Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Europäischer Filmpreis: „Ewige Jugend“ siegt

Tragikomödie Europäischer Filmpreis: „Ewige Jugend“ siegt

Die deutschen Hoffnungen waren groß - wurden aber enttäuscht. Der Gewinner des Europäischen Filmpreises ist ein alter Bekannter. Paolo Sorrentino holt zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit die Trophäe für den besten europäischen Film.

Voriger Artikel
Warum der "Freischütz" in Hannover polarisiert
Nächster Artikel
Die Pointen der Frau Hitler

Sir Michael Caine (l.) und Paolo Sorrentino.

Quelle: dpa

Berlin. Der europäische Film findet die „Ewige Jugend“ in einem heiter-melancholischen Werk über zwei alte Männer. Bei der  Verleihung des 28. Europäischen Filmpreises gewann Paolo Sorrentinos Tragikomödie „Ewige Jugend“ mit Michael Caine und Harvey Keitel am Samstagabend alle wichtigen Preise. Die Deutschen waren mit Sebastian Schippers dreifach nominiertem Echtzeit-Thriller „Victoria“ und großen Hoffnungen ins Rennen um den besten Film gegangen - wurden bei der Gala in Berlin aber herb enttäuscht.

Nicht nur die Trophäe für den besten europäischen Film konnte der Italiener Sorrentino entgegennehmen. Der 45-Jährige wurde auch als bester Regisseur geehrt. Sein 82-jähriger Hauptdarsteller Michael Caine, der im Film einen pensionierten Dirigenten mit Sinnkrise spielt, erhielt die Auszeichnung als bester Schauspieler und aus den Händen von Regisseur Wim Wenders obendrein noch einen Sonderpreis der Europäischen Filmakademie für sein Gesamtwerk.

„Danke, danke Ihnen sehr. Ich kann Ihnen nicht sagen, was das bedeutet!“, rief der sichtlich gerührte Brite Caine ins Publikum.  Oscar-Preisträger Sorrentino hatte bereits vor zwei Jahren mit „La Grande Bellezza - Die große Schönheit“ die Trophäe für den besten Spielfilm beim Europäischen Filmpreis geholt.

Die britisch-französische Schauspielerin Charlotte Rampling wurde nicht nur für ihr Lebenswerk, sondern auch als beste Schauspielerin für ihre Rolle in dem Ehedrama „45 Years“ geehrt - und war bei diesem Preisregen den Tränen nahe. „Ich liebe es, Auszeichnungen zu bekommen“, so die 69-jährige Rampling. Auf eine bestimmte Art seien Schauspieler wie Kinder. „Ich denke, wir alle wollen anerkannt werden und gesagt bekommen: Du hast heute gute Arbeit geleistet.“

In der Kategorie beste Schauspielerin war auch „Victoria“-Darstellerin Laia Costa nominiert, musste sich aber Rampling geschlagen geben. Christian Friedel, der für „Elser - Er hätte die Welt verändert“ als bester Schauspieler in der Auswahl war, hatte gegen Caine ebenfalls keine Chance.

„Ewige Jugend“ erzählt von zwei alten Freunden (gespielt von Caine und Harvey Keitel), die gemeinsam Urlaub in einem Wellnesshotel in den Alpen machen - und dort mit den großen Fragen nach Liebe, Tod und Vergänglichkeit konfrontiert werden. An einen deutschen Film wurde der Preis für den besten Spielfilm zuletzt im Jahr 2006 vergeben, als Florian Henckel von Donnersmarcks Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ gewann.

Die Mitglieder der Filmakademie gingen mit ihrer Wahl für den erlesen elegischen Bilder- und Gefühlsrausch „Ewige Jugend“ auf Nummer sicher - und entschieden sich gegen das filmische Wagnis. Ebenso experimentell wie der 138 Minuten lange, in nur einer einzigen Kameraeinstellung gedrehte Berlin-Krimi „Victoria“ war Mitfavorit „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“. Der Schwede Roy Andersson gewann für seinen skurrilen Film über zwei trübsinnige Scherzartikel-Verkäufer immerhin den Preis für die beste Komödie.

Der 59 Jahre alte Oscar-Preisträger Christoph Waltz nahm sichtlich gerührt und mit zittriger Stimme den Europäischen Filmpreis für seinen „Beitrag zum Weltkino“ entgegen. Der gebürtige Wiener spielte zuletzt in internationalen Produktionen wie „Inglourious Basterds“ und „Spectre“.

Auch politisch wurde es bei der Gala. „Europa geht durch eine harte Zeit. Und unsere Filme, die wir heute Abend feiern, zeigen eigentlich eine andere Art von Europa“, sagte Wim Wenders, der Präsident der Europäischen Filmakademie ist. Sie zeigten eine europäische Filmfamilie, die sich gut verstehe. „Und das ist ja eigentlich in Europa gerade nicht angesagt. Und ich glaube, wir müssen ein bisschen auch mit einem guten Beispiel vorangehen.“

So gab es bei der Verleihung auch nachdenkliche Momente. Schauspieler Burghart Klaußner („Der Staat gegen Fritz Bauer“) sang Charles Trenets Chanson „Douce France“ als Hommage an das von Terroranschlägen erschütterte Land. Und Filmstar Daniel Brühl erinnerte an den inhaftierten ukrainischen Filmemacher Oleg Senzow.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Billy Talent in Hannover

Billy Talent in Hannover: Die besten Bilder des Konzerts in der Swiss-Life-Hall.