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Eoin Colfer auf Lesereise
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Eoin Colfer Eoin Colfer auf Lesereise

Der Schriftsteller der Artemis-Fowl-Bücher, Eoin Colfer, und der Schauspieler Peter Lohmeyer sind bei Lehmanns in Hannover.

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Was sagt der bloß? Eoin Colfer (rechts) ist schon von der Art, wie Lohmeyer liest, fasziniert.

Quelle: Emine Akbaba

Hannover. Eoin Colfer blickt sich suchend in der weitläufigen Kinderbuchabteilung von Lehmanns in der hannoverschen Innenstadt um, während Peter Lohmeyer beim Soundcheck mit dem Tontechniker witzelt. Er brauche noch dringend ein Geburtstagsgeschenk für seinen jüngeren Sohn, sagt Colfer. Ein Buch wäre naheliegend. Doch der irische Bestsellerautor und Schöpfer des Verbrechergenies Artemis Fowl steuert auf die Nonbook-Regale zu. „Haben Sie Fingerskate-boards?“, fragt er eine Verkäuferin, „mein Sohn liebt diese Dinger.“ Es gibt keine Fingerskateboards bei Lehmanns. Aber dafür rund 250 Menschen, die seit einer halben Stunde im Erdgeschoss Schlange stehen, um einen Tag vor dem offiziellen deutschen Verkaufsstart des jüngsten Artemis-Fowl-Bandes „Das magische Tor“ bei der Lesung von Lohmeyer und Colfer dabeizusein.

Der deutsche Schauspieler („Das Wunder von Bern“) und der irische Schriftsteller sind ein eingespieltes Team. Bereits vor zwei Jahren gingen sie für Artemis Fowl zusammen auf Lesereise. Jetzt könnte es ihr letzter gemeinsamer Auftritt in Hannover gewesen sein. „Das magische Tor“ sei definitiv der letzte Band über Artemis, betont Colfer gleich zu Beginn der Lesung. Seine Hauptfigur habe sich von Buch zu Buch vom bösen Jungen zum guten Helden gemausert. Die Entwicklung sei das Spannende gewesen. „Jetzt weiterzuschreiben über ihn wäre langweilig“, sagt Colfer. Er spricht ein gut verständliches Englisch, aber kein Deutsch. Und so überlässt er Lohmeyer das Vorlesen aus der übersetzten Fassung. Der Schauspieler hat allerdings Schwierigkeiten mit dem komplexen Text und gerät nicht selten ins Stocken. Mit Charme und Selbstironie macht er die Patzer jedoch wieder wett.

„Die Handlung ist zehnmal komplizierter als zum Beispiel in ,Skyfall‘. Das kann man nicht einfach nacherzählen“, sagt Lohmeyer fast entschuldigend. Dass er auf James Bond verweist, freut den bekennenden 007-Fan Colfer sichtlich. Kobold-Kämpferin Holly Short trägt durchaus Züge des Geheimagenten. Und überhaupt mutet der finale Kampf gegen Opal Koboi, der bösen Elfe, die es auf die Weltherrschaft abgesehen hat, so actionreich an wie in einem Bond-Film. Lohmeyers bester Part ist der von Mulch. Den rotzfrechen Zwerg lässt er mit gehörig Schlick auf der Zunge zu Wort kommen. Colfer sieht Lohmeyer halb staunend, halb bewundernd von der Seite an. Er versteht nicht, was er sagt, aber wie er es sagt, ist offenbar auch für ihn beeindruckend.

Auch wenn Colfer nur einen kleinen Absatz auf Englisch vorliest, ist er der Star des Abends. Wenn Lohmeyer eine Pause macht - was er oft tut -, erzählt Colfer Geschichten aus dem Stand. Nicht über Artemis oder andere Figuren aus seinen Büchern. Colfer gibt Anekdoten von seinen beiden Söhnen und seinem jüngeren Bruder zum Besten, die alle drei auch Vorbilder für Artemis waren, wie er sagt. Sympathisch, mit leisem Witz und Schalk in den Augen plaudert Colfer über väterliche Grabenkämpfe mit pubertierenden Söhnen oder den Aberwitz, den man mit Kleinkindern auf öffentlichen Toiletten erlebt. Das alles hat nichts mit Literatur zu tun, doch es unterhält das Publikum ganz offensichtlich mehr als die Passagen aus dem neuen Buch. Die Zuhörer, größtenteils junge Erwachsene und Eltern mit pubertierendem Nachwuchs, hängen an Colfers Lippen und lachen herzlich über seine Alltagsgeschichten. Allein mit Actionszenen hält man seine Fans offenbar nicht bei Laune. Es braucht auch ein Quantum Witz. Ganz wie bei James Bond.

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