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Nachrichten Kultur Donaldisten tagen in Hildesheim
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10:32 27.03.2011
In Hildesheim haben die Donaldisten getagt - Experten über die Disney-Duck-Comics. Quelle: dpa
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Dass die Donaldisten-Tagung in diesem Jahr in Hildesheim stattfand, kommt nicht von ungefähr. Schließlich läuft im hiesigen Roemer- und Pelizaeus-Museum gerade die „Duckomenta“-Sonderausstellung, bei der mit Entenschnäbeln verfremdete Nachbildungen von bekannten Werke der Kunstgeschichte ausgestellt sind. Natürlich kam auch Hildesheims Oberbürgermeister Kurt Machens (parteilos) zur Eröffnung des Donaldisten-Kongresses.

„Es geht um den Speicher. Deshalb treibe ich mich in Ihrer Nähe herum“, gesteht Machens, bevor er das mit einer Donald-Mütze zum „Duckup“ umgestaltete Huckup-Denkmal in der Hildesheimer Innenstadt enthüllt. Den Kommunalpolitiker lockt also der berühmte Geldspeicher von Dagobert Duck, dessen Inhalt er wohl zur Aufbesserung der chronisch klammen Hildesheimer Haushaltskasse gut gebrauchen könnte. Doch einen Zugang zu Dagoberts Geldspeicher haben auch die Donaldisten noch nicht gefunden - auch wenn sie im Rahmen ihrer Forschungen schon einen exakten Stadtplan von Entenhausen gezeichnet haben.

Keine Frage scheint den Entenhausen-Experten in ihrem pseudowissenschaftlichen Eifer zu abwegig. So referiert Donald-Forscher Wilfried Trost beim Jahreskongress wortreich „neue Antworten auf eine alte Frage“: Nämlich die exakte Größe von Donald Duck, der er sich mit zahlreichen Messungen in Comic-Zeichnungen angenähert hat. Susanne Luber beschäftigt sich in ihrem Vortrag beim Hildesheimer Kongress mit donaldistischer Geschlechterforschung: „Zuckerpüppchen oder Zimtzicke - Daisy Duck im Genderlook“ lautet der Titel ihres Referats.

Die Donaldisten rühmen sich, in der Vergangenheit immer wieder die Feuilletons eigentlich seriöser Tageszeitungen mit Entenhausen-Vokabular unterwandert zu haben. Einer von diesen subversiven Kräften ist Patrick Bahners. Der Feuilletonchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ beschäftigt sich eigentlich mit ernsten Themen, hat zuletzt mit seinem Buch „Die Panikmacher“ eine Art Anti-These zu Islamkritikern wie Thilo Sarrazin geliefert.

Auch beim Donaldisten-Kongress packt Barners, Ehrenmitglied der Donaldistischen Akademie der Wissenschaft, dieses heiße Eisen an und beschäftigt sich mit den „Grenzen der Toleranz“ - in Entenhausen. In seinem einstündigen Vortrag referiert er über den Duckschen Islam, bebildert durch an die Wand geworfene Original-Comic-Szenen.

Da müssen dann der „Maharadscha von Zasterabatt“ und der Herrscher von „Majoran“ für die Illustration von Barners’ Thesen herhalten. Dass er auch auf diese Weise keinen Beifall aus dem Sarrazin-Lager erhalten wird, weiß Barner selbst. „Islamkritiker haben mich schon als donaldistischen Taliban bezeichnet“, räumt der FAZ-Ressortleiter mit einem Augenzwinkern ein.

Von den eher starren Gepflogenheiten internationaler wissenschaftlicher Fachkongresse halten die Donaldisten übrigens wenig. Die meisten Teilnehmer tragen Freizeitkleidung, manche auch eine Donald-Mütze oder einen Matrosenanzug. Statt Applaus werden die Ausführungen der Referenten von Comic-typischen Lautmalereien wie „Klatsch, klatsch, klatsch“ oder „Hört, hört“ unterbrochen. Und an mehr oder weniger passenden Stellen erheben sich die Entenhausen-Erforscher, um ihre Donaldisten-Hymne zu singen.

Entenhausen ist nach Meinung der Donaldisten überall. Für sie liefert das Duck-Universum die Vorlage für Phänomene in der realen Welt. So macht die donaldistische Geschlechterforscherin Luder eine „postfeministische Gesellschaft“ in Entenhausen aus. „Auch da ist uns Entenhausen Vorbild und Mahnung.“

dpa

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