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Kultur Die Geigerin Elisabeth Kufferath und ihre Liebe zur modernen Musik
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00:32 21.04.2018
Doppelleben: Elisabeth Kufferath ist als Geigerin und Bratscherin erfolgreich. Quelle: Giorgia Bertazzi
Hannover

 Die einen können von Mozart nicht lassen, andere müssen sich immer wieder an Bach erproben. Insofern ist die Geigerin Elisabeth Kufferath eine Ausnahmeerscheinung: Das Stück, mit dem sie sich vor allen anderen immer wieder auseinandersetzt, stammt von dem 1925 geborenen italienischen Komponisten Luciano Berio. Der hat seine „Sequenza“ für Solovioline komponiert, als die 1969 in Hamburg geborene Geigerin gerade sieben Jahre alt war. Viele ihrer Kollegen machen im Konzertbetrieb eher ein Bogen um solche vergleichsweise modernen Stücke. Für Kufferath aber, die seit 2009 Geigenprofessorin an der hannoverschen Musikhochschule ist, kommt das nicht infrage. „Die ,Sequenza‘ hat alles, was große Musik ausmacht“, sagt sie: „Man unternimmt eine emotionale Reise in dem Stück.“ Es verlange enorme Virtuosität – und doch diene die jederzeit dem Ausdruck dieser sehr sinnlichen Klänge: „Das ist bei Berio nicht anders als bei Bach.“

Eine vielseitige Künstlerin: Elisabeth Kufferath.

Eine solch hohe Wertschätzung für den Komponisten macht Kufferath zu einer idealen Protagonistin des hannoverschen Klangbrücken-Festivals von Staatsoper, NDR, Musikhochschule und Musik 21, das in diesem Jahr Berio in den Mittelpunkt stellt. Bei der heutigen Eröffnung im Sprengel-Museum spielt sie ihr Lieblingsstück in der später entstandenen Version mit Orchesterbegleitung – und auch am Freitag ist sie mit von der Partie, wenn in der Musikhochschule alle „Sequenzen“ erklingen, die Berio über einen Zeitraum von einem halben Jahrhundert hinweg für verschiedene Soloinstrumente geschrieben hat.

Dabei präsentiert sich die Geigerin auch auf der Bratsche, für die Berio ebenfalls eine „Sequenza“ komponiert hat. Wegen ihrer großen Hände habe ihr Lehrer sie schon als Kind auch mit der Bratsche vertraut gemacht, erzählt Kufferath, und lange habe sie geschwankt, auf welches der beiden Instrumente sie ihren Schwerpunkt legen sollte. „Man ist eine andere Persönlichkeit je nachdem, auf welchem Instrument man spielt“, findet sie. Noch als sie 1992 zusammen mit dem Geiger Christian Tetzlaff, mit dem sie auf der selben Schule und beim selben Geigenlehrer war, das Tetzlaff-Quartett gründete, war ihre Rolle nicht ganz klar: Sie spielte abwechselnd zweite Geige und Bratsche. Weil sich das aber bald als wenig praktikabel erwies, blieb sie im Quartett bald fest bei der Geige. 

Als Solistin greift sie seit einigen Jahren aber wieder regelmäßig auch zur Bratsche: Auf ihrer neuen CD „Libero, fragile“ (erschienen bei Genuin Classics) spielt sie von verschiedenen Komponisten des 20. Jahrhunderts je ein Solostück für Geige und eins für Bratsche – natürlich auch die „Sequenzen“ von Berio. Auf dem Album sind zudem Werke von Musikern wie Jan Müller-Wieland enthalten, die sie persönlich kennt. „Ich genieße es sehr, wenn man die Stücke mit den Komponisten zusammen erarbeiten kann, wenn man ihnen vorspielen und Fragen stellen kann“, sagt sie. Das tut sie regelmäßig mit unterschiedlichen Künstlern wie Jörg Widmann, Moritz Eggert, Thorsten Encke oder Manfred Trojahn. Nur dem 2003 gestorbenen Luciano Berio ist sie nie persönlich begegnet. Vielleicht drängt es Kufferath gerade deshalb dazu, seine Partituren immer wieder neu zu befragen.

Das Klangbrücken-Festival startet heute um 18.30 Uhr im Sprengel-Museum mit Elisabeth Kufferath, dem Norddeutschen Figuralchor und Musica assoluta. Bis zum Abschluss im Sinfoniekonzert des Staatsorchesters am 22. April gibt es neun weitere Konzerte mit Berio-Werken. Am 24. Mai spielt Kufferath mit dem Tetzlaff Quartett bei den Kunstfestspielen Herrenhausen in der Orangerie.

Von Stefan Arndt

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