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Ein Mann aus dem Harz hat Oscar-Chancen

Patrick Vollrath im Interview Ein Mann aus dem Harz hat Oscar-Chancen

Wenn in einigen Wochen die Oscars verliehen werden, sitzt Patrick Vollrath aus Eisdorf im Harz gespannt im Publikum. Er ist für eine der begehrten Auszeichnungen nominiert. Im Interview spricht er über die Erwartungen, den Rummel und seine Anfänge beim Film.

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Film-Debüt: Die zehnjährige Julia Pointner hat in „Alles wird gut“ eine der Hauptrollen übernommen. Foto: Patrick Vollrath

Quelle: Still

Was war Ihre erste Reaktion, als Sie von Ihrer Oscar-Nominierung erfahren haben?

Ich war alleine zu Hause und habe die Pressekonferenz geguckt, bei der die Nominierungen verkündet wurden, und - naja - gedacht hab’ ich in dem Moment eigentlich gar nichts mehr. Ich habe mich nur gefreut, bin aufgesprungen, habe bei meiner Mama angerufen - die hat leider nicht abgenommen, weil sie so nervös war, dass sie in den Keller gegangen ist, um sich abzulenken. Dann habe ich meinen Papa angerufen, der hat zum Glück abgenommen. Am Abend hab’ ich dann mein Team eingeladen, und wir haben in ‘ner Bar gefeiert.

Für den Oscar nominiert: Patrick Vollrath.

Quelle:

Mittlerweile ist der erste Schock sicherlich vergangen. Wie fühlen Sie sich jetzt?

Man ist schon noch euphorisiert. Ich habe ja gar nicht damit gerechnet - ich meine, es war letztendlich nur ein kleiner Studentenfilm, auch wenn es mein Abschlussfilm an der Wiener Filmakademie war. Aber dass er dann diesen Weg macht, damit konnte man nicht rechnen. Jetzt beginnen aber langsam die Vorbereitungen und man kommt ein bisschen in den normalen Alltag rein. Ich muss viele Dinge planen, wie Flüge buchen, finanzielle Unterstützung suchen, eine Unterkunft besorgen und Termine vor Ort abklären.

Worauf freuen Sie sich am meisten bei der Verleihung des Oscars am 28. Februar?

Ich freue mich generell darauf, dabei zu sein und das alles mitzubekommen - diesen ganzen Trubel und die ganzen Eindrücke, die ganzen Veranstaltungen vor und nach der Verleihung. Da werden so viele Menschen rumlaufen, die man nur von der Kinoleinwand kennt, das ist dann alles schon sehr aufregend.

Ist dabei sein für Sie alles, oder hoffen Sie auf einen Gewinn?

Dabei sein ist definitiv alles. Ich glaube nicht, dass wir gewinnen werden. Ich freue mich einfach wahnsinnig zur Verleihung zu fliegen und an dieser Veranstaltung teilzunehmen, die ich seit 17 Jahren verfolge. Los Angeles im Oscar-Rausch zu erleben, viele Leute zu treffen, es einfach zu genießen - alles was danach kommt, da mache ich mir noch gar keine Gedanken drüber. Das ist schon das Größte.

Selbst wenn Sie nicht gewinnen, bringt die Nominierung doch einen ziemlichen Medienrummel mit sich. Erhoffen Sie sich für zukünftige Projekte Vorteile?

Natürlich hoffe ich, dass die Nominierung auch Vorteile mit sich bringt, wenn sich der Wirbel gelegt hat. Vielleicht macht es die Finanzierung der nächsten Projekte einfacher, wenn die Geschichten gut sind. Es wäre wünschenswert und schön, wenn solche Erfolge und Auszeichnungen die nächsten Schritte leichter machen.

In Ihrem Kurzfilm „Alles wird gut“ geht es um einen Wochenendvater, der seine Tochter entführt, um sie aus dem Land zu schaffen. Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Ein Zeitungsartikel über einen Entführungsfall hat den Ausschlag gegeben. Ich hab’ mich gefragt, wie jemand aus Liebe zu seinem Kind quasi etwas tun kann, was dem Kind eigentlich total schadet. Diese Überlegung hat mich dann recherchieren lassen, ich habe mit diversen Leuten gesprochen, habe Experten gefragt und Menschen getroffen, die involviert waren - und daraus habe ich die Geschichte geschrieben.

Wann haben Sie ihre Liebe zum Film überhaupt entdeckt?

Das war, als ich mit zwölf Jahren zum ersten Mal „Titanic“ im Kino gesehen habe. Danach war ich vollkommen in diesem ganzen Hype gefangen. Kurz darauf habe ich auch zum ersten Mal eine Oscar-Verleihung gesehen. Und ja, seitdem hat mich Film und auch Filme machen interessiert, und ich hab’ angefangen, mich intensiver damit auseinanderzusetzen.

Und die ersten eigenen Filme - wann haben Sie die gedreht?

Den ersten Film habe ich in der elften Klasse im Kunstunterricht gemacht, dann habe ich kurz darauf einen Film mit Kumpels im Wald gedreht. Der hieß „Der Erlkönig“. Kurz vor dem Schulabschluss habe ich dann auch ein Theaterstück inszeniert, und mir überlegt, dass es spannend wäre, das Stück mit einer Video-Rahmenhandlung aufzufrischen. Na ja, das haben wir dann auch gemacht und es ist auch ganz schön geworden für die damaligen Verhältnisse.

War Ihnen da schon klar, dass Sie gern Regisseur werden wollen?

Das hat sich von da an dann so langsam manifestiert. Ich wollte immer erst Schauspieler werden und hab’ daher auch in der Theater-AG angefangen. Währenddessen habe ich aber immer mehr bemerkt, dass mir das selber Geschichten erzählen und Filme machen mehr Spaß macht - dass es das ist, was ich eigentlich machen möchte. Dass ich jemals mit einem so kleinen Film so viele Menschen erreichen kann, habe ich damals natürlich nie gedacht.

Interview: Lisa Malecha

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