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00:16 30.11.2016
Von Stefan Arndt
Ein Fest der Sänger: Hans Werner Henzes „Die englische Katze“ an der Staatsoper Hannover Quelle: Wilde
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Hannover

Die Musik des eigenwilligen Neutöners spielt zwar mit Miauen und Mäusequicken, doch das fließt im großen Klangstrom dieser Partitur genauso natürlich ein wie all die Volkslieder, Tänze und Choräle, mit denen Henze seinem Stück zusätzliche Farben verleiht. So erweist sich die „Englische Katze“ vor allem als ein Bravourstück für Sängerensemble – und die Mitglieder der Staatsoper Hannover wissen das auf eindrucksvolle Weise zu nutzen. Am Ende der Premiere von Henzes 1983 uraufgeführten (und ein Jahr später erstmals in Hannover vorgestellten) Oper gab es überschwänglichen Beifall für Sänger und Musiker.

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Die Staatsoper zeigt "Die englische Katze", ein Werk von Hans Werner Henze.

Ganz selbstverständlich ist das nicht. Der Blick auf neueres Musiktheater ist oft verstellt von einer gewissen Ehrfurcht vor ungewohnten und atonalen Klängen. Und wer hört, dass Henze für diese Oper das Kompositionsprinzip von Beethovens „Diabelli-Variationen“ in die Welt der Zwölftonmusik übertragen hat, mag hier noch zusätzliche Hürden befürchten. Aus der Distanz von mehr als 30 Jahren erweist sich das aber ebenso unbegründet wie der zur Entstehungszeit erhobenen Vorwurf des Reaktionären.


DIE ENGLISCHE KATZE – Hans Werner Henze from Theater-TV on Vimeo.

Henzes Musik spricht bei aller stilistischen Vielfalt eine klare, emotional fassbare Sprache. Sie erhebt sich dabei weit über das pittoresk pädagogische Libretto, das in Form einer satirischen Fabel die Doppelmoral einer modernen Gesellschaft anprangert. Statt sich schmallippig hinter der bis zum Zynismus gesteigerten Ironie der Handlung zu verstecken, hat sie den Mut zu großen Gefühlen.

Das nutzt auch Regisseurin Dagmar Schlingmann: Die Intendantin des Staatstheater Saarbrücken, die in der kommenden Saison in dieser Position nach Braunschweig wechseln wird, leistet sich neben detailscharfer Sicht auf die tierisch bittere Komödienhandlung auch wunderbar poetische Bilder. Statt auf einem Bachfirst haben sie und Bühnenbildnerin Sabine Mader das Treffen der beiden jungen Katzen Minette und Tom auf einer luftigen Feuerleiter, die ins Nichts führt. Eine Himmelsleiter, die den Liebenden einen bequemen Ausstieg aus der falschen Katzenwelt böte, in der die Boden schräg ist und der Kronleuchter surreal aus der Seitenwand ragt. Dass dieser schöne Ausweg nicht benutzt wird, macht die Geschichte der vermeintlich tragisch Liebenden tatsächlich traurig.

Die Stufen der Treppe werden zur großen Bühne für Sopranistin Ania Vergry, die die vertrackte Partie der Minette zu einer hinreißenden Paraderolle macht. Wie selbstverständlich mischt sie die artifizielle Koloraturen und den leichten Volkston, mit denen Henze die sonderbar naive Landkatze ausgestattet hat, zu einem stimmigen Charakterbild. Vegry steht damit an der Spitze einer durchweg überzeugenden Sängerbesetzung, zu der noch Sung-Keun Park (Lord Puff), Matthias Winckhler (Tom), Daniel Eggert (Arnold), Hanna Larissa Naujoks (Babette) und sieben weitere viel beschäftigte Solisten gehören. Dirigent Mark Rohde lotst sie und das mit exotischen Instrumenten wie Heckelphon und Zither verstärkte Staatsorchester weitgehend unfallfrei durch die komplexe Partitur.

Auch szenisch haben die Sänger viel zu leisten: Regisseurin Schlingmann verzichtet auf Tiermaskerade (nur unter den voluminösen Frisuren könnte Kostümbildnerin Ellen Hofmann auch Katzenohren versteckt haben) – verordnet den Figuren aber raubtierhafte Bewegungen, die von Zeit zu Zeit auch verwegene Sprünge erfordern. Denn so ehrenhaft sich die Königliche Gesellschaft zum Schutze der Ratten auch gibt, die Librettist Edward Bond hier zum Zerrspiegelbild der Gesellschaft entworfen hat: Unter dem bräsig behaupteten Deckmantel der Moral lassen auch diese Katzen das Mausen nicht.

Weitere Vorstellungen sind am 2. und 21 Dezember sowie am 10., 20., 25., und 27. Januar. Karten gibt es unter Telefon (05 11) 99 99 11 11.

Die Weihnachtszeit ist auch die Zeit der Märchen mit all ihrer Zauberei und Faszination. In Hannover gibt es wieder die altbekannten Klassiker zu sehen, wie Hänsel und Gretel oder die Zauberflöte. Aber auch neue Inszenierungen laden zum Träumen in der vorweihnachtlichen Zeit ein.

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