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Nachrichten Kultur Ensemble Resonanz eröffnet Kunstfestspiele
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00:16 11.05.2016
Von Stefan Arndt
Podium bleibt Podium, aber sonst ist einiges anders beim Ensemble Resonanz, das hier bei den Movimentos-Festwochen in der Autostadt spielt. Quelle: Mario Westphal
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Hannover

Das verdammte 19. Jahrhundert! Mit seiner Neigung zu Kult und Heldenverehrung, mit seinen steifen Krägen und fest gefügten Konventionen kann es einem den ganzen Spaß an der Musik verderben. Denn klassische Musik wird heute zumeist noch immer so präsentiert, wie die Menschen es sich vor 150 Jahren ausgedacht haben: in Konzerten, die eher Gottesdiensten als Unterhaltungsabenden gleichen. Das Publikum ist dabei in ordentlichen Reihen vor einem Podium gruppiert, auf dem Musiker im Frack sitzen. Erst gibt es ein Solokonzert und dann ein Orchesterstück zu hören, zwischen deren einzelnen Sätzen keinesfalls geklatscht werden darf.

Eigentlich kein Wunder, dass vor allem junge Menschen, die zum ersten Mal mit solch sonderbaren Ritualen in Kontakt kommen, keine besonders große Lust haben, diesen Kontakt noch weiter zu intensivieren. Das ist zumindest die Meinung einiger Musiker und Festivalmacher, die dem von ihnen befürchteten langsamen Aussterben des Publikums mit neuen, zeitgemäßen Konzertformen entgegenzuwirken suchen.

Die Kunstfestspiele Herrenhausen

Das Ensemble Resonanz beschließt am Donnerstag, 12. Mai, den ersten Tag der Kunstfestspiele Herrenhausen im Spiegelzelt mit einer „Sk8night“, die Musik und Skaterkultur verbinden will. Bereits um 18 Uhr wird in der Orangerie die Videoinstallation „Dance“ eröffnet, ab 22.30 Uhr ist im Großen Garten erstmals „Finsternis 1816“, eine Licht- und Klanginstallation, zu sehen und zu hören. Um 19 Uhr gibt es ein Herrenhäuser Gespräch zum Thema Hören.

Am Freitag, 13. Mai, startet das Festival mit zwei Video-Opern des amerikanischen Komponisten Steve Reich, der auch selbst in der Musikhochschule anwesend sein wird. Beginn ist um 20 Uhr. Am Sonnabend zeigt der samoanisch-neuseeländische Regisseur und Künstler Lemi Ponifasio sein Stück „Recompose“ ab 18 Uhr in Galerie und Gartentheater, bevor das Festival am Sonntag um 11 Uhr mit der Aufführung von Schönbergs „Gurre-Liedern“ auf ein in jeder Hinsicht großes Ereignis zusteuert.

Das Pfingstwochenende endet schließlich mit der „Whisper Opera“ des amerikanischen Komponisten David Lang (Sonntag um 18 und 20 Uhr sowie Montag um 15.30 und 18 Uhr) und einem Konzert des Hagen Quartetts am Montag um 20 Uhr in der Christuskirche.

Karten für die Kunstfestspiele gibt es unter Telefon (05 11) 12 12 33 33.

Eine Formation, die das besonders konsequent und erfolgreich tut, ist das 1992 gegründete Ensemble Resonanz, das am Donnerstag zur Eröffnung der Kunstfestspiele Herrenhausen im neuen Spiegelzelt hinter der Galerie auftreten wird. Ungewöhnliche Spielorte sind für die Hamburger, die ab 2017 Residenzensemble im kleinen Saal der Elbphilharmonie sein werden, fast schon der Normalfall: Vor Kurzem haben sie eine Heimat in einem alten Bunker gefunden und dort einen „Resonanzraum“ für ihre Konzerte in Clubatmosphäre eingerichtet.

Es gibt sorgfältig ausgewählte Getränke an der Bar und einen DJ, der das Publikum vor und nach den Auftritten bei Laune hält. Gespielt wird, was den Musikern gefällt und die Besetzung hergibt: Kammermusik, Streichersinfonien, viel moderne Musik. Meist werden die Konzerte von einem Mitglied des Ensembles moderiert, was den ohnehin entspannten Abenden zusätzlich eine angenehme persönliche Note verleiht.

So war es nun auch schon bei den Movimentos-Festwochen zu erleben, wo das Ensemble Resonanz im Panoramakino der Autostadt ein besonderes Konzert rund um das Thema Superhelden arrangiert hat. Es gab Musik von Georg Friedrich Telemann, Michael Nyman und Hans Zimmer, und der Hamburger Autor und Performer Armin Chodzinski trug einen eher geschwätzigen Essay über das Verhältnis von Superhelden und Humor vor.

In der wenig einladenden, funktionalen Umgebung des Autostadtkinos wollte das Konzept aber ohnehin nicht recht aufgehen. Und was an Atmosphäre fehlte, konnte leider auch die Musik nicht gutmachen: In Telemanns „Don Quixote“-Suite etwa traten die Streicher den Beweis an, dass es bei Weitem nicht reicht, auf Vibrato zu verzichten und schroff zu phrasieren, um Alte Musik wirklich zum Klingen zu bringen. So farblos ist Telemann heute selten zu hören.

Das hartnäckig haltbare Vorurteil, der Hamburger Barockkomponist habe vor allem langweilige Musik geschrieben, wurde so eher befestigt als widerlegt. Durch die Begegnung mit der koreanischen Cellistin Saerom Park, die den Abend charmant-verhuscht moderierte, konnte man aber immerhin ahnen, welches Potenzial das Ensemble und seine Konzepte haben.

Dass es in Wolfsburg nicht entfaltet wurde, braucht vermutlich nicht zu beunruhigen: Wer neue Wege sucht, darf sich manchmal auch verlaufen.

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