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Kultur „Dies ist die Sage vom Anfang und vom Ende“
Nachrichten Kultur „Dies ist die Sage vom Anfang und vom Ende“
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18:45 23.02.2018
Götter auf Abwegen: Freyjas Hochzeit - Probenszene mit Johanna Bantzer, Sarah Franke, Philippe Goos und Wolf List (von links) Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Herr Arnarsson, was verbinden Sie mit dem gewaltigen Mythos der „Edda“?

„Die Edda“ kenne ich seit meiner frühesten Jugend. Man wächst in Island mit den Geschichten der Götter Odin, Thor und Loki auf. Elfen begegnen einem in vielen Erzählungen, wobei es sich hier nicht um niedliche Gestalten mit rotem Hut handelt. In Island sind die Elfengeschichten Erzählungen über Verführung, sie sind viel komplexer und böser, als man es hier vielleicht kennt. Die Geschichten der „Edda“ sind nicht wie die der Bibel in einem über tausend Jahre bestehenden Machtsystem immer mehr verfeinert worden. Man kann „Die Edda“ eher mit Homers „Odyssee“ und „Ilias“ vergleichen. „Die Edda“, wie wir sie heute kennen, beruft sich auf die ehemalige Religion der Menschen, den Mythos, aber sie ist keine Religion mehr. Sie ist schon der in der Erzählung geformte und verarbeitete Mythos und damit selbst Kunst geworden. Für mich als Isländer ist sie ein Kunstwerk und gleichzeitig eine Kosmogonie, also eine mythische Erzählung über den Ursprung der Welt.

Was ist für Sie die beeindruckendste oder prägendste Geschichte?

Das ist sicherlich die Schöpfungsgeschichte. Alles, was wir sehen, alles, was wir in der Natur haben, hat einen Ursprung. Mit der biblischen Variante – plötzlich wird etwas aus dem Nichts in die Welt gesetzt – hatte ich schon immer ein Problem. Bei der „Edda“ stammt das Etwas aus dem Eis und dem Feuer, also dem Zusammenstoß von großen Kräften.

Aus einem Land kommend, wo permanent die Gletscher auf die Vulkane treffen, wo das Schmelzen des Eises im Frühjahr wirklich neues Leben hervorbringt, fand ich die Erschaffung der Welt, wie sie in der „Edda“ erzählt wird, immer viel schlüssiger als die biblische Erzählung. Durch die künstlerische Beschäftigung mit diesem Stoff merke ich erst, wie sehr ich ihn verinnerlicht habe.

Wie bringt man so etwas auf die Bühne? Wird es einen roten Faden geben oder ist es eher eine Collage von Szenen und Motiven?

Es wird den roten Faden geben, dass etwas in die Welt gebracht wird und etwas zu Ende geht. Das Wissen um das Ende ist dem Anfang schon eingeschrieben, und zwischen dem Anfang und dem Ende wollen wir eine ganze Welt zeigen. Aber das Ende ist von Anfang an unausweichlich. Das fasziniert mich ungeheuer. Der Anfang denkt das Ende immer mit. Bei uns im Stück sagen die Nornen, die Schicksalsgöttinnen: „Ihr alle werdet sterben. Selbst die Gotter sterben. Dies ist unser Schopfungsepos. Und die Geschichte der Zerstorung der Welt. Vom Korper Ymirs, des ersten Riesen. Bis hin zum Ende aller Dinge – Ragnarök. Dies ist die Sage vom Anfang und vom Ende der Welt.“ Das Einzige, was wir wirklich wissen, ist, dass wir sterben werden, aber man weicht dieser Tatsache in jedem Moment aus. Vielleicht ist eine Beschäftigung mit einer Welt wie der „Edda“ auch eine Beschäftigung mit uns selbst. Am liebsten würde ich einen Abend schaffen, in dem man sich als denkendes Wesen auf dieser Welt widergespiegelt sähe. Es wird deswegen weniger darum gehen, eine von A bis Z nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, sondern ein facettenreiches Universum auf der Bühne zu schaffen, das einem das Gefühl einer Ganzheit von Anfang und Ende vermittelt.

Der Probenzeitraum für „Die Edda“ ist mit drei Monaten länger als normalerweise. Proben Sie dadurch anders als sonst?

Man muss sich vom Begriff „proben“ befreien. Wir haben durch das Mehr an Zeit einfach grundsätzlich andere Vorgänge ausprobieren können. Das bot den Schauspielern die wunderbare Gelegenheit, erstmal anhand des Stoffes ihr Interesse, ihr Können auszuprobieren und in diesen Stoff hineinzugreifen, sich selbst Teile herauszunehmen und damit zu spielen. Dieser sehr lustvolle Prozess vermittelt sich hoffentlich später dann auch den Zuschauern. Ich würde deshalb nicht sagen, dass wir das Stück proben, sondern wir untersuchen es zusammen. Wir haben eine Recherche daraus gemacht. Welche Informationen muss man liefern, welche Geschichten muss man erst einmal grundsätzlich erzählen, um dann eine Verarbeitung dessen zu zeigen? Vielleicht erzählen wir auch bestimmte Geschichten zwei- oder dreimal in unterschiedlicher Form, nonverbal, nur über Bilder und dann wieder als Text. Der Abend ist im besten Falle die Ausarbeitung eines künstlerischen Untersuchungsprojektes.

