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„Schnipp-schnapp-schnurre ...“

"Die Schneekönigin" im Schauspielhaus „Schnipp-schnapp-schnurre ...“

Wer im hannoverschen Schauspielhaus das diesjährige Weihnachtsmärchen „Die Schneekönigin“ sah, kam mitten in das erste Schneetreiben dieses Winters. Als das nach knapp anderthalb Stunden gelungen war, gab es befreiten Applaus auch der jüngsten Zuschauer. Und draußen war der Winterzauber schon wieder vorbei.

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Wo Kinder Bauklötze staunen können: Das eiskalte Bühnenbild von Maike Storf.

Quelle: Karl-Bernd Karwasz

Hannover. Das Timing war perfekt. Wer sich aufgemacht hatte, um im hannoverschen Schauspielhaus das diesjährige Weihnachtsmärchen „Die Schneekönigin“ zu sehen, kam mitten in das erste Schneetreiben dieses Winters. Wer schon im Haus war, um das vorangehende Kinderfest mitzufeiern, der konnte beim Blick durch die Fenster Vorbilder für zu bastelnde Schneeflocken erhaschen.

Auf der Bühne spielte der Winter dann eher keine große Rolle, aber das macht nichts, denn eigentlich könnte die Geschichte, die auf Hans Christian Andersens Märchen „Sneedronningen“ zurückgeht, auch heißen: „Von einem tapferen Mädchen, das auszog, seinen verloren gegangenen Freund zu finden und zu retten“.

Es gibt viele Bearbeitungen und Verfilmungen dieser Geschichte - bis hin zu Disneys kommerziell erfolgreichstem Trickfilm „Die Eiskönigin - Frozen“. F. K. Waechters Ein-Frauen-Stück „Die Eisprinzessin“, das vor Jahren ein Langläufer auf dem hiesigen Schauspielplan war, ist allerdings eine sehr freie Variation des Themas.

Vor gut fünf Jahren gab es „Die Schneekönigin“ als Junge Oper im Ballhof und auch jetzt durfte Musik nicht fehlen. Für sie sorgte der Pianist Julius Trauvetter; es gab Leitmotive, einen Räubersong und ein Befreiungslied, das alle zusammen anstimmen sollten, was sich bei der Premiere aber vorzugsweise die begleitenden Erziehungsberechtigten trauten.

Man nutzt in Hannover die beliebte, auch bei uns viel gespielte Version von Jewgeni Schwarz, die dezent mit modischen Accessoires aufgehübscht wurde: Playmobil-Männchen und Computerspielfiguren hatte der russische Autor Schwarz noch nicht im Blickfeld.

Bühnenbildnerin Maike Storf hatte offenbar Holzbausteine als Vorbild im Sinn, vielleicht hofft sie, dass die Kinder nun (Holz-)Bauklötze staunen. Kathrin Krumbein hat für die Kostüme tief im Fundus gewühlt, weshalb etwa Henning Hartmann als fieser Kommerzienrat aussieht wie ein Schnösel aus dem Märchenbuch, und die Räuber sich bei Hotzenplotz & Co. eingekleidet haben.

Der Regisseur Florian Hertweck, der von 2009 bis 2013 hier als Schauspieler engagiert war, hat in Hannover schon sein tiefschwarzes Stück „Böser Hund“ und den musikalischen Götzendienst „Sympathien für den Teufel“ inszeniert. Bei seinem jetzigen Ausflug ins Kindertheater konnte er sich offenbar nicht recht entscheiden, ob er nun die Erwachsenen mit Augenzwinkern bedienen oder dem Jungpublikum Traumbilder liefern sollte.

So dauerte es, bis vor allem die Jüngsten mit auf die Reise gingen ins eisige Reich der Schneekönigin. An Matthias Buss lag das nicht, der als Märchenerzähler auch der Spielleiter war und sich mit dem etwas holprigen Animationsspruch „Schnipp-schnapp-schnurre, surre-baselurre“ (aus Andersens Märchen „Der Flachs“ entlehnt) herumplagen musste. Der gewohnt agile Buss durfte immerhin eine flotte Fechtnummer abliefern und war im Rollentausch so geschickt wie seine Teamkollegen, die durchwegs mehrere Figuren verkörperten.

So war Jana Lissovskaia eine herzensgute Großmutter, aber auch eine robuste Räuberhauptmännin. Oscar Olivo durfte eine Rose tanzen (der Traum aller Schauspielschüler), einen tuntigen Prinzen geben und als Rentier wichtige Fracht in den hohen Norden tragen. Julia Schmalenbrock war Prinzessin und resolutes Räubermädchen. Mathias Spaan war nicht nur Kai, der sein eisiges Herz an die Schneekönigin verlor, sondern auch überspannter König und Räuber.

Selbst Carolin Eichhorst, die in der Titelrolle einen glänzenden Auftritt im Helene-Fischer-Stil absolvieren durfte, hatte als zerzauster Rabe noch einen Zweitberuf, dem sie mit Hingabe nachging. Vanessa Loibl durfte sich ganz auf die Rolle der tatkräftigen Herzensfreundin Gerda konzentrieren, die sich zwar aufhalten, aber nicht abhalten lässt, ihren im Eis eingeschlossenen Freund zu befreien.

Als das nach knapp anderthalb Stunden gelungen war, gab es befreiten Applaus auch der jüngsten Zuschauer. Und draußen war der Winterzauber schon wieder vorbei.

Weitere Aufführungen: Am 26., 27., 29. und 30. November sowie sehr oft im Dezember (darunter auch am 2. Weihnachtstag.

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