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Ein Selfie mit dem Führer

„Er ist wieder da“ Ein Selfie mit dem Führer

Auf Borats Spuren: David Wnendts „Er ist wieder da“ ist eine gewagte Mischung aus Doku und Satire. Hauptdarsteller Oliver Masucci reist in vollem Führer-Outfit durch die Republik. Die Kritik zum Film.

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Senderchefin Bellini (Katja Riemann) und Adolf Hitler (Oliver Masucci).

Quelle: Constantin

Hannover. Was wäre, wenn ... Adolf Hitler im heutigen Berlin wiederauferstehen würde? Um dieses simple Gedankenexperiment baute Timur Vermes seinen Debütroman „Er ist wieder da“, eine Satire, der letztendlich im salbadernden Hitler-Ich-Erzählermodus die narrative Fokussierung fehlte.

Nun hat David Wnendt den Roman für das Kino adaptiert, der aus zweierlei Gründen für diese Aufgabe prädestiniert ist: Zum einen hat er sich in seinem Kinodebüt die „Kriegerin“ auf profunde Weise mit dem Thema Rechtsradikalismus beschäftigt, noch bevor es durch die NSU in die Schlagzeilen geriet. Zum anderen hat er in „Feuchtgebiete“ bewiesen, dass man auch aus mittelmäßigen Bestsellern hochinteressante Kinofilme entwickeln kann, wenn man nur selbstbewusst genug mit der Vorlage umgeht.

Das Gleiche ist ihm nun auch mit „Er ist wieder da“ gelungen. Die Idee, mit der Wnendt sich den Stoff aneignet, ist auf einfache Weise genial. Er lässt seinen Hauptdarsteller Oliver Masucci in vollem Führer-Outfit durch die Republik reisen. Als verständnisvoller Zuhörer sitzt Hitler an den Stammtischen auf Sylt und in Brandenburg und präsentiert sich in der Bayreuther Fußgängerzone als Porträtmaler. Alles bei laufender und keineswegs versteckter Kamera.

Ein Borat im Hitler-Kostüm also, der seine angenommene Identität als Führer nie aufgibt. Und wie reagieren die Menschen? Manche finden es einfach nur lustig und machen erst einmal ein Selfie mit dem Führer. Nur wenige empören sich und die meisten nehmen die Kunstfigur auf gespenstische Weise als Menschen ernst. Sie schütten Hitler ihr Herz aus, ziehen über „die Ausländer“ her, schimpfen auf die Demokratie und die Medien, von denen sie sich nicht vertreten fühlen, und schließen sich den kaum abgewandelten Parolen des Führers erschreckend vorbehaltlos an. „Ich würde für Deutschland sterben“, entfährt es einer Frau, die sich präventiv schon ein wenig Mut angetrunken hat.

Service

„Er ist wieder da“, Regie: David Wnendt, 116 Minuten, FSK 12 Astor, Cinemaxx, Cinemotion, Cinestar, Kino am Raschplatz

Die durchaus gruselig anmutenden Dokumentaraufnahmen verwebt der Film mit den Grundzügen des Romans. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen seiner Deutschland-Tournee beschließt Hitler sein Comeback in der Mediengesellschaft und wird in einer Comedy-Show zum gefeierten Skurrilum. Wenn er in seinem ersten Auftritt über die Verblödung des deutschen Fernsehens wettert, halten die Redakteure die Luft an. Aber das Publikum ist begeistert. Hitler wird sogar zum gefeierten Youtube-Star.

„Damit kann ich arbeiten“ stellt Hitler am Schluss des Films befriedigt fest, während er im offenen Wagen die Straße hinunterfährt, die Menschen ihm zuwinken und den rechten Arm zum Gruß erheben. Wnendt zeigt, dass sich dieses Land auch nach 70 Jahren noch nicht vom Gespenst seiner Vergangenheit befreit hat - das macht „Er ist wieder da“ zu einem der besten und wichtigsten Filme dieses Jahres.

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