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Kultur „Die Zauberflöte“ an der Staatsoper Hannover
Nachrichten Kultur „Die Zauberflöte“ an der Staatsoper Hannover
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00:15 17.01.2018
Bunte Vögel: Tamino (Simon Bode, links) und Papageno (Matthias Winckhler). Quelle: Jörg Landsberg
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Hannover

 Das Stück ist ein Kinderspiel. Regisseur Frank Hilbrich jedenfalls lässt die Bühne seiner neuen „Zauberflöten“-Inszenierung an der Staatsoper Hannover schon zur Ouvertüre von einer bunten Truppe Grundschülern stürmen, die pantomimisch in die Saiten greifen und ins Horn stoßen: ein Orchester über dem Orchester, dass den ganzen Abend in der ewig rätselhaften Fabel um den Priester Sarastro, die Königin der Nacht und zwei junge Liebespaare den Ton angeben wird. Am Ende siegen dann auch nicht etwa Hell oder Dunkel – die Kinder übernehmen hier Macht. 

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Szenen aus der Inszenierung von Regisseur Frank Hilbrich.

Beim Publikum löste die Neuproduktion ein geteiltes Echo aus: Die Sänger und das Staatsorchester unter Leitung von Valtteri Rauhalammi wurden mit starken, wenn auch nicht sehr ausdauernden Beifall bedacht. Für das Regie-Team gab es auch einige Buh-Rufe. 

Hilbrich erzählt Mozarts Oper als Coming-of-Age-Geschichte, in der Tamino, Pamina und Papageno die Liebe und das Leben, die Sexualität und den Tod entdecken. Entsprechend märchenhaft geht es teilweise auf der Bühne zu: Die Königin der Nacht sieht wie ein Vampir aus, der sich verzweifelt an junges Blut klammert, die Priester um Sarastro scheinen wie die grauen Männer aus „Momo“ einer raren Droge verfallen zu sein. Und den Sprecher dieser Eingeweihten hat Kostümbildnerin Julia Müer sogar ausstaffiert wie den knuffigen Hagrid aus der Harry-Potter-Welt. 

Trotzdem will diese „Zauberflöte“ nicht einfach eine unbeschwerte Kinderbuch-Collage sein. Bühnenbildner Stefan Heyne hat zwei strenge goldene Zylinder entworfen, die das Geschehen klaustrophobisch einrahmen. Die Wände wirken schalldicht verkleidet, und auch sonst kommt hier niemand rein oder raus. Vermeintlich Ausblicke eröffnen hier nur Spiegel, die immer mal wieder bedeutungsschwer und laut klirrend zerbrechen. 

An diesem symbolbeladenen Unort aufzuwachsen, ist nicht ganz leicht. So muss auch Papageno, der mit einem prächtigen Vogelkostüm in den Abend startet, bald Federn lassen. Nach und nach verwandelt er sich in einen normalen Teenager im Kapuzenpullover. Diese Metamorphose ersetzt einen Großteil der volkstümlichen Szenen, mit der diese Figur sonst die Herzen der Zuschauer gewinnen kann. Hier gibt es selbst bei seinen Auftritten wenig zu lachen. 

Matthias Winckhler macht Papageno vor allem mit seinem sympathischen Bariton liebens- und begehrenswert: Selbst Pamina, der Athanasia Zöhrer raffiniert eher selbstbewusste Entschiedenheit als Sanftmut verleiht, sieht in diesem Vogelfänger mehr als nur den Kumpel ihres zukünftigen Geliebten. Dorothea Maria Marx ist eine interessante Königin der Nacht, die mit einigem Recht der Dramatik Vorrang vor der letzten Perfektion lassen kann, und Simon Bode präsentiert sich als ein nicht ganz ungefährdeter Tamino mit vielversprechend ausgefeilter Diktion. Der als indisponiert entschuldigte und doch in den mittleren Lagen volltönende Tobias Schabel rundet das junge Ensemble als eine Art Elder Statesman ab. 

Für seinen Sarastro aber gibt es kein gutes Ende: Er bricht entseelt zusammen, wenn der zunächst weihevolle Schlusschor sich in beschwingtere Achtelnoten auflöst. Dann stürmt auch wieder das Kinderorchester die Bühne, mit dem der Abend begonnen hat. Ein bisschen erinnert das an Wagners gewaltige „Ring“-Tetralogie, die im unschuldigen Chaos beginnt und 20 Stunden später wieder dort endet. Für eine „Zauberflöte“ wirkt jedenfalls vieles an diesem Abend etwas zu groß und zu düster. 

Auch Dirigent Rauhalammi lässt Luft nach oben: Man hört, wie er sich mit dem Staatsorchester um Klarheit und präzise Artikulation bemüht, spürt aber auch Nervosität und etwas unnatürlich Festes, das Mozarts plastischen Phrasen zu wenig Bewegungsfreiheit lässt. Die „Zauberflöte“ ist die meistgespielte Oper auf deutschen Bühnen. Die Hoffnung auf die perfekte Version des Stücks bleibt auch in dieser neuen hannoverschen Produktion unerfüllt. Eigentlich eine gute Nachricht.

Von Stefan Arndt

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