geschäft, klar, aber hier wird gearbeitet. Sänger Anthony Kiedis, derzeit mit Kurzhaarfrisur und Freddie-Mercury-Gedächtnisschnäuzer unterwegs, steht am Mikrofon oder hüpft wie ein Schattenboxer über die karge Bühne, zunächst noch mit bekleidetem Oberkörper, was allerdings nicht sein bevorzugtes Bühnenoutfit ist. Bassist Flea drischt von Beginn an wie ein Irrer auf seinen Viersaiter ein und steht keine Sekunde lang still, so als ob das Kabel seines Instruments direkt durch seinen Körper und erst dann in den Verstärker führte.

Flea, der schon nach dem ersten Stück obenrum abgelegt hat, spielt einen harten Bass. Er zupft oder schlägt die dicken Saiten ganz hinten an, da, wo es am meisten schmerzt, aber wo auch der kantige Ton rauskommt, der den Bandsound immer schon prägt und auch in Riesenhallen ohne Umwege in den Bauch geht.

Die Haltung stimmt - die Party auch

Chad Smith, mit 55 der Älteste, spielt einen präzisen Funkrockgroove mit gelegentlichen Ausreißern ins kultivierte Geprügel. Und Josh Klinghoffer, mit 37 Jahren das Bandküken, versucht nach Kräften, den genialen John Frusciante zu ersetzen, der vor zehn Jahren ausgestiegen ist. Zumindest live kann er die Fans überzeugen. Als die Chili Peppers in Los Angeles loslegten, war Klinghoffer fünf Jahre alt. 33 Jahre ist die Band im Geschäft, und sie hat es gottseidank immer noch nicht gelernt, eine Show einfach herunterzuspulen, so als lebende Legende. Die vier arbeiten. Die Leute haben viel Geld bezahlt. Die Haltung stimmt.

Die Party auch. Es wird noch öfter gejammt an diesem Abend, es ist mehr als ein Best-of-Programm. Das neue Album „The Getaway“ spielt eine Rolle, wenn auch für das Publikum keine große. Obwohl „Dark Necessities“ zum Klassiker taugt. Es sind schon die kraftstrotzenden Funkrock-Salven der frühen Jahre und melancholische Rockhymnen wie „Californacation“ oder „Suck my Kiss“, wegen der die Leute hier sind. Auch der Geniestreich „Stadium Arcadium“, ein randvoll gestopftes Doppelalbum ohne Schwächen aus der Mitte des vorigen Jahrzehnts, nimmt Raum ein. Songs wie „She’s only 18“, die wie ein geschmeidiges Kätzchen beginnen und sich dann in etwas Schwitzendes, Fauchendes verwandeln, das die Masse fast zwangsläufig in Bewegung bringt.

Allerdings ist Sänger Kiedis auch einer, der die Leute pausenlos antreibt. Einer, der den Eindruck macht, er sei beleidigt, wenn man nicht mitmacht, wenn man nicht die gleiche Energie zurückgibt, die er von der Bühne aus in den Saal schickt. So wird die Halle zum Kraftraum. Mit 200 Puls. Unterm Lampendach. Ein erleuchteter Abend.

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