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Kultur Zwischen Leben und Tod
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00:15 11.09.2014
Szene aus Shannon Gillens „Empty Chair Technique“. Quelle: Ammerpohl
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Hannover

Man kennt das aus Castingshows: Am Anfang haben sich noch alle Teilnehmer lieb. Dabei sein ist alles. Dann fangen die ersten Sticheleien untereinander an. Schließlich wird die Atmosphäre geradezu feindselig. Aus Mitstreitern werden Rivalen, aus Spaß wird bitterer Ernst. Der Spanier Miquel G. Font inszeniert keinen Wettbewerb um Schönheit, Musikalität oder sonstige Talente. In „Exodus to Hopeland“ geht es darum, ein Visum für das Paradies zu ergattern.

Es ist eine beinahe zynische Reality-Show, die der Spanier im Rahmen des Künstlerresidenz-Programms „Think Big“ als Teil von Tanztheater International im nahezu ausverkauften Saal des hannoverschen Pavillons zeigt. Wenn dieses zusammen mit dem Ballett der Staatsoper nunmehr zum dritten Mal auf die Beine gestellte Förderprojekt für drei ausgewählte junge Choreografen ebenfalls ein Wettbewerb wäre, hätte Font wohl den ersten Preis gewonnen. Das Publikum jedenfalls spendete ihm am meisten Beifall.

Dabei überzeugte nicht unbedingt die tänzerische Darbietung - ebenso wenig wie bei der US-Amerikanerin Shannon Gillen oder dem aus Polen stammenden Robert Przybyl. Keiner der drei hat sich allein auf die pure Ausdruckskraft der Bewegung verlassen. Alle haben mit Sprache, Video- und Bildprojektion gearbeitet. Nur selten - höchstens in einem kurzen Solo oder Duett - fesselte allein der Tanz die ganze Aufmerksamkeit des Zuschauers.

Weder Gillen mit ihrem düsteren Familienpsychogramm „Empty Chair Technique“ oder Przybyl mit seiner zwischen Leben und Tod schwebenden Analyse menschlicher Berührungen unter dem Titel „Skin to Skin/Simple Touch“ konnten mit einer originellen Körpersprache überraschen. Auch bei Font dominierte über weite Strecken die Monotonie der Bewegungen. Anders als bei Gillen und Przybyl war bei ihm jedoch die Mischung aus multimedialen Effekten und tänzerischen Parts besser aufeinander abgestimmt. Fließende Übergänge und eine stringent erzählte Handlung machten seine Arbeit deutlich zugänglicher für das Publikum als die anderen beiden Stücke. Höchste Anerkennung verdienen die neun von den drei Choreografen ausgewählten Tänzer, die über fünf Wochen lang im Schichtdienst mit Font, Gillen und Przybyl geprobt, sich künstlerisch eingebracht und schließlich die drei jeweils halbstündigen Choreografien an einem Abend auf die Bühne gebracht haben.

Am Ende gab es im Pavillon weder Gewinner noch Verlierer - dabei sein war alles.

Für alle weiteren Vorstellungen von Tanztheater International gibt es nur noch vereinzelt Karten.

von Kerstin Hergt

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