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Ein schwarzes Tuch

Cumberlandsche Bühne Ein schwarzes Tuch

Soll das eine Grenze sein? Wenn ja: welche? Was trennt sie? Und warum führt sie hier mitten durchs Theater? „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz auf der Cumberlandschen Bühne verwirrt das Publikum gekonnt.

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Zwei Männer in einem Boot: Philippe Goos (links), Mathias Spaan.

Quelle: Ribbe

Hannover. Der schwarze Gazevorhang, der quer durch die Cumberlandsche Bühne gespannt ist und die Bühne ebenso wie den Zuschauerraum in zwei Hälften teilt, wirft einige Fragen auf. Die wichtigste davon ist wohl: Muss das eigentlich sein?

Gespielt wird „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz. Das Stück wurde in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ gerade zum besten deutschen Theaterstück der vergangenen Spielzeit gewählt. Dabei ist es eigentlich ein Hörspiel. Lotz, dieser fantasiebegabte, mutige, angenehm verrückte Autor, ist ein kluger Beobachter der Zeitgeschichte und ein sensibler Zuhörer von Werbung, Talkrunden, Nachrichten. Seine Sprache ist die der Medien und die der Kommunikation im Netz. Ein bisschen René Pollesch klingt durch, aber ohne Nervfaktor.

In „Die lächerliche Finsternis“ greift er Motive von Joseph Conrads „Herz der Finsternis“ und Francis Ford Coppolas Film „Apocalypse Now“ auf; er mischt die Flussfahrt „den Hindukusch hinauf“ mit dem Monolog eines somalischen Piraten, der sich vor einem Hamburger Gericht verantworten muss (und dabei berichtet, dass er sich für ein „Diplomstudium der Piraterie an der Hochschule von Mogadischu“ eingeschrieben habe). Lotz schert sich nicht um Grenzen, weder um die der Logik noch um die der Form. Und seine Flussfahrt ins Herz der Finsternis ist auch eine Erzählung vom stetigen Verschieben der Grenzen.

Insofern passt diese rigorose Grenzziehung durch den Vorhang (Bühne: Merle Vierck) nicht so richtig. Sie hat auch ganz praktische Nachteile. Die Schauspieler sind von der Hälfte des Publikums abgetrennt. Sie strengen sich merklich an, um diese Grenze zu überwinden. Sie werden laut und überdeutlich. Philippe Goos und Mathias Spaan sind die beiden Soldaten, die den Fluss hinauffahren. So in etwa kann man sich Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz vorstellen. Katja Gaudard spielt nicht nur den somalischen Piraten, sondern auch einen italienischen Blauhelm-Soldaten, der die „Coltan-Ernte“ in den Wäldern überwacht. Einmal erzählt er von seiner Kindheit: „Ich bin in einem kleinen Bergdorf in den Dolomiten aufgewachsen, 250 Einwohner vielleicht. Und als ich ein Kind war, so fünf, sechs, das war Anfang der Siebziger, da gab es da in dem Dorf noch eine ziemlich ausgeprägte Clubszene. Und wir Kinder sind nach dem Abendessen immer noch tanzen gegangen, das war eine verrückte Zeit.“

Natürlich waren es am Ende die Drogen, die seine Kindheit zerstört haben. So etwas könnte, eher beiläufig erzählt, eine große Wirkung erzielen. In der Inszenierung von Milena Fischer aber hat sich Katja Gaudard eine blaue Perücke aufgesetzt und spricht recht angestrengt gegen den halbdurchsichtigen Vorhang an. Da geht ein bisschen Witz verloren. Sophie Krauß, die den Freund des Piraten und eine Händlerin aus einem anderen Kriegsgebiet spielt, ist ein bisschen zurückhaltender.

Irgendwann wird hinten ein silberfarbener Flittervorhang von der Windmaschine mächtig aufgebauscht. Er verliert einige seiner Lamettafäden. Später kleben sie unter den Füßen einiger Darsteller. Hufe aus Flitter – das ist komisch. Aber unfreiwillig.

Weitere Vorstellungen: Heute sowie am 20. September, 2., 14. und 31. Oktober.

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