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Drei Welten für Heidi

Schauspielhaus Hannover: Heidi Familienstück von Johanna Spyri Drei Welten für Heidi

Die Heidi-Romane von Johanna Spyri gehören zum festen Literaturkanon für junge Leser auf der ganzen Welt. Nun erobert Heidi als Familienstück die Bühne des hannoverschen Schauspielhauses. Die „Spielzeit“ hat sich das Bühnenbild angeschaut.

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Ganz allein an einem Ort, an dem sie gar nicht sein möchte: Heidi, gespielt von Sophie Krauß

Quelle: Katrin Ribbe

Hannover. Unter nicht geringer körperlicher Anstrengung ziehen und drücken Hospitanten, Assistenten und, wenn gerade nötig, auch Schauspieler, Musiker und Regieteam an der immensen Drehbühne auf der „Heidi“-Probe: Bühnenbildnerin Maria Alice Bahra hat sich für das diesjährige Familienstück drei Welten ausgedacht. Diese Welten liegen auf einer Drehscheibe - und die Drehscheibe kann man auf der Probebühne nur mit Muskelkraft in Bewegung setzen.

Später, auf der großen Bühne im Schauspielhaus, wird das natürlich anders sein. Denn dort ist die Technik im Einsatz, damit sich die Welten drehen können. Doch bis die Produktion umzieht, muss das gesamte Team mit anpacken, wenn Heidi (Sophie Krauß) etwa von den Alpen in die hessische Großstadt Frankfurt zieht.

Die Berglandschaft ragt sechs Meter in die Höhe. Die Schauspieler können springen und fast bis an die Spitze der Berge klettern. In einer Stadt wie Hannover, in der die höchste Erhebung ein von der örtlichen Abwallwirtschaft aufgeschütteter Müllberg ist (Monte Müllo, 122 Meter über Normalnull), kann beim Blick auf das „Heidi“-Bühnenbild schon mal Fernweh aufkommen.

Dreht man die Bühnenkonstruktion einige Meter weiter, kommt ein uriger Raum zum Vorschein: Hier schaut man ins Innere der Berghütte – dort wohnt der Alm-Öhi. Auch hier ist so einiges zu erklimmen. So gibt es einen Heuboden, der gleichzeitig Heidis Nachtlager ist, und eine kleine Rutsche, auf der Schauspieler schnell vom oberen Teil des Bühnenbildes nach unten sausen. Dieser Raum erinnert an einen Abenteuerspielplatz und wird während der Proben von den Schauspielern auch als solcher genutzt. „Ich hab schon ein bisschen Muskelkater“, gesteht Sophie Krauß an einem Probenvormittag. Manche aus dem Team nicken. Nicht nur die Schauspieler scheinen sich hier zu verausgaben.

Bei der nächsten Drehung kommt ein cleaner, weißer Raum zum Vorschein – eine leere Fläche, keine Fenster. Der dritte Teil der „Heidi“-Welt ist das puristische Pendant zum Vorherigen. Hier spielen die Szenen in Frankfurt am Main. Der Abenteuerspielplatz ist nur noch eine Erinnerung, die Alpenlandschaft bleibt als Silhouette in der Distanz erkennbar. An diesem Ort, fern der Heimat, zerbricht das kämpferische Mädchen Heidi, das sich bisher von nichts und niemandem in seinem Leben hat unterkriegen lassen. An diesem sicheren Ort, an dem weit und breit keine Klippe und kein Schlechtwetter in Sicht ist, kommt es über sie -– das Heimweh.

Das Wort „Heimweh“ und das Konzept – die Sehnsucht nach der engeren Heimat, nach Mundart, Sitten und Bräuchen – wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der Schweiz geprägt und dort auch zum ersten Mal verwendet. Heimweh gilt noch heute als „die Schweizer Krankheit“. Sogenannte „Reisläufer“, die sich bis ins 17. Jahrhundert hinein im Ausland verdingten, litten besonders heftig darunter. An einigen Orten, an denen diese Söldner eingesetzt wurden, war es verboten, Lieder aus der Schweizer Heimat anzustimmen, denn das würde das Heimweh nur verstärken. Gegen Heimweh, so die Empfehlung, helfe nur ein wenig Erde aus dem Mutterland und ein in der Heimat gebackenes Brot mit Salz, das auf Reisen mitzunehmen sei.

Heidi hat nach Deutschland allerdings kein bisschen Alpenerde, kein Brot und kein Salz von ihrem Alm-Öhi mitbekommen. Und ob es nun daran liegt oder aber an dem Umstand, dass sie ganz allein an einem Ort ist, an dem sie gar nicht sein möchte, an dem sie zwar alle herzlich willkommen heißen, aber an dem nun mal ihr Herz nicht hängt – gesund wird das Mädchen erst, als es zurück darf. Zurück auf die Alpen, die nun einmal ihre Heimat sind. Das heißt für alle Beteiligten auf der Probe also nochmals: aufspringen, anschieben, Drehbühne drehen und Berge versetzen. Denn manchmal müssen sich alle in Bewegung setzen, damit andere glücklich sein können.

Sarah Lorenz

Heidi

Familienstück von Johanna Spyri, ab sechs Jahren

Premiere

19. November, 16 Uhr Schauspielhaus vorher 15 bis 16 Uhr Kinderfest im Foyer

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