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Eddie Vedder setzt auf Ukulele

Neues Album Eddie Vedder setzt auf Ukulele

Die Ukulele wird zum Popstar. Nach dem Erfolg von Israel Kamakawiwo’oles „Some­where over the Rainbow“ entdecken immer mehr Musiker das kleine Saiteninstrument. Pearl-Jam-Chef Eddie Vedder setzt ihr auf seinem neuen Album ein Denkmal.

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Zwei für die Liebe: Eddie Vedder und seine Ukulele.

Quelle: Universal

Da war es plötzlich wieder: „Some­where over the Rainbow“ säuselte ein Mann im leicht angerauten Falsett. Vergangenes Jahr war das, im Radio. Rauf und runter. 1993 wurde die Version erstmals veröffentlicht, dann tauchte der Song in diversen Filmen (unter anderem „Rendezvous mit Joe Black“) auf, 2007 wurde er ein zweites Mal herausgebracht. Drei Jahre später knöpfte Branchenmulti Universal einem kleinen Weltmusikverlag die Rechte ab, brachte das Stück ein drittes Mal heraus, und nun startete das Lied durch.

Am Ende war „Over the Rainbow“ in Deutschland die erfolgreichste Single 2010, und der Sänger bekam den Echo für den Hit des Jahres. Posthum, denn ­Israel Kamakawiwo’ole ist schon seit 14 Jahren tot. Der Hawaiianer starb an krankhafter Fettsucht. Fast 350 Kilo brachte der Mann mit der zarten Stimme auf die Waage, und auch sein Instrument wollte nicht so richtig zu ihm passen. „Iz“, wie der Volksheld von seinem Volk gerufen wurde, spielte Ukulele. So lange, bis er sie nicht mehr halten konnte. Er verhalf dem ewig belächelten Instrument, das übersetzt „hüpfender Floh“ heißt, mit diesem Song ganz nach oben.

Plötzlich nimmt man sie wahr, und siehe da: Sie begegnet einem an jeder Ecke. Als klangliche Abwechslung haben schon George Harrison und Paul McCartney zur Ukulele gegriffen, Frank Sinatra und Bluesveteran John Mayall starteten ihre Karriere auf der Ukulele. Die Monroe spielte sie in „Manche mögen’s heiß“. Auch zum Spaß muss der Viersaiter herhalten – mal schlecht wie bei TV-Nervensäge Stefan Raab, mal großartig wie beim British Ukulele Orchestra. Und dann gab es da noch Tiny Tim. Der amerikanische Entertainer mit der zu großen Nase und den zu kleinen Anzügen war der kauzigste Bediener der Ukulele. Sein Falsettgepiepse bei „Tiptoe through the Tulips“ machte ihn in den Siebzigern weltberühmt. Als er starb, wurde er nicht allein begraben. Die Ukulele kam mit, bevor der Deckel zuging.

Jetzt hat Eddie Vedder ein ganzes Album im Duett mit einer Ukulele aufgenommen. Der Chefsentimentalist der Alternativrockszene entführt das „kleine glückliche Instrument“, wie er es nennt, in seine Trauerpower-Welt. Und siehe da: Es funktioniert.

16 Lieder singt der Liebesleidende, Songs seiner Band Pearl Jam sind dabei und Coverversionen wie „Dream a little Dream“. Bei „Tonight you belong to me“ hilft Songwriterin Cat Power, „Sleepless Nights“ gehört vielleicht zum Gefühligsten, was Mann und Ukulele hervorzubringen imstande sind.

Themen: wie immer. Gefühle zwischen Schmerz und Hoffnung, nachdenkliche und eindringliche Zeilen über das Finden und Verlieren der Liebe und ein flehentlicher Ruf nach Zuwendung: „Longing to belong“. In den besten Momenten entwickelt das sparsame Setup eine ergreifende Intimität. Vielleicht, weil Vedder sich stimmlich mit dem kleinen Instrument arrangiert, anstatt es, was er auch gut kann, mit dramatischem Lamentieren an die Wand zu singen. Dass er auf Songs wie „Broken Heart“ an Cat Stevens erinnert, ist dabei überhaupt kein Nachteil.

Manchmal suhlt sich Vedder im Pathos. Sogar Meeresrauschen ist zu hören. Der Grund liegt auf der Hand: Vedder hat seine Lieder unter anderem in der Ukulelenheimat Hawaii aufgenommen. Er konnte dem Klang der Wellen wohl nicht widerstehen. Israel Kamakawiwo’ole, der Konzerte gern am Strand gab, hätte vermutlich nichts dagegen gehabt.

Eddie Vedder: „The Ukulele Songs“.

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