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Der beliebteste (Film-)Lehrer der Republik

"Fack ju Göhte 2" im Check Der beliebteste (Film-)Lehrer der Republik

Lernziel erreicht: „Fack ju Göhte 2“ bietet qualifiziertes Herumgeblödel – zwischendurch geht’s aber auch deutlich ernsthafter zu.  Die Fortsetzung des Kinoerfolgs in der Filmkritik.

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Anti-Aggressionstraining für Zeki (Elyas M'Barek): Lisi (Karoline Herfurth) versucht's mit Akupunktur, Laura (Anna Lena Klenke) ist nicht so richtig überzeugt.

Quelle: Christoph Assmann/Constantin Film Verleih GmbH/dpa

Am Anfang waren es die Teenager, die Bora Dagtekins Schulkomödie „Fack ju Göhte“ für sich entdeckten. Aber mit jeder Woche zog der Film weitere Kreise, sogar unter Lehrern entwickelte er sich zum heimlichen Kultfilm. Der Film war eben keine dieser durchkalkulierten deutschen Komödien, die es allen recht machen wollen. „Fack ju Göhte“ war ein ungehobeltes, originelles Stück Kino, das einfach nur Spaß machen wollte.

Der Plot, der einen Ex-Knacki als Lehrer auf eine Gesamtschule schickte, war wie in den meisten guten Komödien zu vernachlässigen. Seinen Drive bezog „Fack ju Göhte“ aus der Liebe zum sozialen Detail und zu einer Sprache, die den Slang auf den Schulhöfen kunstvoll überhöhte. One-Liner wie „Chantal, heul leiser!“ arbeiteten sich ihren Weg ins Zuschauergedächtnis und wurden über Schulflure hinaus zitierfähig.

Dass Regisseur Dagtekin seine Charaktere bei aller Zurschaustellung ihrer Schwächen liebt, wird im zweiten Teil noch deutlicher. Man merkt der Fortsetzung allerdings an, dass sie – vom Überraschungserfolg angetrieben – mit heißer Nadel gestrickt wurde. Die Idee, die Schulhof-Chaoten auf Klassenfahrt zu schicken, ist naheliegend. Umso exotischer wirkt das Reiseziel Thailand. Der Südostasien-Trip dürfte dem Umstand geschuldet sein, dass Dagtekin hier schon die Kinoversion von „Türkisch für Anfänger“ gedreht hat und auf eine bewährte Infrastruktur zurückgreifen konnte.

Die ehrgeizige Direktorin Gudrun Gerster (Katja Riemann) schickt die Umwelt-AG nach Thailand, um dort mit internationalem sozialem Engagement zu punkten und die verrufene Gesamtschule im innerstädtischen Ranking nach oben zu bringen.

Zeki Müller (Elyas M’Barek) jedoch hat seine eigenen Gründe für die Klassenfahrt. Ein Beutel mit Diamanten hat sich mit einer Stofftierspende nach Thailand verirrt. Die Diebesbeute eines Knastkumpels soll als Finanzkapital für einen beruflichen Neuanfang dienen. Denn das Lehrerdasein nervt den neuen Kollegen. Allein schon das frühe Aufstehen!
Erneut muss sich Zeki zwischen einer kriminellen und einer pädagogischen Karriere entscheiden, womit die Motivation des ersten Teils eins zu eins übernommen wird. Nach etwas ungelenkem Beginn startet die Komödie mit dem Landeanflug auf Bangkok erst so richtig durch. Vom Saufgelage im Stripclub über das Schrotten eines Motorbootes bis zu einer bekifften Bibi & Tina-Persiflage auf dem Rücken zweier Elefanten lassen die Gesamtschul-Chaoten kaum etwas aus.

Nebenbei sorgt ein Wettstreit mit einer Gesandtschaft des verfeindeten Schiller-Gymnasiums für Turbulenzen. Eine Tsunami-Waisenkinder-Gang fordert tatsächlich das soziale Engagement heraus. Zusammengehalten wird die dramaturgische Loseblattsammlung wiederum von den frotzeligen Dialogen Dagtekins, der auch hier aus dem großmäuligen Jugendslang eine ganz eigene Poesie entwickelt.

