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Kultur Fish zelebriert Marillion-Album im Pavillon
Nachrichten Kultur Fish zelebriert Marillion-Album im Pavillon
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00:16 28.04.2016
Eigen: Sänger Fish. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Manche verfolgen seine Musik bis heute aufmerksam. Doch die meisten sind wohl hier, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Fish weiß, dass er den erfolgreichsten Teil seiner Karriere beendete, als er sich vor langer Zeit von der Band Marillion trennte. Zuvor war er einer der Superstars der Achtzigerjahre. Seine Stimme ist bis heute untrennbar verbunden mit der zweiten Phase des Progressive Rock, der einst begonnen hatte, die Rockmusik um Motive und Strukturen aus Klassik, Jazz oder Weltmusik zu erweitern, anstatt Altbekanntes zu wiederholen. Als Synthesizer schließlich irgendwann nicht mehr die halbe Bühne füllten, entwickelte sich jenes charakteristische Zusammenspiel von Keyboards und Gitarren. Ein satter, durchdringender und doch schwebender Sound.
Eines der bekanntesten Beispiele für diesen Neo-Prog ist bis heute das Marillion-Album „Misplaced Childhood“, das Fish nicht nur mit seiner Stimme prägte, sondern auch mit sensiblen Texten, die sich ein wenig ins kollektive Gedächtnis einer Generation schlichen. Dabei ist dessen bekanntester Song „Kayleigh“ wie so oft kaum repräsentativ für die Tiefe des gesamten Materials.

„Ich war damals in den Schlafzimmern von euch allen“, scherzt Fish und erinnert sich an die Zeit der LPs und Kassetten. Vermutlich sind alle ein wenig nostalgisch an diesem Abend. Vor über 30 Jahren erschien „Misplaced Childhood“. Ein Grund für Fish, es ein allerletztes Mal in vollem Umfang auf der Bühne zu zelebrieren. Die Songs des Konzeptalbums gehen ohne Pause ineinander über und entwickeln einen emotionalen Sog, der noch immer bestens funktioniert. Wer die Augen schließt, fühlt sich 30 Jahre jünger. Die Musik öffnet eine Tür zu den großen Gefühlen von damals.

Viele singen mit, nehmen Szenen des Konzertes mit ihren Smartphones auf, um sie mit Freunden zu teilen. Mit seiner hervorragenden Band schafft es Fish auch heute noch, zu berühren. Nichts wirkt peinlich am sentimentalen Blick zurück, die alte Intensität hat kaum nachgelassen. Nur die Haltung hat sich verändert. Der freundliche Riese hat die Rockstarposen schon vor Jahren abgelegt. Er ist ein unprätentiöser alternder Herr mit Brille, Bart und Halbglatze geworden, der gerne Scherze macht und in einem Kauderwelsch aus gebrochenem Deutsch und selbstbewusstem Schottisch Geschichten erzählt.

Und der sich bewusst ist, dass er die Tourstrapazen nicht mehr lange aushalten möchte. Die Knie, der Rücken, die Schultern, alles sei nicht mehr ganz in Ordnung, erzählt er im Pavillon, am Vorabend seines 58. Geburtstags. Er sei dabei, sich langsam von der Bühne zu verabschieden, in ein oder zwei Jahren sei es genug. Wer so nachhaltig an der Rockgeschichte mitgeschrieben hat, kann sich ohne Allüren entspannt zurücklehnen. Sympathisch zu sehen, dass es so auch geht.    

Von Thomas Kaestle 

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