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Experten diskutieren in Hannover über Geld

Interview Experten diskutieren in Hannover über Geld

In Hannover debattieren noch bis Sonntag Therapeuten und Psychoanalytiker über „Die phantastische Macht des Geldes“. Ein Gespräch über Geld und Liebe mit der Diplom-Psychologin Gertrud Corman-Bergau.

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In Hannover diskutieren Experten über die Wirkung von Geld. Psychologin Gertud Corman-Bergau sprach mit der HAZ über Geld und Liebe.

Quelle: Stefan Arend (Symbolbild)

Bei der Jahrestagung der Psychoanalytischen Gesellschaft in Hannover geht es unter anderem um das Thema „Geld und Liebe“. Was haben Psychotherapeuten und Psychoanalytiker damit zu tun?

Es heißt zwar: Liebe kann man nicht kaufen. Wir bieten aber eine Beziehung gegen Bezahlung. Was wir verkaufen, ist jedoch keine Freundschaft und auch keine Befriedigung. Wir vermitteln unseren Klienten die Fähigkeit zu wünschen, zu begehren, zu vertrauen und warten zu können. Also Grundkenntnisse und Fähigkeiten für eine Beziehung.

Womit wir wieder bei der Liebe wären ...

Nicht unbedingt. In einer Beziehung werden auch über Geld Werte vermittelt. Zum Beispiel, wenn Mensch in einen neuen Lebensabschnitt übertritt. Das reicht vom Sparbuch bei der Geburt über die Konfirmation bis zum Abitur. Dabei knüpft sich auch eine Wertschätzung der Person an das Geld. Geld ist in diesem Fall quasi konservierte Liebe. In Paarbeziehungen lädt man den anderen ein oder macht Geschenke, um seine Liebe auszudrücken. Dabei kann sehr unterschiedlich geschenkt werden. Die einen machen eine gemeinsame Reise, und das Geld ist dann weg. Die anderen schenken einen Diamantring, in dem der Geldwert festgehalten wird.

Kann Geld die Liebe auch kaputtmachen?

Auf jeden Fall. Geld hat auch etwas mit Gleichheit zu tun. Wenn der eine Partner sehr viel mitbringt und der andere materiell sehr wenig hat, kann das zu einem Problem führen, wenn die Partner einen Gleichheitsgedanken haben. Entweder hat der Besitzende Schuldgefühle oder der andere, weil er bedürftig ist. Ungleiche Voraussetzungen können also Schuldkonflikte auslösen.

Und wenn die Liebe vorbei ist, geht es ebenfalls wieder um Geld?

Richtig. Wenn die Liebe zerbricht, tritt das Geld in den Vordergrund. Im deutschen Recht gehört ja alles, was in der Ehe angeschafft wurde, beiden. Also wird bei einer Scheidung häufig ebenso um die gemeinsamen Investitionen gerungen wie um das Sorgerecht für die Kinder.

Wäre es um des Friedens (und der Liebe) willen besser, gar kein Geld zu behalten?

In unserer heutigen Zeit geht es eigentlich sowieso nicht, dass man Geld behält. Man legt es an, man gibt es aus, man materialisiert es in irgendeiner Form. Da besteht ganz klar eine Parallele zur Liebe. Geld ist genauso wie Liebe ein Prozess. Geld hat nur Sinn, wenn es in den Fluss des Lebens kommt. Talente (also Geld) soll man nicht vergraben, sagt man. Das bringt Stillstand. Und auch eine Liebe, von der niemand etwas weiß, versickert.

Das klingt, als gäbe es doch mehr Gemeinsamkeiten als gedacht...

Das stimmt. Geld und Liebe benötigen beide einen Vertrauensvorschuss. Ohne Vertrauen kann man Geld nicht in Umlauf geben, und ohne Vertrauen kann auch keine Liebe existieren. Wenn sich nicht einer dem anderen mit seinen Gefühlen anvertraut, kann keine Beziehung entstehen. Da sind wir wieder bei der Psychotherapie. Wenn der Patient seinem Therapeuten etwas anvertraut und dafür bezahlt, dann hofft er, dass er dafür etwas bekommt, was ihn weiterbringt in seinem Leben und seine Beziehungen.

Hätten Sie in der Show „Geld oder Liebe“ gewonnen, was hätten Sie gewählt?

Ich finde, das ist eigentlich eine unzulässige Alternative. Es wäre naiv zu glauben, man könnte die Liebe wählen und würde das Geld völlig unberücksichtigt zu lassen. Mein Gefühl sagt vordergründig: die Liebe. Aber die Liebe ganz ohne Geld funktioniert wahrscheinlich auch nicht. Für die Liebe in eine einsame Hütte gehen, wunderbar. Aber spätestens nach einigen Wochen holt man dann doch das Sparbuch.

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