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Nachrichten Kultur Eine Überdosis Männerhärte: „Criminal Squad“
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00:00 01.02.2018
Mit Gewehr macht er mehr her: O’Brien (Gerard Butler), der härteste unter den harten Cops in Los Angeles. Quelle: Foto: Concorde
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Wer 50 Cent alias Curtis Jackson über die Jahre so rappen hörte, konnte glauben, dass der Mann verbal ziemlich hart austeilen kann. Da wurden Typen „von der Landkarte gepustet“, „Schädel geknackt“ und Blei „in deine Brust gepumpt“. Ähnlich geht es im neuen Actionfilm „Criminal Squad“ zu, wenn Jackson, Gerard Butler und ihre Nebenmänner als Bankräuber und kriminelle Polizisten zum Sturmgewehr greifen. Harten Jungs mit einer Vorliebe für harten Stoff dürfte das reichlich Spaß machen. Der sonst gerne vorlaute „Fifty“ bleibt dabei aber eine eher wortkarge, stoische Randfigur.

Der Cop ist kein klassischer „good guy“

Als „weltweite Hauptstadt des Bankraubs“ wird Los Angeles in „Criminal Squad“ vorgestellt, alle 48 Minuten werde dort statistisch gesehen eine Bank ausgeraubt (das war Anfang der 1990er Jahren teils der Fall, 2016 gab es laut FBI in ganz Kalifornien aber nur etwa 460 Fälle von Bankraub). Entsprechend schwer bewaffnet geht eine Gruppe ehemaliger Elitesoldaten ans Werk, als sie sich in die US-Zentralbank einschleusen und mit 30 Millionen Dollar in unmarkierten Scheinen davon spazieren will. In Ray Merriman (Pablo Schreiber) findet die Truppe Schwerkrimineller ihren passenden Rädelsführer.

Aber ein Bösewicht ist nur dann wirklich böse, wenn er Katz und Maus mit einem „good guy“ spielen kann. Und weil der Polizist „Big Nick“ O’Brien (Gerard Butler) nicht nur heftig trinkt und Prostituierte besucht, sondern eine ganze Band an kriminellen Ermittlern anführt, ist der Showdown zwischen den Alpha-Tieren so gut vorprogrammiert. So hart ist O’Brien, dass er sogar einer Leiche am Tatort den Donut klaut. Wieso auch nicht. Verblichene haben eh keine Freude mehr an Gebäck. „Am Set waren zehn Alpha-Männer“, erzählte Butler auch der Deutschen Presse-Agentur im Interview über den fast ausschließlich männlich besetzten Film. „Big Nick“ beschrieb er dabei als den „T-Rex“, den „Silberrücken“ unter den harten Kerlen.

Frauen strippen oder hüten den Herd

Frauen dienen im Film eher als hübsches Beiwerk: Sie sitzen stumm am Tisch, strippen, verkaufen sich für Sex oder bleiben mit den Kindern zu Hause, während die Jungs Verbrechen begehen oder Verbrecher jagen. „Es ist ein sehr Testosteron-geladenes Set, eine wirkliche Typen-Show“, sagte Schreiber, „ein bisschen wie Kinder, die mit ihren Spielzeugen spielen.“ Dafür ließ Regisseur Christian Gudecast die Schauspieler Bootcamps durchlaufen, in denen beide Gruppen - also die Verbrecher und die kriminellen Polizisten - auch getrennt trainierten.

„Criminal Squad“, der im Original „Den of Thieves“ (Räuberhöhle) heißt und für den deutschen Markt etwas schief umgetauft wurde, lässt den Zuschauern die Wahl: Stellt man sich hinter den Präzisionstäter Merriman, den gescheiterten Familienvater „Big Nick“ oder gar den unscheinbaren Fahrer Donnie (O’Shea Jackson Jr.)? „Donnie hat es am schwersten - ich werde von den guten und den bösen Jungs verprügelt“, sagt Jackson. „Das Publikum muss selbst entscheiden“, sagt er. Clever genug sind Gudecasts Drehbuch und Charaktere dafür allemal.

Amerikas vergessene Veteranen

Ein ur-amerikanischer Film ist „Criminal Squad“ schon ab den ersten Minuten. Jenseits des packenden Bankraubs und minutenlanger, sehr lauter Schusswechsel stellt er auch die Frage, wie ein Land so viele seiner Supersoldaten von einst vergessen und vernachlässigen konnte. Perspektivlos streifen diese Männer als Veteranen durchs Leben und werden kriminell, obwohl zu Hause Frau und Kinder warten. Das Verbrechen geschieht fast um des Verbrechens willen und nicht des Geldes wegen, als sei die berüchtigte Zentralbank Federal Reserve selbst eine Jagdtrophäe im Großstadtdschungel.

Von Johannes Schmitt-Tegge

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