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14:59 24.11.2017
Eins mit der Gitarre: Jimi Hendrix im Berliner Sportpalast 1969. Hendrix hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des Rock. Am 27. November wäre er 75 Jahre alt geworden. Quelle: epd
Hannover

Ein Festival aus Regen und Schlamm, Frieden, Liebe und Sound. Drei Tage lang wurde im August 1969 auf dem Acker im amerikanischen Nirgendwo das Musikfest von Woodstock gefeiert wurde. Es war der Höhepunkt der drei Jahre des Hippie-Sommers der Liebe und ist für viele der Höhepunkt der Rockmusik überhaupt. Ganz am Ende, als der Morgen des Abschieds schon heraufgedämmert war, trat um neun Uhr noch Jimi Hendrix mit seiner neuen Band auf die Bühne. Letztes Konzert.

Woodstock endete mit der Zerstörung der Nationalhymne

Nur noch 35 000 der 400 000 Besucher waren vor Ort, als der 26-jährige schwarze Gitarrist dann seine weiße Fender Stratocaster glühen, bluten, grollen und schreien ließ. 17 Songs, als Zugabe sein erster Hit „Hey Joe“. Das grandioseste Stück des Abends kam jedoch kurz vor dem Ende des regulären Konzerts: Hendrix verzerrte den „Star Spangled Banner“ - die amerikanische Nationalhymne wurde über das Wah-Wah-Pedal ihrer Erhabenheit beraubt, wurde zum Heulen und Stürmen. Eine lärmende Zerstörung ihres Pathos als Abrechnung mit dem, was falsch lief damals in den US of A, eine Kakophonie für die schwarzen Bürgerrechtler, gegen den Rassismus, gegen das Sterben in Vietnam.

James Marshall Hendrix, geboren am 27. November 1942 in Seattle, starb früh, einer aus dem Club 27, dem Alter, in dem bis heute seltsam viele Rockmusiker das Zeitliche segnen. Zugleich ist er einer von den Ewigen, den Olympiern des Rock’n‘Roll, deren Einfluss weit über seine Zeit hinausreicht. Wenn Prince mit der lila Gitarre auf dem lila Flügel stand und schwer affektiert sein „Purple Rain“ spielte, hörte man das Erbe von Hendrix. Wenn Lenny Kravitz sein „Are You Gonna Go My Way“ funkrockte, war es eine Verbeugung vor dem „schwarzen Elvis“. Auf einer einsaitigen Ukulele, die sein Vater in einer Garage gefunden hatte, begann Jimi schon als Kind seine manische Suche nach den unmöglichen Klängen. Als ihn sein erster Manager Chas Chandler 1966 nach England holte, war er bereits als Musiker von Sam Cooke, den Isley Brothers und Ike Turner durch Amerika gezogen.

Pete Townshend fühlte sich um seine Konzertpointen betrogen

Seine Band hatte den großartigen Namen The Jimi Hendrix Experience. Und was für eine Erfahrung das war: Wohl war er nicht der erste, der seine Gitarre hinter dem Rücken spielte. Aber für das weiße Publikum im psychedelisch swingenden London war diese schwarze Tradition völlig neu. Der Linkshänder Hendrix behandelte seine Rechtshändergitarre wie eine Amour fou, zärtlich, leidenschaftlich. Wenn er mit der Zunge und den Zähnen an die Saiten ging, war das ein erotisches Versprechen. Und wenn er sein Instrument zerschlug, gar in Flammen setzte – eine brachiale Trennung – fühlte sich Pete Townshend von The Who um seine besten Konzertpointen betrogen. Nur, dass es bei Jimi Hendrix nie geplanter Höhepunkt eines Auftritts war, sondern intuitiv passierte. „Der Blues geht ganz leicht zu spielen“, pflegte Hendrix zu sagen, „aber es ist schwer, ihn zu fühlen.“

Und so hat dieser Virtuose in nur vier Jahren, bis er am 18. September 1970 an einer Überdosis von – es wurde nie wirklich geklärt - Schlaftabletten, Alkohol oder Drogen starb, viele Perlen des Rock hinterlassen. Die bockigen Rhythmen und Hardrockriffs von „Foxy Lady“ und „Purple Haze“, die Nadelstich-Gitarre am Ende von Dylans „All Along The Watchtower“. Und die singenden Gitarren der Balladen „Castles Made of Sand“ und „The Wind Cries Mary“, die zu träumen scheinen. Wunderschöne Songs, auch kathartischer Lärm, und dazu diese einlullende, dunkle Soulstimme, die – etwa in „Little Wing“ – von höchst seltsamen Begebenheiten kündete: „Well, she’s walking through the Clouds with a circus mind …“ War Hendrix‘ Wolkengeherin eine Schwester von „Lucy In The Sky With Diamonds“ der Beatles?

Der Glaube an die Weltverbesserung durch Musik

Seinen „Star Spangled Banner“ hört man seit Beginn der Ära Trump wieder öfter in amerikanischen Radiostationen. Was dem Meister, den das Musikmagazin „Rolling Stone“ in der Gitarristen-Bestenliste auf Platz 1 führt, gefallen würde. „Wenn etwas zu ändern ist in dieser Welt, dann kann es nur mithilfe der Musik geschehen“, davon war Hendrix überzeugt. Happy birthday, Jimi! Die Sounds, die dir zu diesem Präsidenten einfallen, würde man gerne hören.

Von Matthias Halbig / RND

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