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„Es ist laut, spannend, lustig“

Schauspielerin Sandra Hüller „Es ist laut, spannend, lustig“

Die Schauspielerin Sandra Hüller kommt für ein Gastspiel zurück nach Hannover. Ein Gespräch über die Probleme von Frühstarts, das Singen und „Bilder deiner großen Liebe“.

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Sandra Hüller in „Bilder deiner großen Liebe“ von Wolfgang Herrndorf.  

Quelle: Stauss

Hannover. Vor sieben Jahren standen Sie als Parzival das letzte Mal auf der Bühne des Schauspiels Hannover. Seitdem ist viel geschehen. Sie haben eine Menge Preise bekommen. Wie haben Sie sich verändert?

Darüber habe ich nicht nachgedacht, ich gehe diese Bewegungen ja einfach immer mit. Für mich gibt es nicht die Möglichkeit, sich hinzusetzen und die letzten Monate zu reflektieren. Auf jeden Fall hatte ich kontinuierlich Arbeit, wofür ich sehr dankbar bin. Ich bin in der luxuriösen Situation, dass ich mir die Projekte aussuchen kann, die ich machen möchte.

Wie wichtig war der „Parzival“, den Sie in Hannover gespielt haben, für Ihre Karriere?

Ich kann nicht sagen, wie wichtig irgendetwas für die Karriere ist. Ich weiß, dass das eine sehr intensive Arbeit war und dass es mir sehr gefallen hat, diesen „Parzival“ zu erforschen. Diese Suche, die keine Suche sein darf - das hat mich sehr beschäftigt. Außerdem war es ganz wunderbar, mit dem hannoverschen Ensemble und mit Lars-Ole Walburg zusammenzuarbeiten.

Und von der Zeitschrift „Theater heute“ wurden Sie zur besten Schauspielerin gekürt.

Sehen Sie: Das habe ich schon wieder ganz vergessen.

Jetzt kommen Sie mit einem Monologstück für zwei Abende wieder nach Hannover. Sie zeigen Wolfgang Herrndorfs posthum erschienenes Romanfragment „Bilder deiner großen Liebe“. Haben Sie sich das selbst ausgesucht?

Die Idee kam vom Regisseur Tom Schneider, mit dem ich schon lange zusammenarbeite. Der hat mir die Dresdener Fassung zugeschickt, die Dramaturg Robert Koall geschrieben hat. Nach dem Lesen war mir sofort klar, dass ich das machen will. Und es war auch klar, dass wir dafür eine Band brauchen und dass es eine Art Konzert werden wird.

Haben Sie eine Gesangsausbildung absolviert, oder wird einem das Singen auf der Schauspielschule beigebracht?

An der Schauspielschule hatte ich so eine Art Chansonunterricht, und ich war auch im Chor. Eine Zeit lang durfte ich sogar Oper singen, aber das geht jetzt wohl nicht mehr, dafür rauche ich zu viel.

In „Bilder deiner großen Liebe“ geht es um die 14-jährige Isa. Wie ist es, eine 14-Jährige zu spielen?

Ich spiele nicht mit Absicht eine 14-Jährige. Denn das glaubt mir sowieso keiner. Sagen wir mal so: Ich stelle mich zur Verfügung, um die Geschichte zu transportieren. Mich hat eher die Sicht des Autors Wolfgang Herrndorf interessiert. Der scheint ja durch seine Hauptfigur immer durch. Die Frage, wie man eine 14-Jährige spielt, war bei den Proben überhaupt nicht das Thema.

Sie haben in Ihrem Beruf sehr jung angefangen. Im Alter von 17 Jahren wurden Sie an der Ernst-Busch-Schule aufgenommen. Würden Sie jetzt im Rückblick sagen: Das war genau richtig?

Letztlich ist ja immer alles richtig, was passiert ist. Aber es gab durchaus Phasen, in denen mir der frühe Start ein paar Schwierigkeiten bereitet hat. Das soll jetzt keine Beschwerde sein, aber mich hat es eine Zeit lang sehr beschäftigt, dass das bei mir so schnell ging. Ich hätte mir schon gewünscht, auch mal ein Jahr ins Ausland zu gehen oder in einer WG zu wohnen und nicht immer an Morgen zu denken. Bei mir ging direkt nach der Schule der Beruf los, was auch bedeutet, dass ich ununterbrochen Verantwortung getragen habe. Mittlerweile ist das aber alles ganz in Ordnung so. Schließlich kann man viele Dinge ja auch später nachholen.

Zur Person

Sandra Hüller, geboren 1978, wurde mit vielen wichtigen Film- und Theaterpreisen ausgezeichnet. Für ihre Darstellung der Unternehmensberaterin Ines Conradi in Maren Ades Film „Toni Erdmann“ erhielt sie den Bayerischen, den Deutschen und den Europäischen Filmpreis. Für ihre Rolle in „Requiem“ von Hans-Christian Schmid wurde sie mit dem Silbernen Bären der Berlinale ausgezeichnet. In Hannover stand Sandra Hüller als Parzival auf der Bühne des Schauspielhauses. Am Dienstag, 30., und am Mittwoch, 31. Mai, gastiert sie mit dem musikalischen Monolog „Bilder deiner großen Liebe“ nach einem Romanfragment von Wolfgang Herrndorf am Schauspiel Hannover. Es gibt noch Karten.

Als Chris Dercon am Dienstag das neue Programm der Berliner Volksbühne vorgestellt hat, hat er auch „Bilder deiner großen Liebe“ erwähnt. Gehören Sie jetzt zum Ensemble der neuen Volksbühne?

Na ja: Noch nicht. Aber wir reden miteinander. Wir suchen Stoffe und Möglichkeiten.

Gerade laufen die Dreharbeiten für „Fack ju Göte 3“.

Ja, wir sind mittendrin.

Macht das Spaß?

Das ist unterschiedlich - wie bei jeder Arbeit.

Können Sie da auch mal ganz albern sein?

Ja, schon. Aber Komödie ist vor allem harte Arbeit. Das ist einfach so.

Warum sollen sich die Zuschauer „Bilder deiner großen Liebe“ anschauen?

Das kann ich Ihnen sagen: Es gibt tolle Musik und wahnsinnig tolle Musiker. Es ist laut, spannend, lustig. Und: Es ist kurz. Die Aufführung dauert nur anderthalb Stunden. Außerdem geht es um die Geschichte einer großen Befreiung - und das überträgt sich auf die Zuschauer.

Es steht aber wohl nicht zu befürchten, dass im Parkett das Mobiliar zertrümmert wird?

Ach, das kann man nie wissen.

Interview: Ronald Meyer-Arlt

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