Elyas M'Barek: der beliebteste (Film-)Lehrer der Republik

Seine Schulkarriere sah so aus: Er flog vom Gymnasium, flüchtete aus einem Internat, blieb auf der Realschule sitzen. Dann schaffte er mit Ach und Krach die Hauptschule, riss sich zusammen und holte 2004 sogar sein Fachabitur nach. Sage also keiner, Elyas M’Barek würde sich mit Schule nicht auskennen. Dass es der 1982 in München geborene Sohn einer österreichischen Mutter und eines tunesischen Vaters nun aber dank eines Kinofilms zum beliebtesten (Film-)Lehrer der Republik gebracht hat, verwundert doch. Inzwischen erzählt er gern aus seinem pädagogischen Erfahrungsschatz. Zum Thema Klassenfahrten sagt er: „Ich habe es immer nur so wahrgenommen, dass die Lehrer sehr viel getrunken haben und das eher so ein Sauftrip für die Lehrer war.“

Über Goethe und Schiller: „Es ist sicher gut, eine gewisse Bildung zu haben, was deutsche Lyrik angeht, gewisse mathematische Fähigkeiten sind aber auch nicht zu unterschätzen. Ich habe es immer so wahrgenommen, dass man möglichst viel lernt aus allen Bereichen.“ Und der „FAS“ sagte er: „Ich finde es gut, wenn Lehrer ihre Schüler auffangen. Aber ich habe oft gehört: ‚Aus dir wird nichts. Du landest auf der Straße.‘“ Da hat M’Barek seine Lehrer nun eines Besseren belehrt – dank seines Durchbruchs mit den TV-Serien „Türkisch für Anfänger“ und „Doctor’s Diary“, der Kinokomödie „Männerhort“,  dem Hacker-Thriller „Who am I“ und erst recht durch seine Verwandlung in Lehrer Zeki Müller. Den ersten Teil von „Fack ju Göhte“ wollten 7,3 Millionen Zuschauer sehen.  sto

Groß kommt Publikumsliebling Chantal zur Geltung, die einsehen muss, dass sie doch nicht zu den Hochbegabten gehört und fortan von einer Karriere als Youtube-Star träumt. Dass sich eine bildungsferne Assi-Braut im Pimkie-Outfit derart in die Herzen des Publikums spielte, ist eine beachtliche Leistung des Films und der fabelhaften Jella Haase. Ihre Figur wird im zweiten Teil nicht nur mit originellen Sprüchen, sondern auch mit familiären Hintergrundinformationen ausgebaut.

Das gilt ebenso für die anderen Problemschüler. Sie steppen nicht dauernd im Partymodus über die Leinwand, sondern dürfen auch Gefühle zeigen. Und wenn Lehrer Müller heimlich an die Eltern eine SMS schreibt, findet Regisseur Dagtekin sogar den Mut und vor allem auch den richtigen Ton für familiäre Sentimentalitäten.

Die Schauspieler Elyas M'Barek und die Sängerin Lena Meyer-Landrut kommen zur Filmpremiere „Fack Ju Göhte 2“ im Mathäser Filmpalast in München.

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Insgesamt ist dieser zweite Teil ein gelungener Balanceakt, der die Fans mit bewährtem Handlungsmuster, lieb gewonnenen Charakteren, exotischer Location und ein wenig Action bedient, aber auch die Figuren innerhalb der engen Genregrenzen ausbaut. Es wird qualifiziert herumgeblödelt, zwischendurch geht’s aber auch deutlich ernsthafter zu.

von Martin Schwickert

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Zweiter Teil mit Elyas M'Barek
Der zweite Teil von „Fack Ju Göhte“ dürfte ähnlich viele Fans in die Kinos locken - wenn es nach den kreischenden Teenies bei der Weltpremiere geht.

Weltpremiere für die Fortsetzung einer Kult-Komödie: Die Stars des Films „Fack Ju Göhte 2“ haben sich am Montagabend in München auf dem roten Teppich von Hunderten Fans feiern lassen - die meisten von ihnen weiblich und im Teenie-Alter.

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