Hatten Sie von Anfang an eine besondere Vorstellung von der Bühne?

Jeder konkrete Ort wäre zu klein für diese Welt. Deshalb muss man die Bühne als eine Metaphernkiste begreifen – und als einen Ort des Zaubers. Am Ende ist dann die Bühne eine Welt. Ab und zu werden wir ganz konkret etwas behaupten, aber letztlich sehe ich die Bühne als bemalbare Tafel.Interview: Johannes Kirsten

Die Edda

neu erzählt von Thorleifur Örn Arnarsson und Mikael Torfason

Preview: 13. März, 17 Uhr Uraufführung: 15. März, 18.30 Uhr

Schauspielhaus, zwei Pausen

Die Edda

Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson („Hamlet“) überschreibt gemeinsam mit dem Schriftsteller Mikael Torfason die Mythensammlung „Die Edda“ - eine einzigartige Reise durch die Welt der nordischen Götter, Riesen, Zwerge und Menschen. „Die Edda“ - erzählt in drei Teilen, unterbrochen von zwei Pausen, in denen man sich im Foyer stärken kann - verspricht ein opulenter, in jeglicher Hinsicht überbordender Theaterabend zu werden.

Götter, Riesen, Zwerge…

„Die Edda“ von A bis Z: Namen und Begriffe aus dem nordischen Sagenkreis

Kindern.

Asen: Göttergeschlecht. Sie leben in Asgard.

Ask: Der erste Mann, aus Eschenholz gefertigt.

Audumla: Die erste Kuh, deren Zunge die Vorfahren der Götter formte und aus deren Euter Flüsse aus Milch flossen.

Balder: Bekannt als „der Schöne“. Odins zweiter Sohn, von allen geliebt, außer von Loki.

Bifröst: Die Regenbogenbrücke, die Asgard und Midgard verbindet.

Brisingamen, Halsband der Brisinge: Eine schimmernde Kette, die Freyja gehört.

Brokk: Ein Zwerg, der große Schätze zu schmieden weiß. Bruder von Sindri.

Draupnir: Odins goldener Armring, der alle neun Nächte acht Armringe von gleicher Schönheit und gleichem Wert produziert.

Elli: Eine alte Amme, die eigentlich das hohe Alter ist.

Embla: Die erste Frau, aus einer Ulme entstanden.

Fenrir, der Fenriswolf: Ein Wolf, Lokis Sohn mit Angrboda.

Fjalar: Der Bruder von Galar und Mörder von Kvasir.

Frey: Ein Gott der Vanen, der bei den Asen lebt. Freyjas Bruder.

Freyja: Eine Göttin der Vanen, die bei den Asen lebt. Freys Schwester.

Frigg: Odins Gattin, die Königin der Götter. Mutter von Balder.

Galar: Einer der Dunkelalben. Bruder von Fjalar und Mörder von Kvasir.

Gerd: Eine strahlend schöne Riesin, in die Frey sich verliebt.

Ginnungagap: Eine klaffende Lücke zwischen Muspell (der Feuerwelt) und Niflheim (der Nebelwelt) zum Beginn der Schöpfung.

Gleipnir: Magische Kette, von den Zwergen geschmiedet und von den Göttern genutzt, um Fenrir zu fesseln.

Grimnir: „Der Maskierte“, ein Name für Odin.

Gungnir: Odins Speer. Er verfehlt nie sein Ziel, und Eide, die auf Gungnir geschworen werden, sind unverbrüchlich.

Heimdall: Der weitblickende Wächter der Götter.

Hel: Lokis Tochter mit Angbroda. Sie herrscht über Hel, das Reich der unehrenhaften Toten, die nicht tapfer in der Schlacht gefallen sind.

Hlidskjalf: Odins Thron, von dem aus er die neun Welten sehen kann.

Huginn: Einer von Odins beiden Raben. Sein Name bedeutet Gedanke.

Idun: Eine Göttin der Asen. Sie hütet die Äpfel der Unsterblichkeit, die den Göttern ewige Jugend schenken.

Söhne des Ivaldi: Die Zwerge erschaffen Skibladnir, Freys außergewöhnliches Schiff, Gungnir, Odins Speer, und das neue, wunderschöne Goldhaar von Sif, Thors Frau.

Jörmungand: Die Midgardschlange. Eins von Lokis Kindern und Thors Erzfeind.

Jötunheim: Jötunn bedeuten Riesen, und Jötunheim ist das Reich der Riesen.

Kvasir: Ein Gott, der aus dem vermischten Speicher der Asen und der Vanen erschaffen wurde. Gott der Weisheit, der von den Zwergen Galar und Fjalar ermordet wird, die aus seinem Blut den Dichtermet herstellen. Später kehrt er ins Leben zurück.

