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Kultur Fiston Mwanza Mujila liest mit Inbrunst
Nachrichten Kultur Fiston Mwanza Mujila liest mit Inbrunst
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19:06 29.11.2016
„Die Sprache ist mein Saxofon“: Fiston Mwanza Mujila.  Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Der schmale Mann mit der Hornbrille sitzt zusammengekauert auf dem Podium im Literarischen Salon und antwortet mit leiser Stimme auf die Fragen des Publikums. Man muss genau hinhören, um ihn zu verstehen. Dann springt Fiston Mwanza Mujila plötzlich auf. „Am Anfang war ein Stein! Am Anfang war ein Stein! Und der Stein schuf den Besitz“, schreit er, die Hände erhoben. Die Sätze wiederholt er tranceartig, lacht und stöhnt. In seinem Buch „Tram 83“, das er an diesem Abend vorstellt, steht das so nicht. Er liest den Text nicht einfach, er inszeniert ihn und improvisiert darüber.

„Tram 83“ ist auch der Name eines Nachtclubs in einer fiktiven afrikanischen Großstadt. Dort treffen sich Musiker, Prostituierte und Studenten. Auch Lucien und Requiem treffen dort aufeinander. Die Bar liegt auf dem Bahnhofsgelände. Der Zug, ein wichtiges Transportmittel während der Kolonialzeit im Kongo, ist im postkolonialen Zeitalter kaum noch von Nutzen. Die kongolesische Geschichte liegt Fiston Mwanza Mujila am Herzen, ist er dort doch geboren, aber: „Ich bin ein Grazer“, stellt er mit einem Augenzwinkern fest.

Mujila lebt seit sieben Jahren in Graz, wo er an der Universität über afrikanische Literatur doziert. Auf seinen Wunsch findet die Lesung heute auf Deutsch statt. Größtenteils klappt das auch. Mujilas spricht mit starkem Akzent, ist aber größtenteils verständlich. Als später komplexere Gesamtzusammenhänge besprochen werden, greift Moderatorin Anja Bandau ein und übersetzt auch ganze Antwortpassagen.

Mujila liest auch einige Abschnitte auf Französisch. Übersetzt wird das nicht. Es geht um den Klang, den Rhythmus der Sprache. „Die Sprache ist mein Saxofon“, sagt Mujila. Denn lesen durfte er als Kind, Saxofon spielen aber nicht. So gleicht auch das Vorlesen des Textes eher einer Jamsession: Er entwickelt Phrasen und Halbsätze, variiert die Lautstärke und wiederholt das Motiv, eine Hand hält das Buch, die andere dirigiert mit energischen Bewegungen. „Ich habe das Buch wie ein Jazzstück komponiert“, sagt Mujila.

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