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Kultur Dora Heldt stellt „Kein Wort zu Papa“ vor
Nachrichten Kultur Dora Heldt stellt „Kein Wort zu Papa“ vor
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12:24 11.01.2011
Bärbel Schmidt alias Dora Heldt. Quelle: Blüher

Die Verlagsvertreterin Bärbel Schmidt steckte in einer Zwickmühle. Das erste Mal hatte sie sich von einem befreundeten Verlagsagenten überreden lassen, ein Manuskript zu schreiben und es zu veröffentlichen. Aber einfach damit zu ihrem Chef des dtv-Verlages gehen, das wollte sie nicht. Zu groß war die Befürchtung, nur aufgrund ihres Status als Verlagsmitarbeiterin gedruckt oder abgelehnt zu werden.

Zur Konkurrenz wollte sie aber auch nicht, dafür war sie zu loyal ihrem Arbeitgeber gegenüber. Also verschickte sie das Manuskript unter dem Pseudonym Dora Heldt an fünf Verlage. Wenn dtv abgelehnt hätte, wollte sie fragen, ob sie das verschmähte Buch auch bei einem anderen Haus veröffentlichen darf, aber dtv lehnte nicht ab – und Schmidt lüftete schnell das Geheimnis um ihr Pseudonym und ihre literarische Freizeitbeschäftigung.

Seitdem sind sechs Bücher von Dora Heldt erschienen. Ihr Roman „Urlaub mit Papa“ war ein Bestseller, wurde in Spanien, Tschechien und Litauen veröffentlicht und für das ZDF verfilmt. „Tante Inge haut ab“ rückte sogar bis auf Platz zwei der Bestsellercharts vor. Im Dezember erschien ihr sechster Roman „Kein Wort zu Papa“. Im neuen Buch geht es um Christine, die die Pension ihrer Freundin Marleen auf Norderney aushilfsweise übernimmt. Nur hat Christine keine Ahnung, wie man so etwas anstellt. Zudem dürfen ihre Eltern nichts von der Pension wissen. Die stehen aber eines Tages direkt davor. Christine verliert sich in immer mehr Notlügen – und der Leser hat seinen Spaß daran.

Mit dem großen Erfolg hatte Schmidt selbst nicht gerechnet. „Es sind ganz normale Geschichten aus dem Alltag mit Protagonisten von nebenan“, sagt die Hamburgerin mit leicht norddeutschem Akzent. Die 49-Jährige wollte etwas Leichtes schreiben, etwas, das nicht allzu ernst genommen werden muss und bei dem man einfach abschalten kann. „Ich habe mich beim Schreiben immer an Phasen erinnert, in denen es mir nicht gut ging“, sagt sie, etwa nach der Trennung von ihrem Mann nach zehn Jahren Ehe. „Damals hätte ich genau die Bücher gebraucht, die ich heute schreibe“, sagt Schmidt – eine literarische Seelenkur und Nische, wie sie meint. Denn gute Unterhaltungsromane für Frauen Mitte 40 gebe es kaum.

„Es ist doch so“, sagt Schmidt. „Als ich 20 Jahre alt war und gerade in meiner Buchhändlerinnenausbildung steckte, da haben wir Frauen offiziell nur kämpferische Bücher aus dem Suhrkamp- oder Hanser-Verlag gelesen.“ Damals hätten sie alle Alice Schwarzer verschlungen, wollten keine Kinder und hätten ihre Mütter gehasst. „Doch heimlich hatten wir angefangen, sogenannte neue Frauenbücher zu entdecken.“ Eva Heller stand für gute Romane aus dem Unterhaltungssegment, wie sie heute fehlten. Die Unterhaltung sei derzeit von Autorinnen Mitte zwanzig, Anfang dreißig geprägt. „Aber darauf habe ich keine Lust und werde bestimmt nicht anfangen, deswegen nur noch Krimis und historische Romane zu lesen“, sagt Schmidt, die mit ihren Büchern erfolgreich in eine Nische vorgestoßen ist.

Dass sie für ihre leichte Literatur von Kritikern wenig gelobt wird, stört sie nicht. „Es sind eh harte Zeiten für Kritiker, bestimmen doch gerade Unterhaltungs- und Jugendromane die Bestsellerlisten“, sagt die Autorin mit einem süffisanten Lächeln. Den Grund dafür sieht sie in der zunehmenden Verunsicherung der Gesellschaft. „Die Menschen wollen im Urlaub einfach mal auf der Terrasse sitzen und an gar nichts mehr denken“, meint Schmidt. Es sind die Situationen, in denen Menschen Dora Heldt lesen. Dass man so die Welt nicht ändert oder im Sinne einer Alice Schwarzer besser macht, nimmt sie in Kauf. „Früher wollte ich unbedingt die Welt retten, aber ich bin heute viel weicher und entspannter.“ Heute wolle sie den Menschen lediglich Ablenkung verschaffen. In einer Zeit voller Stress und Erwartungsdruck eine geradezu literarische Herausforderung.

Dora Heldt stellt „Kein Wort zu Papa“ (dtv) am Donnerstag bei Schmorl & von Seefeld vor. Die Lesung ist ausverkauft.

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