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Echt Heinzigartig!

Ausstellung „Heinz Erhardt: Privater!“ Echt Heinzigartig!

Das Theatermuseum Hannover wandelt sich zum Heinz-Erhardt-Universum: Vom 12. September an ist dort die Ausstellung „Heinz Erhardt: Privater!“ zu sehen.

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Heinz Ehrhardt: Der Komiker als Karnevalist.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Heinz Erhardt, so ist es richtig. Nicht Heinz Ehrhardt. Da war der Künstler eigen, fast ein bisschen pingelig. Wurde sein Name - was öfter mal vorkam - in einer Zeitung oder auf einer Theaterankündigung falsch geschrieben, dann zückte Heinz Erhardt seinen Füller und strich das störende „h“ mit einem grünen Tintenstrich durch. Erstaunlicherweise fertigte er die Korrekturen auch für die Mappen an, die er nur für seinen privaten Gebrauch sammelte. Als müsste er vor sich selbst klarstellen, wer er eigentlich ist.

Wer ist Heinz Erhardt? Dieser Frage will auch das Theatermuseum in seiner nächsten großen Ausstellung nachgehen. Mit Ausstellungen über prominente Schauspieler wie Heinz Rühmann, Theo Lingen, Peter Alexander oder Romy Schneider war das Haus in den vergangen Jahren recht erfolgreich - das soll jetzt mit der Erhardt-Schau fortgesetzt werden.

Schon vor fünf Jahren hatte Carsten Niemann, der Leiter des Theatermuseums, die Idee, eine Heinz-Erhardt-Ausstellung zu machen. Bei seinen Vorbereitungen stellte er fest, dass es bisher noch keine umfassende Ausstellung zum Werk des Komikers gab. Die hannoversche Heinz-Erhardt-Schau ist also eine Premiere.

War es Glück? War es dem Einsatz von Charme oder beständiger Nachfragerei zu verdanken? Jedenfalls gelangte Niemann in eine exzellente Forscherposition - die Kinder und Enkel von Heinz Erhardt gewährten ihm freien Zugang zu allem Material, das sich eher ungeordnet im Keller ihres Hauses in Hamburg befand. „Ich durfte alle Schubladen öffnen“, sagt Niemann. Und er hat viel herausgeholt. Etwa 300 Exponate werden in der großen Erhardt-Ausstellung im Theatermuseum zu sehen sein. Niemann hat tief durch den Nachlass gepflügt - und viele Andenken zutage gefördert: die Olympia-Schreibmaschine, auf der Erhardt seine Sketche schrieb, seinen Arbeitssessel, schwarze Lackschuhe, einen Smoking. Ja, sogar ein paar Streifen Tipp-Ex (das Korrekturmittel vor der Erfindung der Delete-Taste), auf denen noch Wörter zu erkennen sind, die der Künstler aus seinen Texten eliminiert hatte.

Auf ein anderes, ähnlich auratisches Objekt wartet der Museumsleiter noch. Rechtzeitig vor der Ausstellungseröffnung müsste noch das Kennzeichen HH-HE 977 von Erhardts Mercedes ankommen. Ansonsten ist fast alles da. Und das meiste ist aus Papier: Theaterzettel, Fotos, Zeichnungen, Plakate, Kritiken, Interviews, Home Stories (die auch schon gemacht wurden, als es das Wort dafür noch gar nicht gab).

„Den privaten Heinz Erhardt gab es gar nicht“

Die Werkstätten des Theaters haben dem Museum 300 Holzpodestchen zurechtgesägt, auf ihnen liegen die meisten Erhardt-Devotionalien. Einige Stücke aus den Alben zeigen auch die Verbindung des Komikers zu Hannover. In Barsinghausen besuchte er ein Internat und danach, es war im Jahr 1924, machte er einen Abstecher ins Ratsgymnasium am Georgsplatz. Aber nur kurz: Ende des Jahres zog er schon wieder nach Riga, in die Stadt, in der er 1909 geboren wurde.

Carsten Niemann hat den Anspruch, mit seiner Ausstellung dem Privatmann Heinz Erhardt nahezukommen. Das gelingt ihm besonders mit Reproduktionen aus Erhardts Erinnerungsbüchern, den vielen Medienberichten, Theaterzetteln und Fotos. Andererseits sagt Niemann aber auch: „Den privaten Heinz Erhardt gab es gar nicht.“ Zwar zeigen Fotos den Komiker auch als Familienmenschen beim Spiel mit seinen Kindern, aber Niemann sagt: „Das war alles nur gestellt.“

Das Wichtigste für Heinz Erhardt war der Beruf. Er war kein Familienmensch, er hatte keine Hobbys. Wenn er zu Hause in Hamburg war, setzte er sich an seine Schreibmaschine und arbeitete.

Und er war stolz auf seine Arbeit. Wenn er in Kritiken gelobt wurde, umrandete er die Stellen stets mit einem grünen Tintenstrich.

Und wo ein „H“ zuviel war, strich er es einfach weg.

Das große Heinz-Erhardt-Programm

  • Die Ausstellung „Heinz Erhardt: Privater!“ ist vom 12. September 2015 bis 7. Februar im Theatermuseum zu sehen. Der Eingang befindet sich im Foyer des Schauspielhauses in der Prinzenstraße.
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  • Zur Eröffnung am Sonnabend, 12. September, kommen Grit Berthold, Verena Haacker und Gero Erhardt, die Enkel von Heinz Erhardt, ins Theatermuseum. An diesem Tag, an dem auch das Hoffest des Schauspiels stattfindet, ist das Theatermuseum von 15 Uhr an geöffnet. Der Eintritt ist frei. Von 17 Uhr an gibt es eine Offene Bühne für „Nachwuchswortverdreher“, jeder soll einen Lieblingstext von Heinz Erhardt präsentieren. Um 19, 20 und 21 Uhr präsentiert der Schauspieler Ernst-Erich Buder Texte von Heinz Erhardt in szenischen Lesungen.
  • Am 20. September, 20. Oktober, 26. November und am 8. Dezember spielt der Schauspieler Christoph Linder jeweils um 19 Uhr das Erhardt-Programm „Das einzig Komische an meinem Gesicht ist meine Brille“. Karten gibt es an der Theaterkasse (Telefon: 05 11 / 99 99 11 11).
  • Das Kino am Raschplatz zeigt die Erhardt-Filme „Der Haustyrann“ (Sonntag, 20. September, 12 Uhr), „Natürlich die Autofahrer“ (Sonntag, 18. Oktober,
  • 12 Uhr), „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ (Sonntag, 15. November, 12 Uhr) und „Willi wird das Kind schon schaukeln“ (Sonntag, 13. Dezember, 12 Uhr).
  • Maik Habermann hält am 8. Januar um 16 Uhr einen Vortrag über den Humoristen. Er spricht über „Die musikalische Seite Heinz Erhardts in Riga und das legendäre Musikhaus seines Großvaters Paul Neldner“.
  • Einen eigenen Heinz-Erhardt-Abend bietet das Neue Theater (Georgstraße 54) an. Am 29. November, 20. Dezember und noch mehrmals im kommenden Jahr singt Jörn Brede beliebte Filmschlager von Heinz Erhardt.
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