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Eine neue Wand für das Gomringer-Gedicht

Debatte Eine neue Wand für das Gomringer-Gedicht

Das umstrittene Gedicht von Eugen Gomringer soll von der Fassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin entfernt werden. Die Aktion sorgte für viel Kritik und Spott. Nun scheint eine Lösung gefunden – die aber auch nicht jedem gefällt.

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Noch ist das Gedicht in Berlin zu lesen.

Quelle: imago/Jürgen Ritter

Berlin. Im oberfränkischen Rehau gibt es also bald auch Alleen: Nach dem Wirbel um ein angeblich sexistisches Gedicht des Lyrikers Eugen Gomringer an der Fassade einer Berliner Hochschule sollen die Zeilen bald eine Hauswand in Gomringers Wohnort Rehau zieren. An einem Museum in der oberfränkischen Stadt wird künftig großflächig das auf Spanisch verfasste Gedicht „avenidas“ zu sehen sein.

Spott im Netz

Es ist die jüngste Posse in einer Debatte, die in den Sozialen Netzwerken für viel Hohn sorgt. So griff eine Nutzerin bei Twitter die Form des Gedichts auf und textete neu:

Empörung des Kulturrates

In der vergangenen Woche hatte der Akademische Senat der Alice Salomon Hochschule beschlossen, das Gedicht übermalen zu lassen. International war die Entscheidung heftig kritisiert worden. Der Deutsche Kulturrat, Spitzenorganisation von 250 Bundeskulturverbänden, reagierte „erschüttert“. Eine Diskussion über falsch verstandene politische Korrektheit war die Folge.

Sexismus-Vorwurf

Angehörige der Hochschule hatten moniert, „avenidas“ könne Frauen gegenüber als diskriminierend aufgefasst werden. Dabei geht es um den Satz: „Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“. Damit würden Frauen, so die Kritiker, zum Objekt männlicher Bewunderung degradiert.

Kritik der Tochter

Nora Gomringer, Tochter von Eugen Gomringer, ist selbst Lyrikerin und Gewinnerin des Bachmannpreises. Sie hält die Sexismus-Vorwürfe für aus der Luft gegriffen. Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagt sie: „Ich bin mit einer Art Haushaltsfeminismus aufgewachsen.“

Vorschlag des Stadtrates

Am Mittwochabend nun hatte eine große Mehrheit im Rehauer Stadtrat beschlossen, das Gedicht im öffentlichen Raum zu zeigen. „Damit stehen die Vertreter der Rehauer Bevölkerung hinter Eugen Gomringer, dem Begründer der konkreten Poesie, und setzen sich für ihn ein“, betonte Bürgermeister Michael Abraham (CSU) am Donnerstag. „In Rehau wird das Gedicht nicht als sexistisch beurteilt, wohlwissend, dass es immer mehrere Interpretationsmöglichkeiten für dasselbe Gedicht gibt.“

Reaktion des Dichters

Die Idee, das Gedicht in Rehau großflächig anbringen zu lassen, sei kürzlich auf dem 93. Geburtstag Gomringers entstanden, er habe sich mit dem Dichter eng abgestimmt, sagte Abraham. Im Frühjahr sollen die Arbeiten an der Fassade des Museums beginnen.

Gomringer selbst hatte die Entscheidung der Berliner Hochschule kritisiert. „Das ist ein Eingriff in die Freiheit von Kunst und Poesie“, hatte der 93-Jährige gesagt.

Der in Bolivien geborene Gomringer lebt seit 1976 in Rehau (Landkreis Hof) und gründete dort im Jahr 2000 das Institut für Konstruktive Kunst und Konkrete Poesie (IKKP).

Rehau spielt sich als Retter der Kultur auf. Doch die Gedicht-Verpflanzung von der Hauptstadt in die Provinz wird der Sache nicht gerecht.

Von RND/may/dpa

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