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Kultur „Unsane“ – Soderbergh filmt mit dem Handy
Nachrichten Kultur „Unsane“ – Soderbergh filmt mit dem Handy
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16:23 27.03.2018
Wie befreit man sich aus der Psychiatrie? Sawyer (Claire Foy) gibt stichhaltige Antworten auf die beklemmende Frage. Quelle: Foto: Fox
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Hannover

Das US-Gesundheitssystem mag Steven Soderbergh nicht besonders: In „Side Effects“ rechnete er mit der Pharmaindustrie ab. Nun hat er sich in „Unsane“ die Psychiatrie vorgeknöpft, in der Patienten mal eben weggesperrt werden, um die Bettenbelegung hochzuhalten. Aber keine Angst: Es handelt sich hier um dreckiges, schnelles Genre-Kino und ganz bestimmt nicht um ein aufklärerisches Sozialdrama.

Ist der Stalker ein Mitarbeiter der Psychiatrie?

Sawyer (Claire Foy, Elisabeth II. in der Serie „The Crown“) landet auf der Flucht vor einem Stalker in der Psychiatrie, sucht nur Hilfe und unterschreibt in einem Moment der Unachtsamkeit ihre Selbsteinweisung – wohl kein Einzelfall in diesem ehrenwerten Haus. Und dann kommt’s: Sawyer meint, in einem der Pfleger ihren Verfolger David (Joshua Leonard) zu erkennen. Aber wer glaubt schon einer mit Tabletten vollgepumpten Frau?

Mit delikaten Psychospielchen hält sich Soderbergh nicht lange auf. Wenig subtil appelliert er an unsere Ängste, in einem Zwangssystem zu verschwinden. Um wieder herauszufinden, sollte man eine toughe junge Frau mit ausgeprägten Überlebensinstinkten sein. Vom Opfer verwandelt sich Sawyer in ein wehrhaftes Musterbeispiel für jede #MeToo-Beauftragte. Übergriffige Männer bringt Sawyer auch schon mal mit einem angespitzten Löffel zur Strecke. Die rasante Handlung hilft, logische Löcher zu übersehen.

Der digitale Schmuddel-Look passt gut zu Soderberghs Geschichte

Ob der Dreh mit dem Handy jetzt die Zukunft ist? Zuvor hat auch schon Sean Baker die Technik in „Tangerine L. A.“ ausprobiert, allerdings aus Kostengründen. Sagen wir so: Hier passt der digitale Schmuddel-Look ganz wunderbar zur Geschichte. Soderbergh, der Wanderer zwischen Medienwelten, kann sich eine weitere Kerbe in sein Smartphone machen.

Von Stefan Stosch / RND

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