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„Best Off“ kommt in den Pavillon

Festival für Freies Theater „Best Off“ kommt in den Pavillon

Wer im Wettbewerb steht, der hat schon gewonnen. Sechs Produktionen von sechs freien Theatergruppen aus Niedersachsen werden beim „Best Off“-Theaterfestival vom 21. bis 23. April im Pavillon zu sehen sein. Und jede der Gruppen, die dort auftreten werden, hat bereits einen Betrag von 10.000 Euro erhalten.

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„Aufgeben wäre zu einfach“

Szenenbild aus dem Theaterstück "Im Schatten des Mondes" der hannoverschen Gruppe theater fensterzustadt.

Quelle: theater fensterzurstadt

Hannover. Unter anderem mit derart üppigen Auftrittshonoraren fördert die Stiftung Niedersachsen das freie Theater des Landes. Seitdem die Lottostiftung 2009 mit der Stiftung Niedersachsen fusioniert ist, gehört die Förderung des Freien Theaters im Lande zu den Förderschwerpunkten der Stiftung Niedersachsen. Das „Best Off“-Festival ist eine Leistungsschau der besten Gruppen. Wer teilnehmen darf, ist schon ausgezeichnet, die 5000 Euro für den Sieger gibt es obendrauf.

Eine fünfköpfige Jury der Stiftung hat Arbeiten von freien Gruppen aus ganz Niedersachsen gesichtet. Thematische Beschränkungen gab es nicht. Ob Kinder-, Jugend- oder Erwachsenentheater, ob Tanz- oder Figurentheater - zur Bewerbung sind alle Theaterformen zugelassen. Es gibt allerdings eine wichtige Einschränkung. Nur professionell arbeitende Theatergruppen dürfen beim Festival mitmachen, also: kein Laienspiel, kein Amateurtheater. 47 Gruppen haben sich beworben, sechs Produktionen hat die Jury nach Hannover eingeladen.

Irgendeinen Hildesheim-Bezug gibt es immer

Daniela Koß, bei der Stiftung Niedersachsen für das Freie Theater und die Soziokultur zuständig, erklärt die Auswahlkriterien so: „Wir wollen innovative Formate zeigen. Gut gebautes Kindertheater ist sicher auch wichtig, spielt aber beim Festival keine große Rolle.“

Auffällig ist der Hildesheim-Schwerpunkt der Auswahl. Fast alle eingeladenen Gruppen haben irgendeinen Hildesheim-Bezug. Das hängt mit dem dortigen Studiengang „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ zusammen, der Jahr für Jahr eine große Zahl fertig studierter Performer und Theaterleute entlässt. Viele von ihnen gründen Ensembles und lassen sich in Niedersachsen nieder - die Konkurrenz ist hier nicht so stark wie etwa in Berlin, die Chance, gefördert zu werden, ist deutlich größer.

Marja Christians und Isabel Schwenk (aus Hildesheim), die als Kollektiv Christians/Schwenk szenisch an „Formen subversiver Darstellung struktureller Gewalt mit Mitteln der Komik“ forschen, präsentieren beim Festival „J.U.D.I.T.H.“, eine feministische Dekonstruktion von Hebbels „Judith“. Auch Markus & Markus (ebenfalls eine Gruppe mit Hildesheimer Hintergrund) nehmen ein Stück der klassischen Dramenliteratur als Spielmaterial. Aus Ibsens „Gespenster“ machen sie ein Stück über Sterbehilfe. Sie haben eine Sterbewillige auf ihrer Reise in die Schweiz und in den Freitod begleitet.

Die Performance „Steppengesänge“ des Kollektivs Adele Dittrich Frydetzki, Kristina Dreit, Marten Flegel und Anna Froelicher (Woher? Hildesheim!) beschreibt eine Reise durch die öde Landschaft des Braunkohletageabbaus in der ostsächsischen Lausitz. Und die Gruppe Thermoboy FK (ebenfalls Hildesheim) bringt ein Stück über Computerspiele auf die Bühne, die während des Stückes erst zusammengebaut wird.

Eine Gesprächssituation dagegen will die Gruppe pulk fiktion etablieren: Junge und alte Menschen, Performer und Zuschauer sitzen an einem Tisch und reden miteinander über allerlei wichtige Themen.

fensterzurstadt zeigt Stück über erste Mondlandung

Ein wichtiges Thema behandelt die hannoversche Theatergruppe fensterzurstadt, die Hildesheimer Wurzeln hat: In „Im Schatten des Mondes“ geht es um unsere Erinnerungen an die erste Mondlandung 1969. Das Stück hatte bereits im November 2013 in Hannover Premiere - aber das ist kein Hinderungsgrund für die Teilnahme am „Best Off“-Festival. Zugelassen sind alle Produktionen, die nach dem jeweils letzten Festival Premiere hatten.

Zwölf Produktionen freier Theater aus Niedersachsen hatten es in die Endauswahl geschafft, die Diskussionen der Jury seien hart gewesen, sagt Daniela Koß, acht Stunden habe es gedauert, bis man sich auf die sechs Teilnehmer geeinigt hatte. In ihrer Eigenschaft als Jurorin ist Daniela Koß viel durch Niedersachsen gereist, um freie Theaterproduktionen in Augenschein zu nehmen. Ihr Eindruck vom aktuellen Festivaljahrgang: „Es sieht so aus, als ob die gesellschaftliche Relevanz der Produktionen wieder zunimmt.“

Während sich die Jurorin 2010 noch darüber gewundert hat, wie „wahnsinnig unpolitisch“ die freie Theaterszene sei, sieht sie jetzt überall „deutliche Haltungen und starke Positionen“. Eine deutliche Haltung für das freie Theater nimmt auch das Festival selbst ein. Während die vorigen Ausgaben im Ballhof stattfanden, findet das Festival jetzt auf den Bühnen des Pavillons am Raschplatz statt - und kommt damit an einen Ort der freien Szene zurück.

Best Off

Der Kartenvorverkauf für „Best off“ startet am 15. Februar. Das Festival wird vom 21. bis 23. April im Pavillon stattfinden. Die Gruppe Markus & Markus gastiert schon in dieser Woche im Pavillon: Am Freitag, 29. Januar, und Sonnabend, 30. Januar, zeigt das Ensemble jeweils ab 19.30 Uhr seine Produktion „Ibsen: Peer Gynt“.

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