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„Die Vermessung der Welt“ als 3-D-Erlebnis

Filmkritik „Die Vermessung der Welt“ als 3-D-Erlebnis

Daniel Kehlmanns burleske Roman-Doppelbiografie „Die Vermessung der Welt“ hat Millionen Leser gefunden. Nun bringt Regisseur Detlev Buck die Wissenschaftler-Geschichte auf die Leinwand – sehr üppig und in 3-D. Der Film ist am 25. Oktober im Kino gestartet.

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Florian David Fitz als Mathematiker Carl Friedrich Gauß.

Quelle: Warner Bros.

Berlin. Der eine bezieht Prügel auf sein nacktes Hinterteil, weil seine genialen Antworten Mitschüler und den Lehrer der Armenschule provozieren. Der andere fängt Frösche im elterlichen Park und büffelt Latein im Schloss, während seine Mutter unter ihrer riesigen weißen Rokokoperücke lauscht. Auch später wird der eine sein Dasein in kargen Stuben fristen, während der andere in den Weiten Asiens mit einem Lama plaudert oder in den Urwäldern Südamerikas nach Vulkanen und Flüssen sucht. Doch eines haben Mathematiker Carl Friedrich Gauß und Naturforscher Alexander von Humboldt gemeinsam: Beide sind Ausnahmewissenschaftler von unstillbarem Erkenntnisdrang – der sie als Privatpersonen oft reichlich neben die Spur geraten lässt.

In überaus üppigen 3-D-Bildern, die wie gigantisches, altmodisch-exotisches Puppentheater wirken und die er gern noch mit bombastischen Klängen überhöht, hat Regisseur, Koautor und Koproduzent Detlev Buck („Rubbeldiekatz“) „Die Vermessung der Welt“ auf die Leinwand gebeamt. Jene fiktive Doppelbiografie der beiden deutschen Forscher, mit der Daniel Kehlmann 2005 einen Sensationserfolg errungen hat. Monatelang stand das Werk auf den Bestsellerlisten. Die „New York Times“ stellte es an Platz zwei der 2006 am meisten verkauften Bücher. Weltweit fand die burleske, in zahlreiche Sprachen übersetzte Geschichte über menschliche Größe und Schwäche Millionen Leser.

Augenscheinlich haben Inhalt und Erfolg des Romans den angesehenen, eher norddeutsch-bodenständigen Buck (49) veranlasst, nunmehr selbst einen Film zu drehen, der eine andere Dimension anstrebt – ein Spektakel à la Hollywood. So engagierte er nicht nur profilierte Darsteller wie Albrecht Abraham Schuch (Humboldt), Florian David Fitz (Gauß), Sunnyi Melles (Mutter Humboldt), Katharina Thalbach (Mutter Gauß), Vicky Krieps (Johanna Gauß) und Michael Maertens (Herzog von Braunschweig). Für die entsprechende Bildgestaltung verpflichtete er seinen alten „Männerpension“-Kameramann Slawomir Idziak. Der hat nämlich inzwischen international Karriere gemacht („Harry Potter und der Orden des Phönix“) und beschäftigt sich zwei Jahren ausschließlich mit 3-D.

Regisseur Detlev Buck bringt den gefeierten Roman „Die Vermessung der Welt“ auf die Leinwand. Der Film startet am 25. Oktober im Kino.

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Das Drehbuch schrieb Buck nach dem für unverfilmbar gehaltenen Roman gemeinsam mit Kehlmann mit Schwerpunkt auf der Jugend der beiden Koryphäen Gauß und Humboldt. Gedreht wurde bei einem Etat von übersichtlichen 10,5 Millionen Euro an nur 31 Tagen unter anderem im historischen Görlitz – und in Ecuador. Dort hatte Humboldt mit seinem Assistenten Aimé Bonpland (Jérémy Kapone) einst den Vulkan Chimborazo erklommen. Herausgekommen bei alledem ist eine effektbewusste Abenteuerkomödie, die – in parallel montierten Szenen aus beider Leben – in künstlicher Fremdartigkeit schwelgt. Prächtige Kostüme, ausgesuchte Kulissen, immer wieder der Urwald mit seinen gefährlichen Schlangen, mit „Humboldt-Äffchen“, Kannibalen-Bewohnern und spanischen Sklavenhändlern suggerieren die Attraktion ferner Welten.

Doch bleibt es bei Oberflächenreizen. Zu wirklichem satirischen Charme schwingt sich der Film kaum auf. Trotz interessanter Schauspieler geht die menschliche Seite der Helden nicht unter die Haut. Fitz gibt seinen Gauß als missgelauntes Genie, das darunter leidet, von seiner Umgebung nicht verstanden zu werden – und das sogar seine Hochzeitsnacht unterbricht, um eine Formel zu Papier zu bringen. Schuchs Humboldt ist ein Idealist, der sich für die Sklavenbefreiung einsetzt – jedoch seine Homosexualität unterdrückt und in preußisches Arbeitsethos flüchtet. Solche Ambivalenzen hätte man gern subtiler ausgelotet erlebt. Doch bei viel Aufwand in 3-D lässt Buck wenig Platz für die Feinheiten der Seele.

dpa

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