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„Ein sanfter Riese“ im Ballhof

Junge Oper „Ein sanfter Riese“ im Ballhof

An der Jungen Oper war im Ballhof Steven McNeffs Stück „Ein sanfter Riese“ als deutsche Erstaufführung zu sehen – und sorgte für Diskussionsstoff bei den anwesenden Grundschülern.

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Szene aus „Ein sanfter Riese“ mit Tina Marie Hernert (links) und Gihoon Kim.

Quelle: Thomas M. Jauk

Hannover.  Was für ein Knall! Der Vater hat seine Tochter geohrfeigt. Erschrocken fahren etliche kleine Hände im Publikum hoch. Wie kann er das machen? Die Darsteller und der Schlagzeuger haben gutes Timing bewiesen. Die Backpfeife war nach bester Schauspielkunst simuliert. Der Trick hat seine Wirkung nicht verfehlt und die jungen Premierenzuschauer bei der deutschsprachigen Erstaufführung der Kinderoper „Ein sanfter Riese“ im hannoverschen Ballhof ziemlich aufgerüttelt. Das muss erstmal verdaut werden. Zum Glück ist gleich nach der Schrecksekunde Pause. Beim Butterbrotmampfen im Foyer wird dann eifrig diskutiert über den „Fiesling, der sein Kind schlägt“.

Was kann es besseres geben für Schauspieler und Regisseur oder – wie in diesem Fall – Sänger, Dirigent, Musiker und Komponist, wenn das Bühnengeschehen die Zuschauer so bewegt, dass sie auch außerhalb der Vorstellung darüber debattieren? „Ein sanfter Riese“, für Kinder von sechs Jahren an gedacht, bietet jede Menge Gesprächsstoff. In der neunzigminütigen Oper, komponiert von dem Briten Steven McNeff, die auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Michael Morpurgo beruht, geht es um Fremdsein, Freundschaft und Vertrauen. 

McNeffs minimalistische Musik für Schlagzeug, Flöte, Harfe und Cello (dirigiert von Siegmund Weinmeister) untermalt unaufdringlich und doch effektvoll die Geschichte des Mädchens Miranda (Tina Marie Herbert), die mit ihrem Vater (Hyun-Joong Kim) in einem Fischerdorf lebt. Doch der silbern schimmernde See vor der Tür gibt kaum noch Fische her. Die Bewohner machen den friedlichen, aber stummen Riesen (Gihoon Kim) verantwortlich dafür. Dass er Miranda eines Tages vor dem Ertrinken rettet, wird ihm nicht gedankt. Der Vater ist erbost darüber, dass Miranda in dem Riesen nunmehr einen Freund sieht – und bestraft sie mit der Ohrfeige. Das Drama erreicht seinen Höhepunkt, als ein Scharlatan den See mit grünem Schleim versetzt. Jetzt schlägt die Stunde des Riesen. 

Wer ist gut und wer ist böse? Was ist Schein, was Wirklichkeit? Das ist gerade für Kinder im Grundschulalter gar nicht so einfach zu beantworten. Ungewohnt dürfte für viele auch sein, dass die Dialoge durchgängig gesungen werden. Mit großer Spielfreude und sehr prononciert vorgetragenen Texten, in denen sich fast alles reimt, gelingt es den Sängern jedoch, dem Publikum die Geschichte über diesen Fischfang mit sehr viel Tiefgang überzeugend und verständlich nahezubringen. 

Weitere Vorstellungen am 14. und 15. Februar, jeweils von 10.30 Uhr an im Ballhof.

Von Kerstin Hergt

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