Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Sir Paul geht auf Nummer Sicher

McCartney eröffnet seine Europatour Sir Paul geht auf Nummer Sicher

Bejubelter König der Pop-Klassiker: Paul McCartney eröffnet seine Europatour in Düsseldorfs Esprit-Arena. Mit dem Publikum flirtet die Beatles-Ikone auf Deutsch.

Voriger Artikel
Ginkgoa und Chico Trujillo im Pavillon
Nächster Artikel
Auf ein Selfie mit Andreas Bourani

Beatles-Ikone Paul McCartney hat in Düsseldorf das erste von drei Deutschland-Konzerten gegeben. Knapp 40 Lieder aus seiner gesamten Karriere sang der 73-Jährige. Nächste Stationen seiner Tournee sind Paris und Madrid. Im Juni kommt er zurück, dann will er München (10.) und Berlin (14.) rocken.

Quelle: David Young/dpa

Düsseldorf. "Schränggg!" macht es und es ist wieder 1964. Mit einem mächtigen Gitarrenakkord, wie er Rocksongs eigentlich abschließt, geht die Europatour von Paul McCartney los. Ein paar Augenblicke lang steht dieser berühmte Ton gleißend in der ausverkauften Esprit-Arena. Dann setzt die Band ein und Worte juvenilen Durchhaltevermögens gehen hinaus in die Saalnacht: "It’s Been a Hard Day‘s Night", singt Paul McCartney, und dass er ja eigentlich schlafen sollte wie ein Holzklotz. Zum ersten Mal seit Beatleszeiten spielt er "A Hard Day’s Night" live und 27.000 sind in Düsseldorf singen mit ihm "you know I fee-heel alright". Und sie meinen das auch so. Besser als hier und jetzt kann man sich eigentlich kaum fühlen.

Seinem Alter geschuldet, wäre gesunder Nachtschlaf inzwischen angemessen, in drei Wochen wird Paul McCartney 74 Jahre alt. Aber Musikmachen ist für ihn wie Feierabend und die im Text anvisierte Heimkehr zur Geliebten ist in Wahrheit die Heimkehr zu uns, seinem Publikum. Mit einem Konzert, das zweieindreiviertel Stunden dauern wird. Der Mann, der seit 1963 für die meisten einfach Paul ist (seit 1997 Sir Paul), hat es leicht mit der Publikumseroberung, er macht viele Ansagen auf deutsch und hat zudem alle vier: das Aussehen, den Charme, die Bedeutung und - die Songs. Als drittes Lied kommt "Can’t buy me Love". Und es beschert reichlich Gänsehaut, wenn man dieses Stück mal nicht von einer Beatles-Coverband hört, sondern von dem Mann, der es (mit-)geschrieben hat. Musik aus der Zeit, als Rock’n’Roll den zweiten Frühling feierte. Die Leinwand zeigt Bilder aus jenen Tagen. Und man wird von Sehnsucht geflutet. Raffiniert.

Als wäre wieder Beatlesmania

So haben alo nicht wenige im Stadion (erstaunlich viele davon unter 30 Jahren) diesen altbekannten jungen Blick, als wäre wieder Beatlemania. Und der Hofner Violinbass, den McCartney in Düsseldorf geschultert hat, ist das popmythisches Signal dazu. Das Instrument, das wie eine langhalsige Geige aussieht, ist "die Paul-Gitarre", wie eine ältere Dame weiß, deren noch ältere Schwester 1966 ein paar Kilometer weiter in der Essener Grugahalle dabei war, als McCartney den Hofner noch im Verbund mit John Lennon, George Harrison und Ringo Starr spielte.

Das Programm speist sich fast ausschließlich aus den Jahren 1958 bis 1982 – von "In Spite of all the Danger", dem frühesten Lennon/McCartney-Original im Stil der Everly Brothers bis zu der Ballade "Here today", die an "Yesterday" erinnert und in der Paul die verlorene Freundschaft zu John beweint. Songs vom letzten Album werden zwar auch gereicht, aber sie klingen wie alte: "Save Us" nach den Siebzigerjahren, "New" nach den Sechzigern. Und mit dem rhythmisch-akustischen Vorjahreshit "Four Five Seconds" stellt McCartney klar, dass da eben nicht nur die frischen Superstar-Kollegen Kanye West und Rihanna am Werke waren, dass für eine Legende wie ihn auch 54 Jahre nach "Love me do" noch Nummer-Einsen in Reichweite sind.

Wollen die jetzt allen Ernstes losschunkeln?

"Love me do" kommt auch. Traute Mundharmonika von Keyboarder Paul Wickens, bezwingende Melodie, schlendernder Rhythmus. In einigen Reihen macht sich jetzt, kaum dass McCartneys drei Amerikaner - der Schlagzeuger Abe Laboriel jr und die Gitarristen Rusty Anderson und Brian Ray – den Druck mal kurz zurücknehmen, urdeutsche Musikantenstadlgemütlichkeit breit. Wollen die jetzt allen Ernstes losschunkeln wie weiland unsere Omis bei Freddy Quinn? So schön, schön war die Zeit.

Die Überraschungen für den, der McCartneys Musik mehr liebt als das eigene Nostalgiegefühl, lassen sich an zwei Fingern abzählen: "Temporary Secretary", ein Stück Elektropop von 1980. Und aus der großen Schatzkammer der Fab Four ist es "Being for the Benefit of Mr. Kite", ein torkelndes, burleskes Zirkuslied, bei dem die Bühne in gefühlt 8000 Farben flimmert. Die letzte Stunde ist dann reines "Ob-la-di, Ob-la-da", die größten Hits erstrahlen in Serie – alles Nummern sicher. Man geht jetzt besser in den Genießermodus, statt sich über die Vorhersehbarkeit zu grämen. Da sind sie alle wie beimletzten Mal 2011 in Köln: "Lady Madonna", "Eleanor Rigby", "Let it be" und "Hey Jude", das, als es erstmal über den Berg seiner Lyrik ist, vom Chor der 27.000 lauthals getragen wird: "Naaaa-naa-naaa-nanananaaaa".

"Oh, I believe in Yesterday", bekennt Paul McCartney zum Zugabenbeginn. Gerüchte aus den USA, dass seine Stimme brüchig und schmal geworden sei, bestätigen sich in Düsseldorf nicht. Immer wieder steigt er ins Falsett, und meistert selbst die enormen Anforderungen des inbrünstigen "Maybe I’m Amazed".  Mit "Golden Slumbers" beginnt die Betthupferlrunde. Goldene Träume wünscht er uns in "Golden Slumbers", weiß in "Carry that Weight", dass ein jeder von uns sein Päckchen zu tragen hat, und versichert uns dann noch, dass wir am Ende soviel Liebe geben wie nehmen werden. "The End" heißt dieses letzte Lied, das auch die als letzte aufgenommenen Beatles-Platte "Abbey Road" beendete. Der Kreis zu dem Schlussakkord, mit dem die Nacht in Düsseldorf begann, schließt sich perfekt. Und es war – alles in allem - eines nicht allzu harten (Sams-)Tages wunderbare Nacht.

RND/Matthias Halbig

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur
Adventskonzert des Knabenchores Hannover in der Marktkirche

Machet die Tore weit – unter diesem Motto stand das Adventskonzert des Knabenchores Hannover in der Marktkirche. Und eine federnd leichte, hoffnungsfrohe und zuversichtliche Interpretation der gleichnamigen Motette von Andreas Hammerschmidt liefert der Chor dann auch.