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Sinfoniker klagen über Druck aus der Türkei

"Angriff auf die Meinungsfreiheit" Sinfoniker klagen über Druck aus der Türkei

Offenbar haben auch die Dresdner Sinfoniker den Unmut der Türkei auf sich gezogen: Das Orchester soll Texte verändern, in denen es um das Massaker an den Armeniern geht. Intendant Markus Rindt spricht von einem "Angriff auf die Meinungsfreiheit".

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"Angriff auf die Meinungsfreiheit": Orchesterchef Markus Rindt klagt über Druck aus der Türkei.

Quelle: Arno Burgi/dpa

Dresden. Die Dresdner Sinfoniker werfen der türkischen Regierung vor, Druck auf das Ensemble und die Europäische Union auszuüben, um die Erwähnung des Begriffs "Genozid" bei den Aufführungen des Konzertprojekts "Aghet" verhindern. Das Werk hatte 2015 in Berlin Premiere, ohne dass es für Ärger sorgte; die nächste Aufführung ist in Dresden am 30. April.

Orchester soll Text ändern

Orchesterchef Markus Rindt sagte, die Türkei habe auf EU-Ebene interveniert. Der türkische EU-Botschafter verlange, dass die Europäische Union die finanzielle Förderung für die internationale Produktion einstelle. Er sprach von einem "Angriff auf die Meinungsfreiheit".

Das Projekt sieht er zwar nicht in Gefahr. Es sei bei der finanziellen Unterstützung geblieben, teilte Rindt mit. Die Kommission haben das Orchester jedoch gebeten, die entsprechenden Textstellen abzumildern und das Wort "Genozid" zu streichen. Die EU selbst nahm den Hinweis auf das Projekt von ihren Websites.

Streit um das Wort "Aghet"

Eine Kommissionssprecherin bestätigte die Entfernung des Projekthinweises. Dies sei "vorübergehend" erfolgt, um in der Zwischenzeit mit den Projekt-Veranstaltern über eine "neue Formulierung" zu diskutieren.

Die Dresdner Sinfoniker schreiben auf ihrer Website, die Konzerte seien ein "Zeichen der Versöhnung". Im Orchester spielen türkische und armenische Musiker. Stein des Anstoßes sind die Texte, die gelesen oder von einem Chor vorgetragen werden, ebenso wie der Titel "Aghet" (Katastrophe). "Aghet" ist einer der Ausdrücke der Armenier für das Massaker.

Armenier sprechen von "Völkermord"

Die Türkei wehrt sich seit langem gegen die Einstufung der Massaker, bei dem nach armenischen Angaben zwischen 1915 und 1917 mindestens 1,5 Millionen Menschen ums Leben kamen, als "Völkermord".

Ankara spricht dagegen von 300.000 bis 500.000 getöteten Armeniern und ebenso vielen Toten auf Seiten der Türken bei bürgerkriegsartigen Kämpfen und Hungersnöten. "Man muss beim Namen nennen, was es war", betonte Orchester-Intendant Rindt. "Wir können nicht drum herumreden, dass es um Völkermord geht."

Druck auf unliebsame Kritiker

Die Türkei hatte zuletzt den Druck auf Intellektuelle und Journalisten im Inland deutlich erhöht und geht auch im Ausland verstärkt gegen unliebsame Kritiker vor. Nachdem der Satiriker Böhmermann den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in einer Satire mit Worten unter der Gürtellinie angegriffen hatte, verlangte Ankara eine Strafverfolgung Böhmermanns wegen Beleidigung ausländischer Staatschefs.

Gegen den Widerstand des Koalitionspartners SPD erteilte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die dazu nötige Ermächtigung.

afp/dpa

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