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00:15 03.07.2014
Regenlabyrinth: Chöre und Publikum im Gartentheater. Quelle: Helge Krueckeberg
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Hannover

In Herrenhausen wird selbst der Regen noch zu Musik. So haben viele Besucher der Kunstfestspiele in den vergangenen Wochen die wunderbar ironische Klanginstallation „RainDance“ von Paul DeMarinis interpretiert. Mit einem Regenschirm bewaffnet haben sie den Klangparcours am Eingang des Großen Gartens passiert und zu herabtröpfelndem Wasser verschiedensten Wassermusiken gelauscht: „Singing in the Rain“ beispielsweise oder „Eine kleine Nachtmusik“. Zum Ende des ersten Teils der Kunstfestspiele zeigte sich jetzt, das die Sache doch nicht ganz so einfach ist. Wegen der Aussicht auf einen verregneten Abend wurde die Premiere des letzten Projekts, einer „begehbaren Sinfonie“ der Staatsoper Hannover, abgesagt. Die Uraufführung eines Stücks des österreichischen Komponisten Wolfgang Mitterer im Gartentheater dagegen ging trotz des angekündigten Regens über die nasse Bühne.

Der Aufwand war immens: 21 Chöre tummelten sich im Gartentheater und waren zu Mitterers „Labyrinth 14/3“ zu sechs größeren Ensembles formiert worden. Sie schlenderten vor der Bühne von links nach rechts und in umgekehrter Richtung, wanderten auf der Bühne zwischen den seitlichen Hecken, aber auch vom Bühnenrand nach hinten und sogar rückwärts in umgekehrter Richtung. Wolfgang Mitterer, der Teil 1 und 2 seines Labyrinths zuvor auf dem Bonner Münsterplatz und auf dem Wasserturm-areal am Prenzlauer Berg in Berlin realisiert hatte, wollte auch das Gartentheater in eine „Skulptur aus Raum und Klang“ verwandeln.

Das gelang dem Komponisten mit allerlei vorgefertigten Materialien. Beweglichkeit hieß die Trumpfkarte, denn schon die Zuspielungen aus mehreren Lautsprechern kreisten um das Publikum, das, regenbedingt, in vorher verteilten Folienponchos lauschte. Es hörte nicht nur elektronische Klänge, sondern wollte sich fast !schon wegducken, als ein Flugzeugmotor dröhnte. Was aber wäre ein europäisch gebildeter und vor allem in Wien trainierter Komponist ohne Beethoven? Schon nach fünf Minuten donnerte das Schicksalsmotiv der Fünften Sinfonie, und später kontrastierte der schöne Götterfunken die von fünf Schlagzeugern und vier Trompeten angereicherten chorischen Aktionen.

Verschmelzung von Klängen und Licht war oberste Devise, und deshalb verzichtete Wolfgang Mitterer auf brillierende Visitenkarten einzelner Ensembles. Sie durften auf Anweisung skandieren, lachen und schreien. Gelegentlich wurde Bekanntes angestimmt, darunter das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ oder das unter Chören beliebte Renaissance-Trinklied „Tourdion“.

Auch einen aparten Ausflug in die deutsche Romantik hatte Mitterer zugelassen. Mendelssohn-Bartholdys „O Täler weit o Höhen“ wurde zeitversetzt auf der Bühne und seitlich daneben gesungen. Das verregnete Gartentheater hatte sich für den Abend – einer gemeinsamen Veranstaltung von Chortagen und Kunstfestspielen – in einen Erlebnisraum verwandelt. Für die rund siebenhundert Mitwirkenden und das Publikum.

Der Zwischenbilanz der Kunstfestspiele hatte auch der Regen keinen Strich durch die Rechnung machen können. Die scheidende Intendantin Elisabeth Schweeger konnte auch diesmal wieder hochkarätige Künstler wie den Regisseur Christof Nel, den jetzigen Intendanten der Ruhrtriennale, Heiner Goebbels, oder den künftigen Leiter der Biennale München, Manos Tsangaris, nach Herrenhausen bringen. Sie wurde dafür mit guten Besucherzahlen belohnt. Bislang sahen 8747 Gäste 14 Produktionen. Zwei große Produktionen, William Kentridges „Winterreise“ und die Uraufführung von Elena Kats-Chernins Oper „George“ folgen im September erst noch. 2013 kamen am Ende 9286 Besucher.

Von Ludolf Baucke und Jutta Rinas

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