Laufey: Lokis Mutter. Auch Nal oder Nadel genannt, da sie so dünn war.

Loki: Odins Blutsbruder, der Sohn von Farbauti und Laufey. Der Raffinierteste, listigste aller Bewohner von Asgard. Er ist ein Gestaltenwandler, und seine Lippen sind vernarbt. Er besitzt Schuhe, die es ihm ermöglichen, am Himmel zu laufen.

Megingjöd: Thors Kraftgürtel. Trägt er ihn, ist er doppelt so stark.

Midgard: Unsere Welt, das Reich der Menschen.

Midgardschlange: Jörmungand.

Mimir: Odins Onkel und Hüter der Quelle der Weisheit in Jötunheim. Ein Riese, vielleicht auch einer der Asen. Er wurde von den Vanen geköpft, aber sein Kopf gibt immer noch Weisheiten von sich und wacht über die Quelle.

Mimirs Quelle: Eine Quelle oder ein Brunnen an den Wurzeln des Weltenbaums. Odin gab ein Auge, um einen Schluck des Wassers zu trinken, das in Heimdalls Gjallarhorn geschöpft wurde.

Mjöllnir: Thors erstaunlicher Hammer und sein wertvollster Besitz, von Sindri für ihn geschmiedet (Brokk bediente den Blasebalg).

Muninn: Einer von Odins Raben. Sein Name bedeutet Erinnerung.

Muspell: Die Feuerwelt, die zu Beginn der Schöpfung existiert. Eine der neun Welten.

Naglfar: Ein Schiff, erbaut aus den ungeschnittenen Finger- und Fußnägeln der Toten. Die Riesen und die Toten aus Hel, die zu den Ragnarök gegen die Götter und die Einherjer kämpfen, werden auf diesem Schiff kommen.

Nidhögg: Ein Drache, der Leichen verschlingt und an den Wurzeln von Yggdrasill kaut.

Nilfheim: Ein kalter, nebliger Ort am Beginn aller Tage.

Nornen: Drei Schwestern, Urd, Verdandi und Skuld, die sich um den Brunnen von Urd kümmern und die Wurzeln von Yggdrasill, dem Weltenbaum, gießen. Zusammen mit anderen Nornen entscheiden sie darüber, was in eurem Leben geschieht.

Odin: Der höchste und älteste der Götter. Er trägt einen Mantel und einen Hut und hat nur ein Auge, da er das andere gegen mehr Weisheit eingetauscht hat. Er führt viele weitere Namen, unter anderem Allvater, Grimnir und der Galgengott.

Sif: Thors Gattin, sie hat goldene Haare.

Sindri: Ein Zwerg, der große Schätze schmiedet, unter anderem Thors Hammer. Bruder von Brokk.

Skidbladnir: Ein magisches Schiff, von den Söhnen des Ivaldi erschaffen. Es lässt sich zusammenfalten wie ein Schal.

Skuld: Eine der Nornen. Ihr Name bedeutet Zukunft.

Sleipnir: Odins Pferd. Das schnellste aller Pferde mit acht Beinen, das Kind von Loki und Svadilfari.

Surt: Ein mächtiger Feuerriese, der ein flammendes Schwert schwingt. Surt existierte schon vor den Göttern. Hüter von Muspell, dem Feuerreich.

Svadilfari: Ein Pferd, das dem Baumeister gehört, der die Mauer von Asgard errichtet. Vater von Sleipnir.

Thor: Odins rotbärtiger Sohn. Asengott des Donners. Der stärkste unter den Göttern.

Thrym: König der Thursen, die besonders bösartige Riesen sind. Er verlangt Freyja zur Frau.

Urd: Schicksal, eine der drei Nornen. Sie bestimmt unsere Vergangenheit.

Urdsbrunnen: Der Brunnen, um den sich in Asgard die Nornen kümmern.

Utgard: Ein wildes Land der Riesen mit einem Schloss in seiner Mitte, das ebenfalls Utgard heißt.

Utgardloki: Der König der Riesen von Utgard.

Vanen: Zweites Göttergeschlecht, das aus Vanaheim stammt.

Verdandi: Eine der Nornen. Ihr Name bedeutet werdend und sie bestimmt unsere Gegenwart.

Walhall: Odins Halle, in der die ehrenhaft Gefallenen zechen, die in der Schlacht umgekommen sind.

Walküren: „Wähler der Gefallenen“, Odins Dienerinnen, die die Seelen der Toten, die tapfer auf dem Schlachtfeld gestorben sind, holen und nach Walhall bringen.

Yggdrasill: Der Weltenbaum.

Ymir: Das erste Lebewesen, ein Riese größer als Welten, der Vorfahre aller Riesen. Ymir wurde von der ersten Kuh, Audumla, genährt.

Aus: „Nordische Mythen und Sagen“ von Neil Gaiman, Eichborn 2017

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