Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Elbphilharmonie-Dirigent Thomas Hengelbrock leitet Haydns „Schöpfung“ im Kuppelsaal
Nachrichten Kultur Elbphilharmonie-Dirigent Thomas Hengelbrock leitet Haydns „Schöpfung“ im Kuppelsaal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 09.02.2018
Egal, was sie in Hamburg sagen: Thomas Hengelbrock. Quelle: Florence Grandidier
Hannover

 Sie schütteln nicht einfach routiniert die Hände – sie umarmen einander herzlich, als wollten sie sich gegenseitig zur Leistung des Abends gratulieren: Es sagt einiges über den Dirigenten Thomas Hengelbrock, wenn man sieht, wie glücklich die Musiker nach seinem Konzert im hannoverschen Kuppelsaal die Bühne verlassen. Doch nicht überall läuft es gerade so rund für Hengelbrock: In Hamburg, wo er das NDR Elbphilharmonie Orchester leitet, ist offener Streit entbrannt.

Im Dezember hat Hengelbrock angekündigt, seinen prestigeträchtigen Posten in der Elbphiharmonie vorzeitig zu abzugeben. Statt erst 2019 wird der Dirigent das Residenzorchester des neuen Konzertsaals schon im Sommer verlassen. Er begründete das mit seiner Unzufriedenheit darüber, wie der NDR den Wechsel an der Spitze des Orchesters gemanagt hatte: Wenige Tage nach Hengelbrocks Ankündigung, seinen Vertrag nicht noch einmal zu verlängern, präsentierte der Sender schon den Amerikaner Alan Gilbert als dessen Nachfolger. Ein Affront, wenn man auch noch die Verstimmungen berücksichtigt, von denen vor allem seit dem unglücklichen Konzert zur Eröffung der Elbphilharmonie zu hören ist. Es sickerte durch, dass Hengelbrock seinen NDR-Musikern mangelnde Eigeninitiative vorwarf. Umgekehrt wurden Gerüchte ventiliert, nach denen die Verantwortlichen des Senders den Alte-Musik-Experten nicht mehr für den richtigen Mann an dieser exponierten Stelle hielten. Zerbrochenes Prozellan auf allen Seiten.

In Hannover, wo Hengelbrock mit dem von ihm schon vor 20 Jahren gegründeten Balthasar-Neumann-Chor und -Ensemble bei Pro Musica zu Gast war, machte der Dirigent nun eindrucksvoll deutlich, dass trotz der Querelen weiter mit ihm zu rechnen ist. Seine Version von Haydns „Schöpfung“ war ein Höhepunkt der bisherigen Konzertsaison

Hengelbrock entfaltete das Oratorium so farbig und dramatisch, als sei es eine große Oper. Fahl und zerklüftet tönt hier nur die „Vorstellung des Chaos“, die Haydn seinem tönenden Schöpfungsbericht vorangestellt hat. Lustvoll kosten die Musiker schon den spektakulären Umschlag von c-Moll zu C-Dur aus, mit dem das Licht in die Welt tritt, und auch danach zeichen sie Haydns musikalische Effekte fabelhaft plastisch nach. Die wirken besonders reizvoll, weil der Komponist sie genau andersherum platziert hat, als man sie erwarten würde: Er schildert zunächst mit Noten, was später der Text erzählt – erst rollen die Pauken, danach ist vom Donner auch die Rede. 

Die altmeisterliche Polyphonie der Chorsätze, die in der „Schöpfung“ Gottes Werke loben, hält Hengelbrock nicht davon ab, die Stücke mit zusätzlichem Schwung zu versehen. Manchmal zieht er das Tempo zum Ende hin an, bis selbst in strengen Fugen jede Note leidenschaftlich jubelt und man sich dem wenig zeitgemäßen Gedanken kaum entziehen kann, die Welt sei so gut, wie sie ist. Mit seinem Balthasar-Neumann-Chor steht ihm dabei ein homogenes und reaktionsschnelles Ensemble zur Verfügung, das auch in der Weite des Kuppelsaals keine Klangwünsche offenlässt. Entsprechend souverän sind auch die Solisten um den erfahrenen Tenor Lothar Odinius und den jungen Bassisten Tareq Nazmi

Getragen wird Hengelbrock aber vor allem von den Instumentalisten des Balthasar-Neumann-Ensembles, die sich aus Musikern unterschiedlicher Orchester zusammensetzen und in dieser Formation spielen, als ginge es um ihr Leben. Kein Risiko scheint ihnen zu hoch, wenn es darum geht, Hengelbrocks markante Phrasierungen umzusetzen, und doch passieren so gut wie keine Fehler. Hier haben sich die richtigen Musiker mit dem richtigen Dirigenten zusammengetan. Eine Sternstunde. Egal, was sie in Hamburg sagen.

Am 18. März sind das Houston Symphony Orchestra und der Dirigent Andrés Orozco-Estrada zu Gast im Kuppelsaal. Solistin ist die Geigerin Hilary Hahn. Das für den 13. Februar geplante Konzert mit David Garrett fällt wegen einer Erkrankung des Geigers aus.

Von Stefan Arndt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Nach dem emotionalen Kältetod: In „Freiheit“ (Kinostart: 8. Februar) verschwindet eine Mutter aus ihrem alten Leben und begibt sich auf die lange Reise zu sich selbst. Die Schauspielerin Johanna Wokalek besitzt in diesem Drama von Regisseur Jan Speckenbach eine beinahe unheimliche Präsenz.

06.02.2018

Der erste Trailer zu „Solo – A Star Wars Story“ (Kinostart am 24. Mai) ist da. Kommt Alden Ehrenreich als junger Weltraumheld Han Solo attraktiv rüber? Kennt „Game of Thrones“-Star Emilia Clarke wirklich seine tiefsten Geheimnisse? Ist Woody Harrelson vertrauenswürdig als sein Mentor? Und wo bleibt eigentlich Darth Vader? Schon gibt es weitere Nachrichten: Die „Game of Thrones“-Macher planen eine weitere Filmtrilogie und eine „Star Wars“-Fernsehserie soll es auch geben.

07.02.2018

Der britische Popstar Elton John geht ein letztes Mal auf Tour – und macht auch in Hannover Halt. Am 22. Mai 2019 spielt er in der Tui-Arena. Am Dienstag beginnt der exklusive Presale der Tickets. 

06.02.2018