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"Drei Mann in einem Boot" im Neuen Theater Hannover

Im Vergnügungsdampfer "Drei Mann in einem Boot" im Neuen Theater Hannover

Titel, die jeder nennt, Texte, die keiner kennt: Zu den vielen unbekannten Größen der Literatur zählt auch Jerome K. Jeromes launige Reisebeschreibung „Drei Mann in einem Boot“. Zurzeit legen sie im Neuen Theater Hannover ab.

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Kreuzen durch die Kalauersee: Wolfgang Finck, Andreas Elsholz und Jeannine Schulte.

Quelle: Oliver Vosshage

Hannover. Wer glaubt, die Erinnerung an die deutsche Verfilmung in den Sechzigerjahren ersetze die Lektüre, strandet schnell.

Jetzt legen die drei britischen Bootsfahrer im Neuen Theater Hannover ab, vermeiden weitgehend weitere Annäherungen an die literarische Vorlage, kreuzen lieber durch die Kalauersee und landen am Ende im sicheren Hafen des Publikumserfolgs.

Dass dabei der Hund verloren ging, der es immerhin in den Originaltitel „Three Men in a Boat (To Say Nothing of the Dog)“ gebracht hatte, ist nicht die einzige Freiheit dieser Nacherzählung. Immerhin gibt es drei Männer, auch wenn der Dritte im Bunde erst spät an Bord kommt. Doch die Hauptrolle spielt eigentlich das Boot. Es ist immer wieder überraschend, wie raffiniert Bühnenbildner Horst Neumann die kleine Bühne des Neuen Theaters neu möbliert. Immerhin braucht das Stück - Tür auf, Tür zu - unter anderem zwei Kajüten, in denen sich zwei Frauen verstecken können. Jeannine Schulte (Lilly) und Stefanie Feldmann (Helen) sind hier die Objekte der Begierde und machen ihre Sache ansehnlich.

In dieser Komödienfassung von Bea Helmer ist die Anekdotensammlung und Naturhuldigung des Humoristen Jerome zum Bäumchenwechseldich-Spiel geworden. Zwei Freunde, zwei Frauen. Der eine hat zwei, der andere keine (mehr). Das ändert sich.

Hart am Klamauk

Der dritte Mann ist der Vater einer Braut, aber das ist nicht weiter wichtig, haupsächlich muss er Pantoffelheldenmut beweisen: Wolfgang Finck nimmt alle Lacher mit, die er so kriegen kann. Weil Regieroutinier Jan Bodinus sein Handwerk beherrscht, funktioniert das gut.

Andreas Elsholz gibt den Doppelliebhaber Harry Burns als smarten Womanizer, aber das nutzt ihm wenig, weil Gideon Rapp als Joe Nesbit die Lacher auf seiner Seite hat, wenn er vom hypochondrischen Nerd zum Aufreißer mutiert, ein kleiner Fisch wird zum Hecht im Karpfenteich. Das ist hart am Klamauk, aber es funktioniert. Ein Schauspieler, der sonst die Kanaille verkörpert, darf hier die Rampensau geben. Wie gut, dass Schweine schwimmen können, immerhin schippert man auf der Themse.

Zwar wird Whatsapp erwähnt, trotzdem ist das ein ziemlich altmodischer, aber immerhin nicht altbackener Spaß nach dem Witzmuster: Was macht eine Rosine mit Helm? Sie geht in den Stollen. Doch meist umschifft der Vergnügungsdampfer die Untiefen des allzu flachen Humors, er nimmt nach der Pause an Fahrt auf und legt erfolgreich an: viel Beifall.

Vorstellungen: Bis 13. Mai im Neuen Theater, Georgstr. 54, Hannover.

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