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Kultur „Vielmachglas“ – Jella Haase im Abenteuerland
Nachrichten Kultur „Vielmachglas“ – Jella Haase im Abenteuerland
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11:22 07.03.2018
Ein Glas fürs wildere Leben: Marleen (Jella Haase) trifft auf ihrer Befreiungsreise jede Menge interessante Leute, zudem Ziegen und sogar einen Tiger. Quelle: Foto: Warner Bros
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Berlin

Muss man bis in die Antarktis reisen, um zu sich selbst zu finden? Ja, bei Marleen, Anfang 20, antriebsschwach, nicht gerade mit üppigem Selbstbewusstsein ausgestattet, lang genug gefrustet, ist das so. Und dafür investiert sie alles, was sie hat. Acht Euro.

Eine Nörglerin im Schneckenhaus

Via Hamburg will sie in die eisige Wildnis schippern. Einen öden Alltag hinter sich lassen – und vor allem: einen schmerzhaften Verlust verarbeiten. Jella Haase („Fack ju Göhte“) verkörpert die Nörglerin, die es erst nicht aus ihrem Schneckenhaus schafft und für die es dann plötzlich nicht weit genug sein kann. Matthias Schweighöfer spielt ihren großen Bruder Erik.

Der kommt diesmal in Rasta-Locken und mit Tattoos auf die Leinwand. Den Titel des neuen Films liefert das „Vielmachglas“, das Erik der Zaghaften in die Hand drückt. Jedes Abenteuer, jeden Anflug von Mut soll Marleen auf einen Zettel notieren. Dieser wandert nicht in ein Einmachglas, sondern in üppiger Zahl ins Vielmachglas, rät der Bruder, quasi ihr Gegenentwurf, quirlig, dauernd on tour weltweit. Schwindet die gerade zaghaft gewachsene Courage wieder, soll das gefüllte Glas sie wieder aufbauen. „Dann siehst du, was du alles kannst, was du dich alles getraut hast.“ So weit, so unspektakulär.

Marleen reist ins Chaos

Doch dann kommt Erik bei einem Autounfall ums Leben, Marleen saß hinterm Steuer, sie fühlt sich schuldig. An Eriks Stelle will sie in die Antarktis. Schweighöfer – mit 36 Jahren schon mehr als sein halbes Leben im Filmgeschäft – ist zugleich Mit-Produzent der Komödie, die auch tieftraurige Momente hat und anrühren kann.

Marleens Reise wird natürlich zum Chaos pur. Sie trifft auf die ausgeflippte Youtuberin Zoe, auf einen Lastwagenfahrer mit Tiger im Gepäck, eine Ziege kreuzt auch noch ihren Weg. Ebenso wie eine Busgruppe anstrengender Omas. Marleen legt sich mit Bikern an, macht nach einer Schlägerei einen unfreiwilligen Zwischenstopp in einer Arrestzelle und lernt – nicht wirklich überraschend – einen Supertypen kennen. Ben (Marc Benjamin), verständnisvoll, sanft, gutaussehend. Er ist im Campingbus Richtung Norden unterwegs - da passt alles. Man ahnt es: Ja, es wird ein Happy End mit den beiden nehmen.

Haases Spiel hebt den Film über Durchschnittsware

Der Film verleitet zwischendurch auch schon mal zum Gähnen, die Dialoge sind oft nicht gerade geistreich, insgesamt also eher eine oberflächliche Angelegenheit. Jella Haase spricht dagegen von einem Ringen um die eigene Identität, sie stellt „eine gewisse Tiefe“ in der Story fest. Zumindest stimmt das, was ihren eigenen Part betrifft. Haase ist mehr als die herrlich grenzwertige Schülerin Chantal aus den „Fack ju Göhte“-Filmen. Wenn ihre Marleen verzweifelt und am Boden ist, bringt sie das glaubwürdig rüber.

Von Yuriko Wahl-Immel

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