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Kultur „Aquaman“ ab heute im Kino: Überzeugt das Unterwasser-Abenteuer?
Nachrichten Kultur „Aquaman“ ab heute im Kino: Überzeugt das Unterwasser-Abenteuer?
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14:44 20.12.2018
Auf der Suche nach dem Dreizack: Aus dem Aquaman (Jason Momoa) soll König Arthur von Atlantis werden. Quelle: Foto: Warner Bros.
Hannover

Aquaman! Er ist für das DC-Extended Universe, was Thor für das Marvel Cinematic Universe war: Lange Haare, Rock’n’Roll-Optik, kühner Blick, Sixpack und die Angewohnheit, den Moment, in dem die fliegende Scheiße den Ventilator trifft, mit einer witzigen Bemerkung zu quittieren. Der unselige Ernst, den die DC-Filmingenieure auch in dem Zweieinhalbstunden-Seepferdchenritt „Aquaman“ etablieren, das Superheldenpathos, das alles Heroische so oft zusammenklappen lässt wie ein Kartenhäuschen – der Titelheld torpediert sie beide.

James WansAquaman“ beginnt klein und märchenhaft

Das ist nötig, denn mögen die bewegten Bilder dank CGI schon lange so cool aussehen wie die gezeichneten Pendants in den Panels der Comicheftchen, so macht sie das gesprochene Wort im Zweifelsfall sofort unglaublich lächerlich. Wenn da ein Fürst mit Weltbeherrschungsambitionen „Call me Ocean-Master!“ sagt, dann muss der Vordermann im Kino aufpassen, dass man ihm nicht einen Mundvoll Popcorn um die Ohren prustet.

James Wan, Regisseur des ersten „Saw“-Films, fängt seinen Ausflug ins Comicfach klein und märchenhaft an. In einer stürmischen Nacht findet der Leuchtturmwärter Tom (Temuera Morrison) eine Nixe, die ihm auf die Felsen geworfen wurde. Atlanna, Königin von Atlantis (Nicole Kidman), und der kleine Mann am Meer verlieben sich, bekommen ein Kind und sind fortan mit Glück eingeölt.

Ein gerechter König für Atlantis wird gesucht

Bis atlantische Soldaten auftauchen, und die Königin zurück nach Atlantis zwingen. Tom und Klein-Arthur bleiben zurück, der Junge, der stark wird wie Superman und mit achtfacher Flippergeschwindigkeit taucht, rettet mittags russische Atom-U-Boot-Besatzungen und macht abends in der Kneipe Selfies mit bewundernden Bikern. Alltag an der Küste von Maine.

Der endet, als eines Tages auch bei Arthur eine schöne Meeresfrau auftaucht. Mera (Amber Heard) fordert ihn auf, König zu werden und damit den Krieg zu verhindern, den sein Bruder Orm (Patrick Wilson) gegen die ganze Menschheit anzettelt. Orm will dazu die sieben U-Königreiche hinter sich bringen und hat Meras eigentlich pazifistischen Vater Nereus (Dolph Lundgren) mit einem Trick auf seine Seite gezogen.

Zum Auftakt entfesselt der ökologisch argumentierende Orm einen Tsunami und wirft den Menschen erstmal ihren ganzen Plastikmüll auf die Strände zurück. Arthur hat zunächst keine Lust, nach dem Dreizack des mythischen Königs Atlan aus dem Garten eines Kraken-Hummer-Godzillamonsters zu holen, der seinen Anspruch auf die Krone legitimieren würde. Dann macht er’s doch.

James Wan bedient sich kraftvoll beim Kino des Fantastischen

Gott sei Dank! Jason Momoa ist ein Glücksfall fürs Heldenfach. Der Hawaiianer überzeugte zuletzt als grimmiger Pelzjäger Declan Harp in der Trapperserie „Frontiers“, davor als von Melancholie umwehter Reiterbarbar Khal Drogo in „Game of Thrones“. Und mit Witz, Ironie und Charisma reißt er auch diesen Film an sich, der sich mit seiner relativ schlichten und dennoch überbordenden König-Artus-unter-Wasser-Geschichte ungeniert beim Kino des Fantastischen bedient – bei Henry Levins „Reise zum Mittelpunkt der Erde“, Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung“ und „Indiana Jones“ oder Peter JacksonsHerr der Ringe“-Filmen – um nur einige Beispiele zu nennen.

Dabei ist „Aquaman“ zuvörderst ein Fest aus Licht und Design, eine Maschinerie des Staunens, die die Herzen aller Zehnjährigen und Zehn-Jahre-Gebliebenen geradezu in Sprechblasen anspricht. Dass es unter der Meeresoberfläche bunt zugeht, wusste man ja schon durch „Arielle“, „Findet Nemo“ und „Yellow Submarine“. Hier nun aber kommt der ultimative psychedelische Farbrausch – und manche Bilder sind virtuoses Überwältigungskino – immer dann, wenn Quallen und Lava-Rinnsale als U-Beleuchtung dienen, in deren Gleißen und Glühen die Charaktere schweben wie in einem Traum.

Uneinheitlich: Tolle Effekte neben plastikhaften Designs

Aber es gibt auch Kulissen, die so falsch wirken wie die Räume und Landschaften in George Lucas‘ aseptischer zweiter „Star Wars“-Trilogie. Eine höchst effektvolle Laserkanone sieht aus wie eine der Dreiliter-Wasserpistolen aus dem Spielzeugladen. Und einer von Aquamans hartnäckigsten Widersachern steckt in einer Rüstung, die ein B-Film-Regisseur der Fünfzigerjahre wie Roger Corman empört als zu albern zurückgewiesen hätte.

Wenn dieser Angreifer Aquaman auffordert , ihn „Black Manta“ zu nennen, klatscht man sich auf die Schenkel. Die Uneinheitlichkeit stört die Illusion, „Aquaman“ ist nicht Fisch, nicht Fleisch und endet im üblichen, beliebigen Schlachtengetöse. Die Augen schmerzen. Alles verschwimmt.

Nicole Kidman zerstört einen Fernseher – ein Statement?

Die schönste Szene kommt gleich zu Beginn, wenn die wehrhafte Atlanna ihren Fünfzack in den Fernseher des Leuchtturmwärters pfeffert. Eine Kampfansage gegen Netflix und Co, die dem klassischen Kino derzeit das Wasser abgraben. Ein Film wie dieser, sagt uns Kidman mit ihrem Wurf, ist zu gewaltig für den kleinen Bruder TV.

Leider ist dieses Statement eine kleine große Lüge, denn Kidman, Momoa und andere haben längst das Serienformat erobert. Und „Game of Thrones“ hat gezeigt, dass große Drachen auch auf kleinen Bildschirmen maximale Wirkung erzeugen.

Von Matthias Halbig / RND

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