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Nachrichten Kultur Elton John in der TUI Arena in Hannover
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07:05 22.06.2011
„Saturday’s alright for fighting“, „Goodbye Yellow Brick Road“ oder „Rocket Man“ erschallten am Dienstagabend in der Tui-Arena in Hannover. Quelle: Steiner
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Hannover

Schon nach dem ersten Lied geht’s los. Gerade hat Elton John zur Einleitung fast zehn Minuten über dem Instrumental „Funeral for a friend“ gebrütet und es dann elegant in das flotte „Love lies bleeding“ überführt, schon kommen in der TUI Arena die ersten Musikwünsche. „Crocodile Rock!“ ruft einer. Er ist nicht der einzige: Viele hier haben ihre eigene Version dieses Abends im Kopf. Ihr ganz persönliches Wunschkonzert. Man kann es ja wenigstens mal versuchen. Eine Frau schreit: „Elton, I love you!“. Tja, Pech gehabt. Der Pianist, halb links auf der breiten Bühne hinter seinem schwarzen Flügel, lässt sie rufen.

Was soll er auch machen? Elton John stammt musikalisch aus einer Zeit, in der Künstler noch ein Album pro Jahr auf dem Markt warfen. Zwischen 1969 und 1989 veröffentlichte der Brite jedes Jahr mindestens eine Langspielplatte, das sind mehr, als andere Künstler heute in ihrer Karriere Lieder veröffentlichen. Wenn du also allein mit Nummer-eins-Hits bis morgen früh durchspielen könntest – was machst du, wenn du es in gut zwei Stunden allen recht machen sollst?

Elton John geht die Aufgabe pragmatisch an: Er beginnt sein Konzert schon um halb acht. Und hat für die 8000 Neugierigen im gut gefüllten, aber nicht ausverkauften Haus ein Rundum-Wohlfühlpaket zusammengestellt. Natürlich will er ein paar Kostproben aus „Union“ vorstellen, seiner noch recht frischen Kollaboration mit dem alten Rock- und Blues-Haudegen und „my Idol“ Leon Russell. Aber er weiß auch, dass die Damen im Saal sich nicht noch mal die kurzen Rücke angezogen haben, um zu viel Neues zu hören. Im Gegenteil: Sie wollen sich nochmal jung fühlen beim alten John! Also: Fetenhits 73, bitte schön! „Saturday’s alright for fighting“, „Goodbye Yellow Brick Road“ oder „Rocket Man“ sind es schließlich, die die Feier- und Fummelbilder aus oder hinter dem damaligen Dorftanzschuppen in den Köpfen freisetzen. Darum sind viele hier.

Und als die alten Balladen so durch die Halle wehen, von Sir Elton und seiner Band nicht selten um ein paar Gedächtnisminütchen ins XXL-Format aufgeblasen, merkt man: Schwulst geht, man muss ihn nur wollen. Wobei das früher leichter war. Vom schrillen Glam der Siebziger sind nur die Jackenbemalung und eine dezent gefärbte Brille übrig geblieben – wenn man die immer noch putzige Perücke nicht hinzurechnen will. Die Exzentrik ist dem Spaß an der Musik gewichen. Den schillernden Rest, die Federboas, die BH-großen Brillen und die Plateautreter muss man sich denken.

Oder einfach zuhören, denn mit dem Abnudeln der alten Hits geben sich die Musiker nur selten zufrieden. „Sacrifice“ oder „Sad Songs“ sind nahezu im Original zu hören. Aber sie wirken fast wie Zugeständnisse an die Erwartungen der Fans. „Ich weiß, Ihr hört es nicht gern“, sagt John zur Einleitung dreier neuer Songs, „aber wir müssen das spielen, sonst werden wir verrückt.“ Nicht gerade ein Kompliment ans Publikum. Aber diese kleinen Kauzigkeiten kennt man seit langem von ihm.

Anderen Hits wie „I guess that’s why they call it the Blues“ oder vor allem diesem „Rocket Man“ geben verspielte Improvisationen ein bisschen Glanz wieder, den sie nach einer Million mal Formatradiohören verloren haben. Immer wenn der Abend Richtung NDR 2 am Nachmittag schwenkt, lassen Elton John oder einer seiner Musiker ein bisschen die Sau raus, streuen etwas ganz Neues ein – oder etwas ganz Altes für Feinschmecker wie „Take me to the Pilot“, Jahrgang 1970.
Am Ende kommt dann auch noch der Rufer zu seinem Recht: Der „Crocodile Rock“ rollt ausgelassen durch die TUI Arena, flankiert von tausendfachem Kindergeburtstagsgesinge: „Laaaa Lalalalala!“ Dann noch „Your Song“. Aber: Ein bisschen schrill war es doch.

Uwe Janssen

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