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Ehrung

Teil 3: Weltstars von nebenan

Die Scorpions in New York.

Die Scorpions in New York.

© Frank Wilde

Natürlich haben sich weder Drehbuchautor noch Produzent des aktuellen Kinohits mit Brad Pitt und Cate Blanchett von einer Rockgruppe inspirieren lassen. Aber am Ende scheint der Fall dieses Benjamin Button, der mit zunehmendem Lebensalter immer jünger wird, doch nur auf die Spitze zu treiben, was uns vor allem die beiden Vordermänner der Scorpions im Lauf ihrer vergangenen rund 40 Rockerjahre vorgelebt haben. Da haben Klaus Meine und Rudolf Schenker im Jahr 2008 jeweils ihr sechstes Lebensjahrzehnt abgeschlossen, doch sie denken einfach nicht daran zu altern, mit ihrem Rock rund um die Welt mal etwas kürzer zu treten oder sogar aufzuhören.

„Begriffe wie Pension oder Altersruhe sind für uns so weit weg wie der Mond“, hat Meine in einem Interview zu seinem 60. Geburtstag gesagt. „Unser Bassist ist Anfang 40, der kommt sportlich oft mit uns nicht mit“, ergänzte damals Schenker, der jede Menge Erfahrung mit Laufband, Fitnessstudio und seit neuestem auch mit Ayurveda hat. Er fühle sich jünger und körperlich besser als mit 30 Jahren, erzählt der Lebensgefährte einer 24-jährigen ehemaligen Miss Nowosibirsk gern unaufgefordert weiter. Wenn es hier noch eines Beweises bedarf, sei auf die aktuelle Kampagne einer Unterwäschefirma verwiesen, bei der Schenker zu den prominenten Models gehört. Unter Endvierzigern wie Sönke Wortmann oder Ralph Herforth und Frauen von Anfang bis Ende 30 wie Annett Louisan und Esther Schweins ist Schenker selbstredend der Stubenälteste in der Wäschekabine. Mitrocker Meine verweist statt auf zu viel bewusste Fitness lieber auf die Gene und darauf, dass das ewige Touren um den Globus und der Kontakt zu den Fans aller Generationen jung halte.

Wie auch immer: Die Hardrocker aus Hannover scheinen einen guten Teil dessen wahr zu machen, was Softrockkollege Brian Adams Mitte der Neunziger per Plattentitel angekündigt hatte: „18 til I die“ (18 bis ich sterbe). Erwachsen zwar, doch niemals alt. Und diese Haltung zeigen die Scorpions-Frontmänner auch durchgängig, wenn sie mehr anhaben als eine Unterhose: Lederröhren, schrille T-Shirts und Sonnenbrillen in geschlossenen Räumen gehören bei den Jungs – wie man bei diesen 60-Jährigen stets zu sagen geneigt ist – unerbittlich zur Garderobe. Bei Meine kommt natürlich noch die Mütze dazu, die eigentlich ein altersloses Attribut ist, ihn aber letztlich wohl doch jünger macht, weil sie eine fehlende Haarpracht kaschiert. Schenker dagegen mag es gern oben ohne und blondiert. Und man könnte das alles etwas befremdlich bis skurril finden, wenn die Jungs es nicht wirklich ernst meinten mit ihrer Rockerattitüde. Sie sind, was sie leben, und sie leben, was sie sind.

„Wenn du als Musiker die Möglichkeit hast, deinen Traum zu leben, bleibst du im Herzen jung“, hat Meine selbst es einmal ausgedrückt. Schenker sagt es etwas konkreter: „Wir haben wie die Rolling Stones das Glück gehabt, einen neuen Lebensstil mit zu kreieren, der das Lebensgefühl, unserer Eltern ersetzt hat.“ Stimmt! Und welche Rockband, die auf sich und ein cooles Image hält, hätte sich nicht schon an dem Maßnahmenkatalog für rockertaugliches Verhalten orientiert, an dem die Scorpions eifrig mitgeschrieben haben. Ausfallschritt und das obligatorische Victory-Zeichen auf Zuruf gehören da neben der Garderobe ebenso zum Repertoire wie ein munteres „Keep on rocking“ oder „Let’s rock“ in ansonsten deutscher Rede. „Hannover, seid ihr gut drauf“, ruft Meine gern, wenn er mal in der Heimat auftritt. Die Scorpions sind’s mit Sicherheit.

von Stefanie Kaune

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