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Ein Bestseller-Roman kommt auf die Schauspielhausbühne

Sommertheater Ein Bestseller-Roman kommt auf die Schauspielhausbühne

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist das diesjährige Stück für das Sommertheater im Hof des Schauspielhauses. Am Freitag, 12. August, ist Premiere. Die Hauptrolle übernimmt Dieter Hufschmidt.

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Alter Schwede: Dieter Hufschmidt wird den Hundertjährigen spielen.

Quelle: Rainer Surrey

Hannover. Der Fruchtzwerg explodierte mit erheblichem Wumms. Das war dann selbst dem Regisseur zu viel. Normalerweise haben Regisseure nichts gegen mächtige Effekte, aber so ein heftiger Knall? Malte C. Lachmann hat den Pyrotechniker des Hauses dann doch gebeten, den Knalleffekt vielleicht eine Nummer kleiner vorzubereiten. Das, was der Explosivstoff in dem Fruchtzwer-großen Becherchen da gerade veranstaltet hatte, war jedenfalls zu viel. Die Zuschauer sollen ja keinen Hörsturz bekommen.

Explosionen wird es nämlich einige geben in „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Der Held der Geschichte ist schließlich ein Sprengmeister. Der Erfolgsroman von Jonas Jonasson (die Übersetzungsrechte wurden in 35 Länder verkauft, lange stand das Buch in Deutschland auf Platz eins der Bestsellerlisten) ist das diesjährige Stück für das Sommertheater im Hof des Schauspielhauses. Am Freitag, 12. August, ist Premiere; erst knapp drei Wochen später, am 1. September, wird die neue Spielzeit im Schauspielhaus mit der Premiere von „Hotel Savoy“ nach dem Roman von Joseph Roth eröffnet.

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist eine furiose Reise durch Schweden und durch die Geschichte. Das Leben von Sprengmeister Allan Karlsson ist nicht nur von Explosionen geprägt, sondern auch von merkwürdigen Begegnungen. Der Held trifft Franco, Stalin, Harry S. Truman, Winston Churchill und den Halbbruder von Albert Einstein. Und immer macht es irgendwo Bumm.

Der Roman beginnt mit dem hundertsten Geburtstag des Helden, den er nutzt, um dem langweiligen Altenheim zu entfliehen. Dann wird die Geschichte zu einem Roadmovie mit Gangstern, einem Koffer voller Geld und vielen Rückblicken auf ein ziemlich spannendes Leben.

Einen Hundertjährigen gibt es nicht im Ensemble des Schauspiels Hannover, aber es gibt Dieter Hufschmidt. Dass der 81-jährige Schauspieler für eine Rolle älter geschminkt werden muss, als er ist, passiert auch nicht mehr alle Tage. Regisseur Malte Lachmann (der zuvor die „Känguruchroniken“ und „Süd Park“ am Schauspiel Hannover inszeniert hat) ist ganz begeistert von dem Schauspieler: „Er setzt sich unglaublich tief mit dem Stück auseinander und hinterfragt viele Formulierungen - obgleich das nun auch gerade kein Stück von Jelinek ist. Aber das ist ja richtig so. So entdeckt man etwas.“

In Hannover wird die Theaterfassung des Romans zu hören sein, die Axel Schneider für die Uraufführung am Altonaer Theater erarbeitet hat - allerdings leicht zurückgearbeitet. Zusammen mit der Dramaturgin Janny Fuchs hat Regisseur Lachmann das Dialogische der Theaterfassung wieder etwas zurückgenommen. Man solle merken, dass hier ein Buch erzählt wird, sagt er. Und zwar ein gutes: „Wir wollen die literarische Qualität des Romans transportieren.“

Zusammen mit Hufschmidt werden sieben weitere Schauspieler auf den Bühnen im Innenhof des Schauspiels stehen, drei Musiker sind auch dabei, sie sollen das Stück atmosphärisch begleiten und die Szenen voneinander trennen. „Die Band hat bei mir die Aufgabe, die sonst das Licht hat“, sagt Lachmann, „sie setzt den Fokus und malt Bilder.“

Mit dem Licht ist das beim Sommertheater nicht so ganz einfach. Die ersten Szenen spielen noch bei Tageslicht, dann setzt die Dämmerung ein. Der Einbruch der Dunkelheit wird sich im Lauf der Vorstellungen allerdings immer ein wenig verschieben. 15 Aufführungen soll es geben, der Zeitpunkt des Sonnenuntergangs wandert in diesem Zeitraum um fast eine Dreiviertelstunde. Da ist es nicht so ganz einfach, die passenden Lichtakzente zu setzen. Gut, wenn Musik hier helfen kann.

Das Konzept Sommertheater kommt sehr gut an in Hannover. 2015 hat Regisseur Albrecht Hirche „Die unbeschwerte Welt des Herrn Fellini“ inszeniert. Da war ganz schön viel Dolce Vita im Hof des Schauspielhauses.

Das Sommer-Hoftheater mit dem 100-Jährigen hat nun nicht Italien, sondern Schweden als Thema, aber charmant soll es auch werden. Nur eben auf andere Art als bei Fellini. „Mich interessieren die Simplizität und die Nonchalance des Helden“, sagt der Regisseur und zitiert einen der Kernsätze des Romans: „Es ist, wie es ist, und es kommt, wie es kommt.“

Wie bei Fellini soll auch beim Hundertjährigen das Theater kulinarisch unterstützt werden. Allerdings nicht mit Pasta, sondern mit Köttbullar, Lachssuppe und Heringssalat.

Vom 12. bis 26. August im Innenhof des Schauspiels Hannover. Karten: (0511) 9999-1111.

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