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Bibliotheken im Miniformat

E-Book-Reader im Test Bibliotheken im Miniformat

Welchen Vorteil haben E-Books im Vergleich zu einem Buch? Modelle gibt es inzwischen zahlreiche auf dem Markt. Fünf Dinge, auf die sie beim Kauf achten sollten.

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Eine Bibliothek im Handtaschenformat. Doch anders als bei Büchern gibt es bei E-Book-Readern einiges zu beachten.

Quelle: Axel Heimken/dpa/Archiv

Hannover. Liest du noch oder scrollst du schon? Die Gretchenfrage unter Bibliophilen stellt sich im Strandkorb noch einmal ganz neu: Der gedruckte Roman hat den Vorteil, dass er nach zwei Wochen Einsatz als Urlaubstagebuch dienen kann - dank Salzrändern, Sandkörnern und Eisflecken. Außerdem lässt sich die Lektüre prima tauschen. Der E-Book-Reader dagegen ermöglicht es, eine komplette Bibliothek mit an den Strand zu nehmen, ohne den Koffer damit zu beschweren. Modelle gibt es inzwischen zahlreiche auf dem Markt. Doch worauf sollte man achten?

Die Modelle

Auf den ersten Blick gibt es zwischen den E-Book-Readern wenig Unterschiede. Die meisten Geräte wiegen um die 200 Gramm, sind etwa einen Zentimeter dick und haben in der Regel einen Sechs-Zoll-Bildschirm. Die Preise, die sich an der Auflösung, dem Kontrast und den Reaktionszeiten des Displays orientieren, liegen zwischen 50 und 200 Euro. „Speicherplatz spielt im Gegensatz zu Laptops oder Tablets eine untergeordnete Rolle“, sagt Bitkom-Experte Timm Lutter. Im Durchschnitt sind E-Books zwischen ein und zwei Gigabyte groß; auf ein Gerät passen daher unzählige Bücher. Hilfreich ist auf jeden Fall eine Internetverbindung. Den neuen Roman kann man dann direkt online suchen und kaufen und muss ihn nicht vom PC aus auf das Gerät laden.

Für Gelegenheitsleser sind allerdings die Einsteigermodelle für um die 60 Euro vollkommen ausreichend, wie ein Test der Zeitschrift „c’t“ gezeigt hat. Denn Spitzenmodelle der elektronischen Lesegeräte rentieren sich meist nur für jene häufigen Nutzer. Regelmäßige Leser profitieren von einem erweiterten Funktionsumfang und einer Ausstattung mit Hintergrundbeleuchtung. Sie wählen am besten die Spitzenmodelle ab 170 Euro aufwärts: Diese Geräte liefern das beste Gesamtpaket aus guten Displays, soliden Tasten, Wasserschutz und einem bequemen Zugang zu Inhalten, urteilen die Experten.

Das Display

Das Display ist zwar keine Buchseite, die Optik kommt dieser aber ziemlich nah. Die Technik, die dahintersteht, heißt E-Paper- oder E-Ink-Technologie und bietet den Vorteil, dass die Augen - anders als bei LCD-Bildschirmen - nicht so schnell ermüden. Denn der Kontrast auf dem Display ist höher als bei LCD-Bildschirmen, wie sie bei Smartphones eingesetzt werden. Dadurch spiegeln die E-Book-Reader auf der Sonnenliege am Pool auch nicht so stark das Sonnenlicht wider. Außerdem können Nutzer auch bei schlechten Lichtverhältnissen lesen. Die Beleuchtung, die mittlerweile fast alle gängige Modelle anbieten, sorgt für zusätzlichen Komfort: „E-Books kann man dann zu jeder Tages- und Nachtzeit lesen, auch ohne den Partner neben sich im Bett mit der Leselampe zu stören“, sagt Ronald Schild, Geschäftsleiter beim Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels (MVB).

Manche Modelle sind darüber hinaus sogar wasserfest. Und wer denkt, dass man den Reader ständig an die Steckdose hängen muss, liegt ebenfalls falsch. Die Geräte kommen teilweise mehrere Wochen mit einer Akkuladung aus.

Die Nutzung

Im Vergleich zum klassischen Buch fehlt beim E-Book indes der materielle Besitz: „Anders als an gedruckten Büchern erwirbt der Nutzer an einem E-Book kein Eigentum, sondern nur eine Nutzungslizenz“, erklärt Michael Wolf von der Stiftung Warentest. „Darum kann man E-Books nicht wie von gedruckten Büchern gewohnt einfach so weiterverkaufen, verschenken oder verleihen.“ Dafür haben viele E-Reader integrierte Wörterbücher, eine Suchfunktion und können Text markieren und Notizen speichern.

An ihre Grenzen geraten die Taschenbibliotheken allerdings, wenn der Inhalt über die reine Darstellung von Buchseiten hinausgeht. „E-Book-Reader sind perfekt zum sequenziellen Lesen, aber schlecht für komplexere Darstellungsformen“, sagt Ronald Schild. PDF-Dateien, Word-Dokumente oder Grafiken können die meisten Geräte zwar anzeigen - an die Ressourcen von Laptop oder Tablet reichen sie dabei aber nicht heran.

Die Anbieter

Vor dem Gerätekauf steht die grundsätzliche Entscheidung: Amazon oder nicht Amazon? „Amazon ist ein sogenannter walled garden“, sagt Ronald Schild. „Er ist sehr schön, aber man kommt nicht mehr heraus.“ Im Klartext heißt das: Wer einen E-Book-Reader bei Amazon erwirbt, kann auch nur dort Bücher kaufen. Inhalte von anderen Anbietern kann ein Kindle-Reader, Amazons Hausmarke, nicht lesen.

Auch bei der Onleihe, der Bibliotheksausleihe für E-Books, fällt der Kindle aus. Denn Amazon verwendet ein anderes System als der zweite große E-Book-Anbieter, das Tolino-Konsortium aus Thalia, Weltbild, Hugendubel, Bertelsmann und Deutscher Telekom. Andere Geräte wie Kobo oder Pocketbook können Bücher aus deren Onlineshops lesen - der Kindle nicht.

Die Handhabung

Hier gilt es zu testen: Wie liegt das Gerät in der Hand, kann man bequem umblättern? „Das Handling sollte man nicht unterschätzen“, sagt Ronald Schild. Hat man den Reader gekauft, kann man danach oft sparen. „Es gibt eine Reihe von kostenlosen E-Books, vor allem Klassiker“, weiß Bitkom-Experte Timm Lutter. Manche Onlineshops bieten auch Flatrates an. Für 10 Euro im Monat kann man dann lesen, so viel man will.

Von Julia Ruhnau und Nina May

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