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„Wagner! Wir müssen Wagner spielen!“

Dirigent Andrew Manze im Interview „Wagner! Wir müssen Wagner spielen!“

Gute Aussichten für Hannover: Dirigent Andrew Manze spricht im HAZ-Interview über die neue Saison der Radiophilharmonie - und die große Zukunft seines Orchesters.

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Der Musiker Andrew Manze dirigierte das Mahler Chamber Orchestra in der Philharmonie Essen.

Quelle: dpa

Hannover. Mr. Manze, im Programmheft zur neuen Spielzeit sagen Sie, Sie wollen die Radiophilharmonie zum besten Orchester der Welt machen. Wann ist es denn so weit?

Na ja, ich dachte, es kann nicht schaden, ambitioniert zu sein. Genau wie beim Fußball: Da will ja auch jede Mannschaft die beste sein. Aber am Ende geht es doch nur darum, so gut wie möglich Fußball spielen. Ich bin schon jetzt sehr glücklich darüber, wie das Orchester als Mannschaft spielt - ein absolutes Spitzenteam. Und wir können noch viel weiterkommen.

Zur Person

Andrew Manze (50) ist seit 2014 Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie. Seine Karriere hat der gebürtige Londoner als Geiger und Spezialist für Alte Musik begonnen. Inzwischen hat er ein breites Repertoire und dirigiert weltweit die größten Orchester. Manze ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren.

Ist das der Grund, warum Sie Ihren Vertrag in Hannover jetzt schon bis 2019 verlängert haben?

Kann sein, dass das relativ früh war, schließlich habe ich zuvor kaum ein ganzes Jahr absolviert. Aber es war ein guter Zeitpunkt: Ich war sicher, dass das Orchester und ich gute Arbeit geleistet haben. Und es hat mich sehr gefreut, dass die Musiker das genauso sehen. Wir haben in musikalischen Dingen sehr schnell zueinander gefunden. Nach einem Monat Arbeit waren wir schon so weit, wie ich es nach einem Jahr erwartet hätte. Und nach dem Jahr gehen wir jetzt komplizierte Fragen an wie etwa die nach Klangbalance und Akustik.

Sind das Fragen, die die Spielweise des Orchesters betreffen, oder geht es auch um die Raumakustik im Funkhaus?

Bevor wir etwas an dem Raum ändern, der ja in vieler Hinsicht schön ist, wollen wir natürlich erst den bestmöglichen Klang unter den derzeitigen Bedingungen herstellen. Wir werden dafür verschiedene kleine Dinge ausprobieren. Unter anderem wollen wir die Sitzordnung in der kommenden Spielzeit verändern.

Wie wird das aussehen?

Die Holzbläser rücken ein wenig nach vorne, damit es besseren Kontakt zwischen Streichern und Bläsern gibt. Dafür stehen bei vielen Stücken die Bässe ganz hinten. Es ist ein wunderbares Erlebnis, wenn die tiefen Töne, die ja nicht nur die Harmonie, sondern oft auch den Rhythmus tragen, auf diese Weise das ganze Orchester durchdringen.

Sie haben in der zurückliegenden Saison nicht nur ihr Amt in Hannover angetreten, sondern auch bei so herausragenden Orchestern wie den Philharmonikern in New York und Los Angeles und dem Leipziger Gewandhausorchester debütiert. Was hat Ihnen besser gefallen?

Ganz ehrlich: Ich war immer froh, wenn ich nach Hannover zurückgekommen bin. Denn die berühmten Orchester vergessen manchmal, was für ein Glück es ist, ein gutes Orchester zu sein. Bei der Radiophilharmonie kann man spüren, dass alle sich weiterentwickeln wollen. Mit jedem Konzert versuchen wir, noch besser zu werden. Die großen Orchester verlieren manchmal den Blick dafür, dass die Arbeit noch nicht getan ist. Dabei kann man immer noch einen Schritt weitergehen.

Der nächste Schritt für Sie und die Radiophilharmonie sind die Beethoven-Sinfonien, die sie komplett aufführen werden. Warum dieses grundlegende Repertoire?

Wenn ein Orchester einen neuen Chefdirigenten hat, müssen beide möglichst viel Musik zusammen einstudieren. Und natürlich wollen wir den größten Sinfonien-Zyklus spielen, den es gibt. Außerdem ist die Radiophilharmonie in so vielen Stilen zu Hause. Sie haben die großen Orchester erwähnt: Da kann es sein, dass eins vielleicht einen großartigen Brahms spielt, aber der Haydn klingt furchtbar. Unsere Musiker können alles. Das ist wichtig für Beethoven, der ja auf der Schwelle zwischen Klassik und Romantik steht. Hier muss man sich wirklich Gedanken über die Stilistik machen.

Zum Beginn des Sommers hat sich das Orchester im hannoverschen Maschpark sogar als Opernorchester bewährt. Können Sie sich vorstellen, auch einmal beim Klassik-Open-Air zu dirigieren?

Ich muss aber gestehen, dass ich noch nie eine Oper in einem Opernhaus dirigiert habe. Nur konzertant habe ich schon ein paar aufgeführt. Es ist wirklich schwierig, diese Stücke richtig zu dirigieren. Mit Keri-Lynn Wilson hatten wir jetzt eine ausgezeichnete Spezialistin dafür. Wir haben aber trotzdem schon darüber gesprochen, ob ich mich hier einbringen kann.

Falls ja, was würden sie am liebsten aufführen?

Ich sehe mir in Stockholm, wo meine Frau Konzertmeisterin am Opernhaus ist, fast alle Produktionen an. Ich liebe viele Stücke. Am einfachsten wäre für mich Mozart oder Beethovens „Fidelio“. Verdi und Puccini habe ich dagegen noch nie dirigiert. Aber wir sind hier ja schließlich in Deutschland: Wagner! Wir müssen natürlich Wagner spielen. Er ist so super!

Dann können wir Sie also in vier Jahren beim „Ring“ erleben?

Klar, das wäre schon was ... Mal sehen, was bis dahin alles möglich ist.

Interview: Stefan Arndt

Die neue Saison startet am 10. September mit Beethovens 9. Sinfonie, die auch beim „Meet & Greet“-Konzert am 12. September zu hören sein wird. Unter Telefon (05 11) 27 78 98 99 gibt es ab sofort Karten für alle Konzerte der Spielzeit

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