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Das Trump-Bild dieses Künstlers erobert die Welt

Interview mit Lennart Gäbel Das Trump-Bild dieses Künstlers erobert die Welt

„They Let You Do It“. Das Donald-Trump-Bild des in Hannover geborenen Illustrators Lennart Gäbel hat binnen einer Woche millionenfache Resonanz gefunden. Im HAZ-Interview spricht der Künstler über die weltweite Karriere seines Bildes. 

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Lennart Gäbel – und sein Trump-Bild. 

Quelle: Sebastian Gross

Hannover. Ihre Trump-Zeichnung „They Let You Do It“ hat binnen einer Woche millionenfache Resonanz gefunden. Wie erklären Sie sich dieses Echo?

Na, wir Illustratoren arbeiten ja gern mit Metaphern und Symbolen, mit Figuren, die man nicht erklären muss. Jeder kennt die Freiheitsstatue, sie steht für die positiven Werte der USA, die Trump gefährdet, und sie ist eine weibliche Allegorie, die hier unsittlich angefasst wird. Der Titel zitiert ja einfach Trumps Worte, dass Frauen sich so etwas gefallen lassen. Es freut mich natürlich, dass die Anti-Trump-Bewegung, die sich nicht alles gefallen lassen will, darin eine Ausdrucksform gefunden hat.


Wie haben Sie das Bild veröffentlicht?

Eine Skizze dazu hatte ich vor einem Monat bei Facebook und Instagram gepostet. Darauf ist der WDR-Sender Funkhaus Europa aufmerksam geworden, er hat meine endgültige Zeichnung dann am Morgen nach dem Wahlsieg ins Netz gestellt und allein dadurch haben sie 7,5 Millionen Menschen gesehen …

… und inzwischen wahrscheinlich Zigmillionen?

Mich würde es nicht wundern, wenn es in dieser einen Woche Hunderte Millionen geworden sind. Das Bild wird bei Anti-Trump-Demos umhergetragen, im Fernsehen und in Blogs gezeigt, in Los Angeles will eine Agentur T-Shirts damit bedrucken und eine Westküstenzeitung möchte die Rechte, um es auf ihrer Titelseite zu verwenden.

Die Trump-Karikatur, ein Geschäftsmodell?

Wichtiger ist mir, wie das Bild in der professionellen Szene aufgenommen wird. „Es ist ikonisch“, hat eine Art Directorin gesagt. Ich denke, „They Let You Do It“ hat jedenfalls ein Eigenleben gewonnen, das ist jetzt Popkultur.


Sie nennen sich Illustrator – aber haben Sie nicht auch das Zeug zum Karikaturisten?

Illustration ist einfach der allgemeinere Begriff - keine Karikatur kommt ohne Illustration aus, aber nicht jede Illustration ist eine Karikatur. Außerdem operiert die Karikatur ja im Namen ethischer Werte mit einer verzerrenden Darstellung der Realität - hier habe ich die Realität Trumps abgebildet, der diese Werte verzerrt.

Sie haben an der Willem-De-Kooning-Academie in Rotterdam studiert? Wieso gerade da?

Ich hatte mich an vielen Orten beworben, aber in Rotterdam habe ich gemerkt, dass Illustration meine Ausdrucksform ist - und besonders froh bin ich darüber, dass die Willem-De-Kooning-Academie mit der School of Visual Arts in New York kooperiert, wodurch ich ein Semester lang auch die wirklich hervorragenden Dozenten und das unglaublich kreative Klima New Yorks erleben konnte.


In Hannover zeigen Sie demnächst Zeichnungen aus New York. Wie sind die entstanden?

Ich war mit einem Freund auf Promotiontour und hatte mich entschlossen, statt einer Kamera ein Skizzenbuch mitzunehmen. Das habe ich vollgezeichnet, tja, und die 20 besten Ergebnisse sind jetzt in Hannover zu sehen.

Interview: Daniel Alexander Schacht

Lennart Gäbel , 1981 in Hannover geboren, hat internationales Management studiert und war für Werbeagenturen sowie für das Hörgeräteunternehmen Kind tätig, bevor er Design und Illustration für sich entdeckt hat. Seit dem Studium in Rotterdam und New York arbeitet er als freier Illustrator in Hamburg. Zu seinen Kunden zählen außer Medien wie Spiegel Online, der „Huffington Post“ oder „Elle France“ auch Unternehmen wie Tommy Hilfiger oder Hapag-Lloyd und Non-Profit-Organisationen wie Amnesty International. Seine Ausstellung

„NYC. Illustrations by Lennart Gäbel“ wird am Donnerstag um 18 Uhr im Restaurant „Zurück zum Glück“, Hindenburgstraße 7, eröffnet.


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