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Ein Sommermärchen in der Lüneburger Heide

"A Summer's Tale"-Festival Ein Sommermärchen in der Lüneburger Heide

In der Lüneburger Heide zeichnet sich der Erfolg eines neuen Festivalformats ab. Das Summer's Tale findet in diesem Jahr zum ersten Mal statt und bietet neben Musik auch viele Workshops und kulinarische Genüsse.

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Das Summer's Tale kommt nicht nur bei Kulturfans und ihren Familien gut an.

Quelle: Ilona Henne

Westergellersen. Für Familien, Veganer und Althippies.“ So lautete die nüchterne Zusammenfassung durch eine Musikzeitschrift, als der Konzertveranstalter FKS Scorpio im vergangenen Jahr ein neues Festivalformat ankündigte. Am Mittwoch fand nun auf dem Gelände einer Reitsportanlage in Luhmühlen westlich von Lüneburg das erste Kapitel von „A Summer’s Tale“ statt. Mitten in der Beschaulichkeit der Lüneburger Heide geht es um deutlich mehr als die spöttische Kategorisierung vermuten ließe. Sicherlich: Genuss und Komfort stehen ganz oben im Konzept. Zum Übernachten gibt es neben Zelten mit bereits guter Ausstattung auch Luxuspakete bis hin zur Getränkeversorgung.

In Westergellersen findet vom 5. bis 8. August zum ersten Mal das "A Summer's Tale"-Festival statt.

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Ein Festival mit liebevollen Details

Das Festivalgelände ist geräumig und überzeugt durch liebevoll handgemachte Details – von den Sitzgelegenheiten bis zu den Wegweisern. Außer Konzerten gibt es Lesungen, Filmprogramme, Theater und Ausstellungen. Und eine große Zahl an Workshops: von Yoga und Massage bis hin zu Poetryslam, Weinwissen und Bierbrauen. Viele der Macher kommen aus Hamburg. Akteure aus Projekten des Schauspielhauses, Künstler von der Millerntor Gallery, Ausstatter von der „Materialverwaltung“. Am deutlichsten wird das Einbinden von sehr lebendigen Teilen alternativer Szenen jedoch bei der Verpflegung: Kleine Gourmet-Unternehmer bieten aus ihren Food-Trucks alles, was die Slow-Food-Bewegung aktuell hervorbringt.

Wie ein Toskana-Urlaub auf dem Bauernhof

Fehlt da nicht noch etwas? Immerhin handelt es sich vorrangig um ein Musikfestival. Die Liste der Bands reduziert das Hören keinesfalls auf das Hintergrundrauschen einer Ferienanlage. Mit Musikern wie Tori Amos, Yann Tiersen, Calexico, Damien Rice, Get Well Soon, Belle & Sebastian und Sophie Hunger wird ein hohes Niveau erreicht. Handwerklich hervorragend, oft vielschichtig und ungewöhnlich – und zugleich massentauglich. Aus allen Auftritten des Festivals könnte man das perfekte Mixtape für einen geschmackvollen Abend auf der Terrasse zusammenstellen. Einschließlich eines sentimentalen Exkurses in die wilde Vergangenheit. Mit Patti Smith, die am Freitag ihr legendäres Album „Horses“ spielt.
Das Wacken-Open-Air entspricht zwischen Matsch, Dosenbier und Heavy Metal bis heute eher einem Interrail-Abenteuer – „A Summer’s Tale“ ist dagegen vielleicht eher so etwas wie ein Toskana-Urlaub auf dem Bauernhof. Das Profil dieses Festivals passt sehr gut zwischen zwei sehr unterschiedliche Auftritte des ersten Tages. Da ist Nneka mit ihrem treibenden Ethno-Mix zu politischen Texten auf der einen Seite. International, engagiert und politisch korrekt. Und William Fitzsimmons mit seinen langsamen, traurigen Balladen andererseits. Intellektuell, introvertiert und geradlinig. Und noch etwas hat der singende Psychologe mit dem Festival gemein. Mit Glatze, Hornbrille, Rauschebart und Holzfällerhemd sieht er aus wie der König aller Hipster. Ist aber hinter dem Klischee in seiner Vielschichtigkeit schwer zu fassen.

Ein Konzept mit Zukunft?

Zeitgeist, Anspruch, Massentauglichkeit – das klingt wie ein Festival aus dem Marketinglehrbuch. Aber ist dieser Markt groß genug? Hört die Zielgruppe solche Musik nicht lieber im Surround-Sound zu Hause, statt sich im Zelt Rückenschmerzen zu holen? Ob die Mischung aus Outdoor-Vergnügen und gepflegter Dekadenz Zukunft hat, zeigt sich am Wochenende. Am ersten Festivaltag waren die zahlreichen Familien sichtlich entspannt. Gourmets aller Fraktionen kamen ebenfalls auf ihre Kosten. Althippies waren zwischen den vorwiegend jungen Besuchern nicht zu erkennen. Platz hätten sie allerdings noch genug gefunden.

Für Freitag und Samstag sind noch Tagestickets erhältlich. Informationen unter www.asummerstale.de.

Von Thomas Kaestle

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