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Ein Tag auf dem M'era-Luna-Festival in Hildesheim

Echter Mond, guter Wolf Ein Tag auf dem M'era-Luna-Festival in Hildesheim

Winterspring ist der Wecker für die Festivalgemeinde. Der Winterfrühling passt zum Sommer 2011, zumal der Sänger auch noch Regen heißt. Rain Dusky und seine Mitstreiter haben aber nicht viel Zeit am ersten der beiden M’era-Luna-Tage auf dem Hildesheimer Flugplatz.

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Schick: Gothic-Fan in Hildesheim.

Quelle: dpa

Hildesheim. Vier Songs erlaubt das 20-minütige Zeitfenster. Die Aufregung ist dem Trio anzumerken, ebenso die Ehrfurcht vor der riesigen Bühne, auf der die drei doch etwas verloren wirken. Die Fusion aus Rock und Elektronik bleibt mangels Bühnenshow etwas blass, aber: Der Anfang ist gemacht. Das Festival ist wach.

Ganz anders gehen die vier Finnen von Apocalyptica zu Werke. Schon zum vierten Mal sind sie auf dem Flugplatz zu Gast, Stammgäste sozusagen. Entsprechend füllt es sich vor der Bühne, als die Metal-Cellisten mit fliegenden Haaren loslegen. Wieder einmal zeigt sich, dass drei Streicher und ein Schlagzeug durchaus so rocken können wie Bands mit klassischer Besetzung. Drei Songs von Metallica hat das Quartett im Programm. Mit den Interpretationen dieser Thrash-Metal-Hymnen sind die Finnen bekannt geworden. Aber auch die anderen Kompositionen haben es in sich. Jetzt ist das Festival richtig wach.

Nach dieser streichharten Mahlzeit gibt es vom Berliner Trio Atari Teenage Riot im Hangar harte elektronische Kost gereicht, die die Kleidung vibrieren lässt und die Gehörgänge freipustet. In den Neunzigern war das mal eine ganz große Nummer im Elektropunk. Und die aggressiven Klänge mit aggressiven, linksradikalen Texten haben noch immer ihre Fans. Für jeden ist das nichts, aber das Gelände ist ja groß.

Die Gothic-Szene pilgert an diesem Wochenende wieder zum Hildesheimer Flugplatz. Dort hat am Samstag das M’era-Luna-Festival begonnen.

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Auf der Hauptbühne gibt es auch wieder Kontrastprogramm: ASP serviert klassischen Gothicrock und -metal. Da drängelt sich das wie immer phantasievoll gestylte Publikum. Denn es gab auch etwas zu sehen: Feuershow, Nebel, der über den DJ-Hangar scheinende volle Mond – und sogar Schnee mitten im August. Kanonen pusten Papierschnipsel in die Höhe, die im Licht der Scheinwerfer tatsächlich wie ein Schneeschauer aussehen. Ein tolles Bild. Neben den Klassikern aus seinem Repertoire hat der „dunkle Schmetterling“ (so der Name eines über mehrere Alben verteilten Erzählzyklus’) aber auch eine neue Single mit dem schönen Namen „Wechselbalg“ dabei. Und dann verneigt sich ASP mit „Temple Of Love“ vor den Gothic-Wegbereitern Sisters of Mercy. Auch das kommt gut an in Hildesheim.

Eine Entdeckung des diesjährigen M’era-Luna-Festivals ist der britische Multiinstrumentalist Patrick Wolf. Das fast schon intime Konzert, das er im Hangar auf die Bühne bringt, sorgt für Gänsehaut und leuchtende Augen. Er kombiniert folkloristische Elemente und Instrumente wie Geige, Harfe, Querflöte oder Saxofon mit akustischen oder elektronischen Beats, Wave-Pop mit Indie-Rock und erzeugt ein Klangbild, das zwar recht soft ist, aber trotzdem mitzureißen vermag. Wolf inszeniert sich als Gesamtkunstwerk, bewahrt sich dabei aber trotzdem eine angenehme Natürlichkeit. Und wenn er sich an seine Harfe setzt und alleine dazu singt, geht einem das Herz auf.

Die holländischen Bombast-Metaller Within Temptation setzen noch mal auf Feuershow, Nebel und große Geste. Doch in dieser Hinsicht hat ASP vorher schon den Maßstab gesetzt – offensichtlich auch in der Gunst des Publikums. Dem Sextett um Sängerin Sharon den Adel fehlt irgendwie der Druck, der Funke will nicht so recht überspringen. So kann’s gehen auf Festivals, wo die letzten nicht immer die erfolgreichsten sein müssen. Andererseits kann man so den Tag angenehm ausklingen lassen. Auch nicht schlecht.

Claus Kohlmann

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Foto: In Hildesheim hat das M’era-Luna-Festival begonnen.

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