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Kultur Hirschhausen begeistert das Publikum im Theater am Aegi 
Nachrichten Kultur Hirschhausen begeistert das Publikum im Theater am Aegi 
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18:44 24.02.2018
„Ich mache nur Spaß“: Eckart von Hirschhausen im Theater am Aegi.  Quelle: Schaarschmidt
Hannover

 „Ich heiße Hirschhausen, ich bin Arzt, und ich möchte sie alle gut behandeln.“ Mit diesen drei „Ichs“ startet der Star und erntet gleich Gelächter. Auch wenn man erste Sätze im Kabarett nicht überbewerten sollte – diese Selbstpräsentation ist symptomatisch für den ganzen Abend. Da ist die Vorstellung ganz ohne „Dr.“ und „Eckart von“, demonstrativ bescheiden und doch ein wenig kokett, weil ihn ja jeder kennt. Da ist der gleichwohl beanspruchte Autoritätstransfer aus dem Arztberuf. Und eben das zwischen Kalauer und Bonmot changierende Versprechen guter Behandlung. 

Die wünscht man sich in der Klinik ebenso wie im Kabarett und ganz besonders im ausverkauften Aegi. Da sitzt zwar auch ein einzelner Zwölfjähriger im Publikum, der Altersdurchschnitt liegt aber bei Ü60, und es gibt auch Zuschauer, die älter als 80 Jahre sind. Das weiß man so genau, weil Hirschhausen, den als Rampensau zu bezeichnen ein echtes Understatement wäre, solche Daten gleich abfragt und alsbald auch über die Bühnenrampe hinweg und durch die Zuschauerreihen geht. Bis eben, so behauptet er gegenüber einem zu spät gekommenen Paar dreist, habe sich jeder Zuschauer vorgestellt und sein Problem geschildert. „Aber sie haben ihr Problem ja dabei“, fügt er gegenüber der Dame und mit Blick auf deren Gatten hinzu, wozu dieser gequält lächelt. „Ich mache nur Spaß“, sagt Hirschhausen noch, tätschelt der Dame die Schulter, wendet sich ab. Die Halbwertzeit von Behandlungsversprechen ist bisweilen erstaunlich kurz. 

Eckart von Hirschhausen ist Unterhaltungsroutinier, hat seit Jahrzehnten Bühnen- und TV-Erfahrung, weiß um die richtige Dosierung von Seriosität und jenem Spaß, den er nur machen will. Für das eine hat er eine Klinikclowns, Studien und Workshops fördernde Stiftung namens Humor hilft heilen („oder kurz HHH“) gegründet. Für das andere ist seine Rezeptur ein Mix aus launigen Worten und fingerfertiger Taschenspielerei. Sein neues Programm „Endlich!“ geht von der Einsicht aus, dass das Leben dem Diktat der Zeitlichkeit unterliegt. „Wenn das Leben endlich ist, wann fangen wir endlich an zu leben?“, fragt der gerade 50-Jährige da, räsonniert über lineare und zirkuläre Zeitmodelle, Kreise und Knoten, Schnitte und Schlaufen – und weil er dazu passend Zaubereien mit einem Seil präsentiert, gilt der Applaus wohl eher diesen Tricks als seinem Plädoyer für genussvolles „Leben im Hier und Jetzt“. 

Auch sonst verordnet der Erfinder des Medizinkabaretts seinem Publikum einen Wohlfühlabend. Er tritt, wie stets begleitet vom Pianisten Christoph Reuter, als Schlagerchansonnier auf, regt eine „Lebenslustliste“ an, bewegt das Publikum mit eindeutig zweideutigen Appellen zur Beckenbodengymnastik, gibt Gesundheitstipps vom Nichtrauchen bis zum Intervallfasten. „Beim Neandertaler kam das Essen auch nicht einfach auf den Tisch, sondern ist zwei Tage vor ihm hergelaufen.“ Einzelne Lacher quittiert Hirschhausen, dann ganz glatter Conferencier, mit einem „Der hat‘s verstanden“, kollektiven Applaus mit „Danke, Publikum“. 

Das erholt sich in der Pause beim Bier im und bei der Zigarette vorm Foyer von so viel Gesundheitsbotschaften, darf danach aber noch seine persönliche „Lebenslustliste“ formulieren. Dazu streift Hirschhausen wieder durch die Reihen der überaus mitteilsamen Zuschauer. Da will eine Frau „meine Kinder zu guten Menschen“ erziehen, ein älterer Herr „noch meinen Urenkel kennenlernen“, ein jüngerer ans Nordkap reisen. „Du solltest auch das Nordkap in dir erspüren“, rät Hirschhausen. Ein toller Tip? 

Im Aegi herrscht jedenfalls so viel Begeisterung, dass das Publikum sich sogar beim Finalen Applaus von Hirschhausen wie von einem Dirigenten steuern lässt. „Wir haben uns eine gute Zeit mit der Endlichkeit gemacht“, sagt er zum Schluss. „Danke, Hannover“. 

Von Daniel Alexander Schacht

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