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Die Schätze sind in unseren Museen versteckt

Blick in die Depots Die Schätze sind in unseren Museen versteckt

Niedersachsens Museen sind wie Eisberge: Nur einen kleinen Teil ihrer Schätze kann man in den Ausstellungsräumen sehen, zwischen 75 und 95 Prozent sind dagegen für die Öffentlichkeit unsichtbar, sie lagern in Depots.

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Martin Schmidt, Vizedirektor des Landesmuseums Hannover, im Kupferstichkabinett, wo 20 000 Zeichnungen und Drucke aufbewahrt werden.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Lange waren diese Hinterzimmer der Museen zudem vernachlässigt worden, was mitunter sogar zu Schäden an den historischen Stücken führte. Doch mittlerweile hat ein Umdenken stattgefunden: Die Depots werden salonfähig - auch dank zweier Initiativen. Eine Initiative geht auf den Museumsverband für Niedersachsen und Bremen zurück, der seit Jahren ein Gütesiegel verleiht und dabei auch die Depotführung der rund 600 Museen im Land bewertet.

„Es war lange nicht beliebt, in diesen Bereich zu investieren. Der Ausstellungsbetrieb war wichtiger“, sagte Verbandsreferent Hans Lochmann unlängst im Wissenschaftsausschuss des Landtags. Viele Verantwortliche hätten auch nicht gerne darüber sprechen wollen, weil ihnen durchaus bewusst gewesen sei, dass in ihren Häusern etwas im Argen liege. Wie weit das Problem verbreitet war, zeigt eine Umfrage des Verbands aus dem Jahr 2004: Damals gab ein Drittel der Museen an, mit der eigenen Lagersituation unzufrieden zu sein. 3 Prozent sahen die gelagerten Objekte sogar als „akut gefährdet“ an.

Die restaurierte Maske der Varus-Schlacht.

Die restaurierte Maske der Varus-Schlacht.

Quelle: Landesmuseum

Ein spektakuläres Beispiel für mangelhafte Lagerung wurde 2013 öffentlich, als das Städtische Museum Braunschweig einräumen musste, dass 30 historische Klaviere Schaden genommen hatten. Um die verzogenen Hölzer zu bearbeiten, fehlende Tasten und rostige Saiten zu ersetzen, braucht das Museum 2 Millionen Euro. Seither sind viele Spenden zur Rettung der Instrumente eingegangen, auch Gelder von der Stiftung Niedersachsen. Diese ist wiederum Mitglied im Bündnis „Kunst auf Lager“ - ein Bündnis, das seit 2012 bundesweit Museen hilft, ihre Hinterzimmer auf Vordermann zu bringen.

Darunter ist auch das Museum Kalkriese im Kreis Osnabrück, das die Funde der Varusschlacht zwischen Germanen und Römern im Jahr 9 nach Christus sichtet und sichert. Bislang habe man die vielen Funde „in Vitrinen aus dem Baumarkt“ untergebracht, meint Museumschef Joseph Rottmann etwas salopp. Jetzt hat er bei „Kunst auf Lager“ einen klimatisierten Schrank beantragt. Viel Platz braucht er nicht, denn die meisten Fundstücke sind eher klein und unscheinbar. „Wir könnten auch nach 25 Jahren alle römischen Funde auf eine Schubkarre packen“, meint Rottmann.

Münzen von der Varus-Schlacht.

Münzen von der Varus-Schlacht.

Quelle: Landesmuseum

Ein Hauptgrund, warum die meisten Museumsbestände im Depot liegen: Viele historisch und für die Forschung relevanten Stücke sind für die Öffentlichkeit nicht interessant, da sie zu kleinteilig oder die Sammlungen zu groß sind. „Wir haben eine Sammlung toter Flöhe - wer bitte will Flöhe sehen?“, fragt Peter-René Becker, Leitender Direktor des Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg. Sein Haus hat Geld bei „Kunst auf Lager“ beantragt, um eine rund 2000 Käfer umfassende Sammlung aus dem 19.Jahrhundert wissenschaftlich aufzuarbeiten.

Wenn Kunst im Depot stehe, heiße das nicht, dass „das die schlechtere Kunst ist“, sagt Martin Schmidt, Vizedirektor des Landesmuseums Hannover. „Ich habe mehrere Sakkos, aber ich trage immer nur eins“, zieht er einen Vergleich. Jedes Museum habe ein ausgefeiltes Sammlungs- und Präsentationskonzept, nach dem die Stücke ausgewählt würden. Was in den Depots stehe, sei auch nicht für immer verschwunden, sondern stehe als Leihgabe für andere Häuser zur Verfügung.

Käfersammlung in Oldenburg.

Käfersammlung in Oldenburg.

Quelle: Landesmuseum Natur und Mensch

Doch es gibt einen weiteren Grund, warum Gegenstände in Depots statt in Schauvitrinen lagern. Alte Papiere sind oft sehr lichtempfindlich. So hat auch das hannoversche Landesmuseum in seinem Kupferstichkabinett Drucke, die nur kurz das Archiv verlassen dürfen.

Einige Häuser, wie das Überseemuseum in Bremen, wollen Depot und Öffentlichkeit zusammenbringen und betreiben ihr Lager als Schaumagazin: Jeder kann die Schubladen aufziehen und bei Bedarf die vielen tausend Schaustücke betrachten. Doch Kern der Depotarbeit ist der Erhalt der Kulturschätze. „Unser Plan ist, dass die Stücke möglichst lange überleben“, sagt Hannovers Vizedirektor Schmidt.

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