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Dirigent Sir Neville Marriner ist tot

Im Alter von 92 Jahren Dirigent Sir Neville Marriner ist tot

Der britische Dirigent Sir Neville Marriner ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Das gab die Academy of St Martin in the Fields am Sonntag bekannt. Marriner war über Jahre hinweg regelmäßig Gast in Hannover und trat bei Pro-Musica-Konzerten auf.

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Sir Neville Marriner bei einem Konzert im Kuppelsaal.

Quelle: Archiv

Der britische Dirigent Neville Marriner war einer der Meister des Musikgeschäfts. Als Teenager studierte er Geige, später gehörte er als Violinist zum Londoner Symphonieorchester und gründete 1958 die Academy of St. Martin in the Fields. Dank des Soundtracks zum Film "Amadeus" wurden Marriner und sein Orchester einem großen Publikum bekannt. Am Sonntag starb der Ausnahmemusiker im Alter von 92 Jahren, wie die Academy of St. Martin in the Fields mitteilte.

Noch bis kurz vor seinem Tod stand Marriner am Pult. "Ich würde sterben", sagte er einmal der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", "wenn ich aufhören würde zu dirigieren".

Auch nach Deutschland hatte Marriner starke Verbindungen: Von 1983 bis 1989 war er Chefdirigent des Radio-Sinfonie-Orchesters Stuttgart. Seine Einspielungen umfassten die Werke der barocken und romantischen Musik bis zu zeitgenössischen Komponisten. Für seine musikalischen Verdienste ernannte Königin Elizabeth II. ihn 1975 zum Commander of the British Empire und erhob ihn 1985 in den Adelsstand. Seine Einspielungen brachten ihm zahlreiche Preise ein - darunter Grammys.

Weißer Rollkragenpullover als Markenzeichen

Marriner, dessen Markenzeichen ein weißer Rollkragenpullover war, wurde 1924 im ostenglischen Lincoln geboren. Die Liebe zur Musik wurde ihm in die Wiege gelegt: Sein Vater war nicht nur Architekt, sondern auch Chorleiter. Sohn Andrew machte sich einen Namen als Klarinettist.

Nach seiner Schulzeit begann Marriner am Royal College of Music in London mit einem Violinstudium. Danach ging er in die Violinklasse von René Benedetti am Pariser Konservatorium. Das Rüstzeug zum Dirigenten holte er sich in Privatstunden bei Pierre Monteux und in Sommerkursen. Außerdem half ihm die Orchestertätigkeit unter den bekannten Dirigenten Herbert von Karajan und Arturo Toscanini.

In den 50er Jahren überredete Marriner mehrere Kollegen, zusammen mit ihm in einer Kirche aus dem 18. Jahrhundert in London Konzerte zu geben. So entstand die Academy of St. Martin in the Fields, die Marriner ursprünglich leitete. Doch die Konzerte waren anfangs schlecht besucht. Der Durchbruch gelang Marriner und seinem Kammerorchester 1970 mit einer Aufnahme von Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten". Damit reiste das Orchester um die ganze Welt.

Marriner schuf die Musik zum Film "Amadeus"

Marriner formte die Gruppe zu einem herausragenden Ensemble, das Musik aus verschiedenen Epochen spielte. Zu seinen erfolgreichsten und bekanntesten Aufnahmen gehört die Filmmusik zu Milos Formans Oscar-prämiertem Mozart-Film "Amadeus" (1984).

Zu seinem Erfolg trug auch sein Charakter bei. Mitglieder der Akademie und andere Experten lobten seine Brillanz, Integrität und seinen Humor - und dass er ständig den Dialog mit seinen Musikern suchte. Der Musik-Direktor der Akademie, Joshua Bell sagte, Marriner werde immer das Herz und die Seele des Orchesters bleiben.

dpa

Marriner dirigierte oft in Hannover

Sir Neville Marriner hatte auch viele Fans in Hannover. Seit 1991 kam er mit seiner Academy of St. Martin in the Fields regelmäßig zu Pro-Musica-Konzerten in die Landeshauptstadt. Das Ensemble hatte dem Impressario Hans Ulrich Schmid, mit dessen Konzertdirektion es schon damals zusammenarbeitete, schnell verziehen, dass der es beim ersten Auftreten noch als „London Strings“ vermarkten wollte. Der Grund: Er hielt den Originalnamen (damals noch mit Bindestrichen geschrieben) für zu sperrig. 

40 Jahre später gab der damals 86-jährige Dirigent im Kuppelsaal ein umjubeltes Abschiedskonzert, Ganz wollte er den Stab damals noch nicht beiseite legen. Nur mit den großen Konzerttourneen sollte Schluss sein. 

Und so war er auch anlässlich seines 90. Geburtstages drei Jahre später noch einmal in Hannover.  Zu hören war damals unter anderem der größte Hit  der Academy – und zugleich das Werk, das das Ensemble eine Zeit lang ganz aus seinen Programmen verbannte: Mozarts Klavierkonzert in d-Moll KV 466. Nachdem die Academy es  1984 für Milos Formans Film „Amadeus“ eingespielt hatte – strich sie es erst einmal aus den Auftrittslisten, um nicht dauerhaft auf ihren größten Erfolg reduziert zu werden. Wieder war es voll  im Kuppelsaal. Und wieder gab es stürmischen Applaus.

jr

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